Ein alter Tanker mit neuem Namen.
Eine gefälschte Identität aus China.
Und 100’000 Tonnen russisches Öl vor der deutschen Küste – dieser Fall sorgt für Alarm bei den Behörden.
Die „Tavian“ – ein Phantom auf hoher See
Mitte Dezember tauchte im Fehmarnbelt ein riesiger Öltanker auf – auf den ersten Blick ein Schiff wie viele andere. Doch der Schein trog.
Die „Tavian“ transportierte rund 100’000 Tonnen russisches Rohöl. Doch bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus: Das Schiff hätte gar nicht existieren dürfen.
Laut Recherchen von gmx.net handelt es sich bei der „Tavian“ um einen sogenannten Zombie-Tanker – also ein Schiff, das offiziell als gelöscht gilt, aber unter falscher Identität weiterfährt.
Gefälschte Identität aus China
Der Hintergrund: Das Schiff wurde 1998 in Südkorea als „Nordmark“ gebaut – für eine deutsche Reederei. Danach durchlief es mindestens 12 Namenswechsel und verschwand im September 2023 aus dem offiziellen Schiffsregister.
Im März 2024 tauchte es plötzlich wieder auf – mit:
neuer IMO-Nummer (eigentlich einzigartig wie eine Fahrgestellnummer)
angeblichem Baujahr 2024
angeblicher Herkunft aus einer chinesischen Werft
Die neue Identität war komplett gefälscht. Ein Abgleich von Schiffsaufbauten und Rumpf durch Fachportale wie Lloyd’s List bestätigte: Es handelt sich zweifelsfrei um das alte Schiff – nun mit erfundener Identität.
Was sind Zombie-Tanker?
Schiffe, die aus den Registern verschwinden
mit gefälschten Nummern und neuen Flaggen wieder auftauchen
häufig für Sanktionsumgehungen oder Schwarzhandel eingesetzt werden
Laut Recherchen von Lloyd’s List sind derzeit mindestens ein Dutzend solcher Zombie-Tanker unterwegs.
Die „Tavian“ fährt mittlerweile unter Flagge von Kamerun – einem Land, das erst Ende 2024 ein Online-Register zur Schiffsanmeldung eingeführt hat.
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Warum der Fall für Deutschland heikel ist
Die deutschen Behörden – allen voran die Berufsgenossenschaft Verkehr – sind alarmiert.
Christian Bubenzer, Sprecher der Dienststelle Schiffssicherheit, erklärt:
„Wenn sich der Verdacht einer gefälschten IMO-Nummer bestätigt, droht die Festsetzung des Schiffes – das ist ein schwerwiegender Sicherheitsmangel.“
Zudem drohen strafrechtliche Konsequenzen, etwa wegen:
Urkundenfälschung
Verstoß gegen internationale Seerechtsnormen
staatenloser Schifffahrt, sofern Flagge und Herkunft nicht verifiziert werden können
Brisante Begleiterscheinung: Russische Geleitschiffe
Als die „Tavian“ die Ostsee verliess, fuhren zeitgleich die russischen Kriegsschiffe „Vice-Admiral Kulakov“ und „Severomorsk“ in der Nähe.
Statt die Route über Nordsee und Ärmelkanal zu nehmen, wählte die „Tavian“ einen weiten Umweg:
Skagen (Dänemark)
Färöer-Inseln
Island
Heute liegt sie vor Anker – in der Ägäis vor der türkischen Küste.
Was jetzt passieren könnte
Laut internationalen Seerechtsexperten wie Uwe Jenisch:
Dürfen Marinesoldaten Schiffe betreten, wenn sie unter Verdacht stehen, keine gültige Nationalität zu führen (gemäss Artikel 110 des Seerechtsübereinkommens der UNO)
Könnten internationale Sanktionen verschärft werden, um Zombie-Schiffe frühzeitig zu erkennen
Ein Schiff, das es eigentlich nicht mehr geben dürfte.
Ein globales Spiel mit falschen Identitäten.
Und deutsche Behörden, die genau hinschauen müssen.










