Immer mehr Zuschauer, steigende Einschaltquoten, grosse Sponsoren: Der Frauenfussball boomt wie nie zuvor. Doch stellt sich die Frage – handelt es sich um einen kurzlebigen Trend oder um einen langfristigen Wandel in der Fussballwelt?
Ein Boom, der nicht zu übersehen ist
Der Frauenfussball hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Aufschwung erlebt. Rekordbesuche bei Länderspielen, ausverkaufte Stadien in der Champions League, wachsende Medienpräsenz: Was lange als Randsport galt, rückt immer stärker ins Zentrum des Interesses. Die WM 2023 in Australien und Neuseeland war nicht nur sportlich ein Highlight – auch wirtschaftlich und gesellschaftlich markierte sie einen Meilenstein.
Allein das WM-Finale lockte über 75’000 Fans ins Stadion und wurde weltweit von Hunderten Millionen Menschen verfolgt. Auch auf nationaler Ebene – etwa in der Bundesliga oder der Women’s Super League – steigen die Zuschauerzahlen konstant.
Grosse Namen, wachsende Plattformen
Stars wie Alexia Putellas, Sam Kerr, Ada Hegerberg oder Lena Oberdorf werden zunehmend zu internationalen Gesichtern. Durch professionelle Social-Media-Präsenz, Dokumentationen und Werbeverträge erhalten Spielerinnen mehr Aufmerksamkeit – nicht nur bei eingeschworenen Fans, sondern in der breiten Öffentlichkeit.
Streamingdienste und Sportportale investieren gezielt in Übertragungsrechte von Frauenligen. Das sorgt nicht nur für mehr Sichtbarkeit, sondern auch für steigende Einnahmen, die wiederum in den Aufbau der Ligen fliessen können.
Strukturwandel statt Strohfeuer?
Doch ist dieser Boom nachhaltig? Die Meinungen sind geteilt. Viele Expertinnen und Experten sehen im aktuellen Hype eine historische Chance, die Gleichstellung im Sport voranzutreiben – allerdings nur, wenn Strukturen geschaffen werden, die den Sport langfristig stützen. Dazu gehören:
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Bessere Ausbildungswege im Jugendbereich
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Gleichberechtigter Zugang zu Trainingsinfrastruktur
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Faire Gehaltsmodelle und medizinische Betreuung
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Professionalisierung auf allen Vereinsebenen
Der Frauenfussball braucht mehr als nur mediale Aufmerksamkeit – er braucht Planungssicherheit, Investitionen und politische Rückendeckung.
Auch in der Schweiz: Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft
In der Schweiz sind Fortschritte sichtbar, aber es bleibt Luft nach oben. Die AXA Women’s Super League gewinnt an Profil, und einzelne Spiele finden bereits in grösseren Stadien statt. Doch der Vergleich mit den Topligen in England, Frankreich oder Spanien zeigt: Um ganz vorne mitspielen zu können, braucht es deutlich mehr Investitionen – sowohl auf Vereins- als auch auf Verbandsebene.
Auf dem Weg zur neuen Normalität?
Der Frauenfussball befindet sich an einem Wendepunkt. Was einst als kurzlebiger Trend galt, könnte sich zur dauerhaften Entwicklung etablieren – wenn nun die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Der Ball liegt bei Verbänden, Vereinen, Sponsoren und Medien. Nur wenn alle mitspielen, wird aus dem Aufwind ein nachhaltiger Wandel.
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