Wegen der anhaltenden Trockenheit wird der Abfluss aus dem Zürichsee ab dem 1. Oktober vorübergehend von 30 auf 20 Kubikmeter pro Sekunde reduziert. Damit soll der sinkende Seepegel gebremst werden. Gleichzeitig gelangt weniger Wasser in die Limmat, was Auswirkungen auf das Ökosystem und die Wasserkraftproduktion haben kann.
Seepegel sinkt weiter
Dem Zürichsee fliesst derzeit weniger Wasser zu, als gleichzeitig abfliesst. Dadurch sinkt der Wasserstand kontinuierlich. Nach den aktuellen Wetter- und Abflussprognosen zeichnet sich kurzfristig keine wesentliche Entspannung ab.
Der Kanton Zürich hat deshalb gemeinsam mit den Kantonen Aargau, Schwyz und St. Gallen sowie dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) entschieden, den Abfluss vorübergehend stärker zu reduzieren. Die Massnahme gilt ab dem 1. Oktober und ist zunächst bis Ende Oktober 2026 befristet.
Der Kanton überwacht die Wasserstände und Abflüsse laufend. Die hydrometrischen Daten bilden unter anderem eine Grundlage für die Beurteilung der Trockenheit und für wasserwirtschaftliche Entscheide.
Schifffahrt und Bauarbeiten betroffen
Mit der Reduktion soll verhindert werden, dass der Seepegel weiter so stark absinkt. Ein sehr tiefer Wasserstand könnte insbesondere den Betrieb der Zürichsee-Fähre, der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft und der Seerettung beeinträchtigen.
Auch die Bauarbeiten an der Rathausbrücke in der Stadt Zürich sind betroffen. Für die Arbeiten werden Schwimmpontons benötigt. Sinkt der Wasserstand zu stark, könnten diese nicht mehr eingesetzt werden. In diesem Fall wären Unterbrechungen, Verzögerungen und zusätzliche Kosten möglich.
Weniger Wasser für die Limmat
Die Massnahme hat gleichzeitig Folgen für die Limmat. Mit dem geringeren Abfluss aus dem Zürichsee steht dort weniger Wasser zur Verfügung. Dies betrifft sowohl den Lebensraum für Fische und andere Wasserorganismen als auch die Wasserkraftproduktion.
Im Sommer war insbesondere die Wassertemperatur der Limmat ein wichtiger Faktor. Damals wurde ein höherer Abfluss aus dem Zürichsee beibehalten, um das Risiko eines Fischsterbens zu reduzieren. Inzwischen sind die Wassertemperaturen deutlich gesunken, wodurch die Situation für kälteliebende Fischarten wie Forellen und Äschen weniger kritisch ist.
Ein geringerer Abfluss kann dennoch ökologische Auswirkungen haben. Sinkt die Wassertiefe, stehen Fischen und anderen Wasserlebewesen weniger Lebensräume zur Verfügung. Der Kanton Zürich weist generell darauf hin, dass längere Trockenperioden den Lebensraum von Fischen, Krebsen und weiteren aquatischen Organismen verkleinern können.
Situation wird Ende Oktober neu beurteilt
Die Reduktion auf 20 Kubikmeter pro Sekunde gilt zunächst bis Ende Oktober. Danach soll die Situation erneut beurteilt werden. Dabei spielt auch die beginnende Laichzeit der Forellen eine Rolle.
Der Entscheid zeigt den Zielkonflikt beim Umgang mit knappen Wasserressourcen: Ein höherer Abfluss schützt die Limmat, während ein geringerer Abfluss den Wasserstand des Zürichsees stabilisieren und damit unter anderem die Schifffahrt und laufende Bauarbeiten unterstützen kann.






