Reykjanes-Halbinsel erneut aktiv – Blaue Lagune und Ort evakuiert
Island steht erneut unter dem Eindruck eines dramatischen Naturschauspiels: Am Dienstagmorgen begann ein gewaltiger Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik. Aus einem langen Erdspalt ergoss sich glutrote Lava – direkt nördlich des Fischerortes Grindavík. Der Ausbruch wurde von der isländischen Wetterbehörde bestätigt und in Live-Aufnahmen des Senders RÚV übertragen.
Die Eruptionsspalte erreichte in kurzer Zeit eine Länge von rund 1200 Metern und dehnt sich weiter nach Süden aus. Der Zivilschutz rief umgehend die Notfallstufe aus. Sowohl Grindavík als auch das bei Touristen beliebte Geothermalbad Blaue Lagune wurden schnell evakuiert.
Vor dem Ausbruch kam es zu einem intensiven Erdbebenschwarm, der sich unter anderem in Form von Bodenerschütterungen direkt im Ort Grindavík bemerkbar machte. Trotz behördlicher Warnungen entschieden sich laut Polizei acht Menschen, im Ort zu bleiben. Eine Warmwasserleitung im Norden des Orts wurde durch die vulkanischen Aktivitäten beschädigt.
Die Region ist seit 2021 Schauplatz zahlreicher Vulkanausbrüche – der aktuelle ist bereits der 11. seitdem, und der achte allein seit Dezember 2023. Die bislang letzte Eruption hatte im November begonnen und dauerte 18 Tage. Nun aber deuten die ersten Anzeichen auf eine grössere Eruption hin: Der unterirdische Magmatunnel ist nach Angaben der Wetterbehörde rund 11 Kilometer lang.
Besorgniserregend ist vor allem, dass die Lava bereits einen Schutzwall nördlich von Grindavík durchbrochen hat. Welche Auswirkungen das auf den Lavafluss haben wird, ist derzeit unklar. Die Behörden warnen ausserdem, dass vulkanische Gase durch die aktuelle Windrichtung Richtung Hauptstadtregion getragen werden könnten.
Die Art der Eruption ist eine sogenannte Spalteneruption – keine klassische Explosion eines Vulkankegels, sondern das Aufbrechen langer Erdspalten, aus denen über Tage Lava austritt. Die Gefahr für Menschen gilt in dieser dünn besiedelten Gegend zwar als begrenzt, doch bereits in der Vergangenheit wurden Häuser in Grindavík und sogar der Parkplatz der Blauen Lagune von Lava zerstört.
Die Ausbruchserie auf der Reykjanes-Halbinsel begann nach rund 800 Jahren Ruhe im März 2021. Seither verlagerten sich die Aktivitäten von Fagradalsfjall hin zur Kraterkette Sundhnúkur. Fachleute rechnen damit, dass die vulkanischen Aktivitäten in der Region noch Jahrzehnte andauern könnten.
Infrastrukturminister Eyjólfur Ármannsson zeigte sich besorgt: „Wir müssen abwarten und hoffen, dass die Spalte nicht bis nach Grindavík reicht.“
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