Deutschland dominiert die Schlussränge eines europäischen Bahnhofsrankings: Sechs der zehn am schlechtesten bewerteten Bahnhöfe liegen dort. Ganz anders die Schweiz: Zürich erreicht den Spitzenplatz, Bern landet auf Rang fünf. Bewertet wurden unter anderem Pünktlichkeit, Wartezeiten, Ausstattung und die Anbindung.
Der Bremer Hauptbahnhof schneidet im European Railway Station Index 2026 am schlechtesten ab. Laut der Untersuchung sind dort 63 Prozent der Züge verspätet. Die durchschnittliche Wartezeit liegt bei 21 Minuten.
Auch beim Angebot für Reisende erhält Bremen vergleichsweise wenige Punkte. Kritisiert werden unter anderem die begrenzten Einkaufsmöglichkeiten sowie der Zustand des Bahnhofsumfelds. Bei den Möglichkeiten zum Ticketkauf schneidet der Bahnhof dagegen sehr gut ab und erreicht laut Studie die maximale Punktzahl.
Die schlechtesten Bahnhöfe
gemessen am Index
| Bahnhof | Land |
|---|---|
| Bremen Hbf | 🇩🇪 Deutschland |
| Wien Meidling | 🇦🇹 Österreich |
| Dortmund Hbf | 🇩🇪 Deutschland |
| München Ost | 🇩🇪 Deutschland |
| Stuttgart Hbf | 🇩🇪 Deutschland |
| Essen Hbf | 🇩🇪 Deutschland |
| Berlin Gesundbrunnen | 🇩🇪 Deutschland |
| Torino Porta Nuova | 🇮🇹 Italien |
| Roma Tiburtina | 🇮🇹 Italien |
| Bologna Centrale | 🇮🇹 Italien |
Quelle: CCC
Deutsche Bahnhöfe dominieren die Schlussränge
Deutschland findet sich im Ranking gleich mehrfach am Ende der Rangliste wieder. Kein deutscher Bahnhof schafft es in die oberen Plätze.
Als wesentlicher Faktor werden die häufigen Verspätungen der Deutschen Bahn genannt. Sie sorgen laut der Untersuchung für zusätzliche Wartezeiten und erschweren die Planung von Reisen.
Auf dem vorletzten Rang liegt der Bahnhof Wien Meidling in Österreich. Rund ein Drittel der Züge verkehren dort verspätet. Gleichzeitig bietet der Bahnhof laut Studie nur wenige Möglichkeiten, längere Wartezeiten zu überbrücken.
Der European Railway Station Index des Consumer Choice Center vergleicht einige der 60 grössten Bahnhöfe Europas. Berücksichtigt werden verschiedene Kriterien, die aus Sicht der Passagiere relevant sind.
Zürich erreicht den Spitzenplatz
An der Spitze des Rankings steht der Zürcher Hauptbahnhof. Er schneidet damit besser ab als die anderen untersuchten Schweizer Bahnhöfe Bern und Luzern.
In Zürich beträgt die durchschnittliche Wartezeit laut Studie lediglich rund eine Minute. Auch das Angebot an Restaurants und Geschäften sowie die Zahl der Aufzüge und Rolltreppen wird positiv bewertet.
Der Bahnhof Luzern weist zwar eine noch bessere Pünktlichkeit auf, kann beim Angebot an Geschäften und Gastronomie aber nicht mit Zürich mithalten. Bern erreicht im europäischen Vergleich den fünften Platz. Schwächer bewertet wird dort unter anderem das Informationsangebot.
Die besten Bahnhöfe
gemessen am Index
| Bahnhof | Land |
|---|---|
| Zürich Hbf | 🇨🇭 Schweiz |
| Paris Gare du Nord | 🇫🇷 Frankreich |
| Amsterdam Centraal | 🇳🇱 Niederlande |
| Breslau Wroclaw Główny | 🇵🇱 Polen |
| Bern Hbf | 🇨🇭 Schweiz |
| Paris Gare Montparnasse | 🇫🇷 Frankreich |
| Paris Gare Saint-Lazare | 🇫🇷 Frankreich |
| London Bridge | 🇬🇧 Vereinigtes Königreich |
| Krakau Kraków Główny | 🇵🇱 Polen |
| London St Pancras | 🇬🇧 Vereinigtes Königreich |
Schweizer Taktfahrplan als Vorteil
Die guten Resultate der Schweizer Bahnhöfe führt die Studie beziehungsweise die Analyse auch auf die langfristige Entwicklung des Schweizer Bahnverkehrs zurück. Der konsequente Taktfahrplan sorgt für regelmässige Verbindungen und erleichtert die Planung von Reisen.
Hinzu kommen hohe Investitionen in die Bahninfrastruktur. Die Schweiz investiert pro Einwohner besonders viel in ihren öffentlichen Verkehr und hat ihr Bahnangebot über Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut.
Der Vergleich zeigt damit einen deutlichen Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland. Während der Schweizer Bahnverkehr von einem dichten Takt und einer gut ausgebauten Infrastruktur profitiert, kämpft Deutschland mit Verspätungen, Engpässen und einem stark ausgelasteten Schienennetz.
Frankreich setzt auf getrenntes Hochgeschwindigkeitsnetz
Auch Frankreich schneidet im Ranking besser ab als Deutschland. Ein Grund für die höhere Zuverlässigkeit im Fernverkehr ist das dort früh ausgebaute Hochgeschwindigkeitsnetz.
Die TGV-Züge verkehren auf speziell dafür gebauten Strecken. Dadurch gibt es weniger Konflikte mit langsameren Regional- und Güterzügen.
In Deutschland teilen sich ICE-Züge dagegen auf vielen Strecken die Infrastruktur mit dem Nah- und Güterverkehr. Zusammen mit Engpässen und dem hohen Sanierungsbedarf des Netzes trägt dies zur erhöhten Störungsanfälligkeit bei.
Polnische Bahnhöfe holen stark auf
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung in Polen. Mit Krakau und Breslau schaffen es gleich zwei polnische Bahnhöfe in die Top Ten des Rankings.
Der polnische Bahnverkehr erlebt derzeit eine umfangreiche Modernisierung. Die Regierung hat den Ausbau der Eisenbahn zu einer strategischen Priorität erklärt und investiert erheblich in die Infrastruktur.
Auch die Nachfrage nimmt zu. Im vergangenen Jahr wurden in Polen laut den Angaben zur Entwicklung des Bahnverkehrs fast 430 Millionen Passagiere befördert. Im Fernverkehr stieg die Zahl der Fahrgäste innerhalb von drei Jahren um rund 50 Prozent.
Der Vergleich macht damit deutlich, wie unterschiedlich sich Europas Bahnlandschaft entwickelt: Während Zürich bei Zuverlässigkeit und Ausstattung an der Spitze steht und Polen stark aufholt, kämpfen deutsche Bahnhöfe weiterhin mit den Folgen eines überlasteten und sanierungsbedürftigen Schienennetzes.






