Die Schweizer Stahlindustrie steht vor einem grossen Umbruch. Angesichts des drohenden Stellenabbaus und der Herausforderungen, die der Strukturwandel mit sich bringt, stellt sich die Frage, wie die Zukunft dieser wichtigen Branche aussehen könnte. Wirtschaftsexperten wie Jan-Egbert Sturm sprechen über den notwendigen Wandel und die Chancen, die er bieten kann.
Der unvermeidbare Strukturwandel
Jan-Egbert Sturm, Wirtschaftswissenschaftler und Professor, sieht den aktuellen Wandel in der Stahlindustrie als Teil einer grösseren, globalen Entwicklung. Er betont, dass sich die Wirtschaft stetig verändert und die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten bereits ähnliche Umbrüche in anderen Industrien erlebt hat. Besonders deutlich wurde dies in der Textilindustrie, die stark zurückgegangen ist, während andere Sektoren wie die Pharma- und Biotechnologiebranche stark gewachsen sind. Sturm betont: „Damit müssen wir lernen zu leben. Es ist Teil des Strukturwandels.“
Die Bedeutung des Stahlwerks in Gerlafingen
Das Stahlwerk in Gerlafingen wird als systemrelevant für das Recycling und die CO₂-Reduktion betrachtet. Eine Motion im Nationalrat fordert Unterstützung durch den Bund, um die Schliessung des Werks zu verhindern. Doch Sturm sieht dies kritisch. Die Schweiz habe immer gut daran getan, den Strukturwandel zuzulassen. Auch wenn dies oft schmerzhaft sei, habe es der Innovationskraft des Landes genützt. Neue Industrien hätten dadurch an Bedeutung gewonnen, während unrentable Sektoren verschwunden seien.
Was ist Strukturwandel?
Sturm erklärt, dass Strukturwandel bedeutet, dass sich die Wirtschaftsstruktur eines Landes verändert, um sich neuen Bedingungen anzupassen. Vor einigen Jahrzehnten war die Schweiz viel stärker in der Textilindustrie vertreten, während Bereiche wie Pharma und Biotechnologie damals eine eher untergeordnete Rolle spielten. Heute seien diese Branchen weltweit führend, was die Innovationsfähigkeit der Schweiz unterstreiche. „Die Schweiz hat sich auf Bereiche konzentriert, in denen sie wirklich gut ist“, erklärt Sturm.
Technologischer Fortschritt und veränderte Nachfrage
Technologischer Fortschritt und die Veränderung der Nachfrage spielen eine entscheidende Rolle im Strukturwandel. Die Produkte, die heute gefragt sind, unterscheiden sich von denen vor 20 oder 30 Jahren. Dies zwingt Industrien dazu, sich anzupassen, neue Technologien zu nutzen und in zukunftsträchtige Nischenmärkte vorzudringen. Auch wenn dies oft mit sozialen Kosten wie Arbeitsplatzverlusten verbunden ist, sieht Sturm langfristig Vorteile für die Gesellschaft.
Industrie bleibt wichtig für die Schweiz
Trotz der Herausforderungen des Strukturwandels ist es laut Sturm unwahrscheinlich, dass die Schweiz komplett ohne Industrie auskommen wird. Ähnlich wie die Landwirtschaft werde auch die Industrie weiterhin bestehen bleiben, jedoch mit einem klaren Fokus auf Nischenmärkte und Hochtechnologie. „Die Schweiz ist ein sehr guter Standort, besonders im internationalen Vergleich. Wir haben viele hochspezialisierte Industrieunternehmen, und das wird sich nicht so schnell ändern.“
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