In 100 Tagen beginnt die Heim-EM 2025 – ein Meilenstein für den Schweizer Frauenfussball. Noch nie war die Bühne grösser, um Sichtbarkeit zu schaffen und das eigene Profil zu schärfen. Medien, Städte und der SFV ziehen an einem Strang. Die Spielerinnen stehen vor der wohl grössten Chance ihrer Karriere – auch abseits des Rasens.
Der Schweizer Frauenfussball vor dem medialen Durchbruch
Die Sportberichterstattung ist bis heute stark männlich geprägt. Studien zeigen, dass Athletinnen nur in etwa 10 bis 15 Prozent aller Sportberichte im Fokus stehen. Besonders benachteiligt: Frauen in Teamsportarten wie Fussball. Doch mit der Heim-Europameisterschaft 2025 könnte sich das ändern.
Am 2. Juli 2025 beginnt die UEFA Frauen-EM in der Schweiz. Für das Schweizer Nationalteam ist dieses Turnier eine historische Gelegenheit, sportlich zu glänzen und gleichzeitig das öffentliche Interesse nachhaltig zu wecken. «Das ist unsere grosse Chance», sagt Martina Moser, ehemalige Nationalspielerin und heutige SRF-Expertin.
Die Kraft der Bühne: Frauen-EM als mediales Sprungbrett
Martina Moser erinnert sich an die WM 2015 in Kanada: «Vor diesem Turnier kannte uns kaum jemand. Unsere Spiele wurden nicht im Fernsehen gezeigt.» Der mediale Effekt der WM brachte dem Frauenfussball in der Schweiz damals erstmals breite Aufmerksamkeit – ein Effekt, den viele nun von der Heim-EM erwarten.
Auch Marion Daube, Direktorin Frauenfussball beim Schweizerischen Fussballverband (SFV), betont: «Dieses Turnier kann uns um Jahre nach vorne bringen.» Neben der sportlichen Leistung gehe es vor allem darum, als Vorbilder zu wirken, besonders für Mädchen, die künftig selbst kicken wollen.
Aufmerksamkeit gezielt nutzen – auch abseits des Platzes
Damit die mediale Präsenz nicht nur kurzfristig wirkt, werden die Spielerinnen gezielt vorbereitet. Der Verband bietet Medientrainings, Social-Media-Schulungen und Unterstützung im Umgang mit der Öffentlichkeit an. Die Austragungsorte wiederum setzen auf regionale Medienpartnerschaften, um die tägliche Berichterstattung zu fördern.
Moser macht klar: «Wichtig ist, was wir aus dieser Aufmerksamkeit machen.» Es brauche mehr qualifizierte Trainerinnen, bessere Infrastruktur und engagierte Funktionärinnen, um den Frauenfussball langfristig zu stärken.
England als Vorbild – Schweiz mit ehrgeizigem Ziel
Wie gross der Effekt eines Heimturniers sein kann, zeigt das Beispiel England. Dort explodierte das Interesse am Frauenfussball nach dem EM-Sieg 2022. Die nationale Liga gewann an Qualität und Aufmerksamkeit, das Fan-Interesse stieg rasant.
Ob die Schweiz ein ähnliches «Frauenfussball-Fieber» entfacht? Möglich – auch ohne Titelgewinn. «Natürlich wäre ein EM-Sieg traumhaft», sagt Daube. «Aber wichtiger ist, dass wir als Team überzeugen, inspirieren und den Frauenfussball in der Schweiz dauerhaft stärken.»
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