Was riskiert man mit einem Importauto in der Schweiz?
Importfahrzeuge: Günstig im Ausland, riskant in der Schweiz?
Der Reiz eines günstigen Fahrzeugs aus Deutschland, Italien oder Frankreich ist für viele Schweizer Autokäufer verlockend. Im Vergleich zum Inlandspreis sind Importautos oft deutlich günstiger, besser ausgestattet oder in der Wunschfarbe sofort verfügbar. Doch wer glaubt, beim Fahrzeugimport automatisch ein Schnäppchen zu machen, irrt: Die Schweiz hat strenge Regelungen und erhebliche Folgekosten, die den Traum vom günstigen Auto schnell platzen lassen können.
1. Zoll und Einfuhrabgaben: Der Preisvorteil schmilzt schnell
Wer ein Auto in die Schweiz einführt, muss es beim Zoll anmelden. Dabei fallen folgende Abgaben an:
•7.7 % Mehrwertsteuer auf Kaufpreis plus Transportkosten
•4 % Automobilsteuer auf den Fahrzeugwert (nur bei Neufahrzeugen oder jungen Occasionen)
•Zollabgaben (falls das Auto nicht aus einem EU/EFTA-Land stammt)
Für einen BMW aus Deutschland im Wert von CHF 25’000 bedeutet das rund CHF 2’500 zusätzliche Abgaben – ohne Transportkosten und ohne Umbauten. Wer hier nicht ehrlich deklariert oder versucht, Kosten zu verschleiern, riskiert Bussen, die Beschlagnahmung des Fahrzeugs oder gar ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung.
2. MFK und Zulassung: Schweizer Normen sind kein Papiertiger
Bevor ein importiertes Auto auf Schweizer Strassen zugelassen wird, muss es zur Motorfahrzeugkontrolle (MFK). Dabei gelten nationale Normen, die oft strenger sind als im Herkunftsland:
•Lichtanlage und Fahrwerksmodifikationen
•Geräusch- und Abgasvorschriften (Euro-Normen)
•Sicherheitsausstattung (z. B. Airbags, Assistenzsysteme)
Besonders US-Fahrzeuge oder Sportwagen mit Tuning-Komponenten haben es schwer. Die nötigen Anpassungen kosten nicht selten mehrere tausend Franken – zum Beispiel für neue Scheinwerfer, Katalysatoren oder elektronische Systeme.
3. Versicherung: Nicht jedes Modell ist einfach versicherbar
Bei Importfahrzeugen sind Versicherer vorsichtig. Viele verlangen höhere Prämien, manche lehnen bestimmte Modelle sogar ganz ab – etwa wegen fehlender CH-Typengenehmigung, erhöhter Reparaturkosten oder mangelnder Ersatzteilverfügbarkeit. Besonders betroffen sind:
•US-Modelle (z. B. Dodge Charger, Ford Mustang)
•Exoten oder Tuning-Fahrzeuge
•Autos mit unklarer Historie
Vor dem Kauf sollte daher unbedingt eine schriftliche Versicherungszusage eingeholt werden.
4. Wertverlust: Importautos erzielen weniger beim Wiederverkauf
Ein Importauto mag im Einkauf günstiger sein, doch beim Wiederverkauf zeigt sich oft der Nachteil. Viele Schweizer Käufer bevorzugen einheimische Fahrzeuge mit lückenloser Service-Historie. Die Gründe:
•Technische Abweichungen oder fehlende Ausstattung
•Keine Garantie-Ansprüche bei Schweizer Markenvertretungen
•Geringeres Vertrauen in Wartung und Pflege im Ausland
Ein Importfahrzeug kann beim Weiterverkauf schnell CHF 2’000 bis 5’000 weniger einbringen als ein vergleichbares CH-Modell – und liegt oft deutlich länger auf dem Markt.
5. Garantie und Gewährleistung: Schutz nur auf dem Papier
Kauft man das Auto bei einem ausländischen Händler, gelten dessen nationale Gewährleistungsbestimmungen. Im Streitfall sind diese in der Schweiz meist schwer durchsetzbar – die Rückgabe eines Mängelfahrzeugs wird so zur teuren Geduldsprobe. Ausserdem:
•Viele Garantien gelten nur im Ursprungsland
•Schweizer Markenvertretungen lehnen Kulanzanträge ab
•Internationale Herstellergarantien müssen explizit vertraglich vereinbart sein
Wer also auf Garantie nicht verzichten will, sollte ausschliesslich bei offiziellen Markenimporteuren oder grossen Vertragshändlern kaufen.
6. Technische Risiken und Service-Probleme
Selbst wenn das Auto auf den ersten Blick einwandfrei funktioniert: Importfahrzeuge können in der Wartung teurer sein. Gründe sind unter anderem:
•Abweichende Software oder Steuergeräte
•Ersatzteile, die nicht beim Schweizer Importeur verfügbar sind
•Ungewöhnliche Konfigurationen (z. B. Tacho in Meilen, Sonderausstattungen)
Bei Reparaturen oder Servicearbeiten kann dies zu Verzögerungen oder deutlich höheren Kosten führen – insbesondere bei US-Fahrzeugen oder seltenen Modellen.
7. Betrug beim Auslandskauf: Tacho-Tricks und Unfallwagen
Die Schweiz hat hohe Standards in Bezug auf Kilometerstand, Zustand und Fahrzeughistorie. Im Ausland sind diese teils deutlich lascher. Risiken beim Direktimport:
•Manipulierter Kilometerstand (Tacho-Betrug)
•Verschleierte Unfallschäden
•„Reparierte“ Totalschäden aus Auktionen
Besonders auf Online-Plattformen, bei Import über Drittanbieter oder bei Käufen ohne persönliche Besichtigung sind diese Gefahren hoch. Eine spätere Rückabwicklung ist meist unmöglich – gerade bei privaten Verkäufern im Ausland.
8. Steuerliche Folgen: Kantonale Unterschiede beachten
Einige Kantone erheben höhere Motorfahrzeugsteuern für Fahrzeuge mit schlechter CO₂-Bilanz oder ohne offizielle Schweizer Zulassung. Zudem können CO₂-Abgaben bei Neuwagen anfallen, wenn der Grenzwert überschritten wird – auch rückwirkend bei der Zulassung.
9. Fazit: Ja zum Import – aber nur mit Planung und Wissen
Ein Importauto kann sinnvoll sein, wenn man alle Risiken kennt und frühzeitig richtig plant. Wichtig sind dabei:
•Vorab-Klärung mit Zoll, Versicherung, MFK und Steueramt
•Vollständige Dokumentation (COC-Papier, Kaufvertrag, Zollbeleg)
•Sorgfältige Auswahl eines seriösen Händlers
•Realistische Einschätzung der Umbaukosten
Wer nur auf den Preis schaut, erlebt oft ein böses Erwachen. Wer aber gezielt importiert, vergleicht und professionell vorgeht, kann auch in der Schweiz von günstigeren Auslandspreisen profitieren – ohne am Ende draufzuzahlen.
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