Nach einer verheerenden Sturzflut an der Grenze zwischen Nepal und China ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 626 gestiegen. Tausende Menschen werden weiterhin vermisst. Schlamm, zerstörte Strassen und neue Regenfälle erschweren die Suche nach Überlebenden und Vermissten. Auch deutsche Staatsangehörige befinden sich unter den Vermissten.
Mehr als 600 Menschen gestorben
Wie GMX berichtet, wurden nach der Sturzflut insgesamt 626 Todesopfer in Nepal und der chinesischen Region Tibet gemeldet. In Nepal wurden nach Angaben der Behörden besonders viele Leichen ausserhalb des unmittelbaren Katastrophengebiets gefunden. Mehr als ein Drittel der Toten wurde im Bezirk Chitwan entdeckt, der im Süden Nepals an Indien grenzt.
Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde meldete am Samstag 2426 Vermisste. Aus Tibet wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bislang sieben Todesopfer und 554 Vermisste gemeldet.
Nach Einschätzung der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften könnten insgesamt rund 93’000 Menschen von der Katastrophe betroffen sein. In Nepal befinden sich unter den Vermissten 517 Ausländer.
Deutsche Staatsangehörige unter den Vermissten
Auch deutsche Staatsangehörige werden weiterhin vermisst. Nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde sollen sich darunter mindestens acht Deutsche befinden.
Das deutsche Auswärtige Amt hatte von einer «hohen einstelligen Zahl» deutscher Staatsangehöriger gesprochen, die nach aktuellem Kenntnisstand vermisst würden. Die deutschen Auslandsvertretungen in Nepal und China stehen demnach mit Angehörigen sowie den örtlichen Behörden in Kontakt.
Gleichzeitig konnten zahlreiche Menschen gerettet werden. Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde waren bis Freitagabend mehr als 4400 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Darunter befanden sich bis Samstagvormittag auch 149 Ausländer.
Schlamm erschwert Rettungseinsätze
Die Rettungskräfte kämpfen weiterhin mit schwierigen Bedingungen. Enorme Schlammmassen, Geröll und unpassierbare Strassen behindern den Zugang zu den betroffenen Gebieten.
Armeesprecher Raja Ram Basnet bezeichnete den abgelagerten Schlamm als eine der grössten Herausforderungen. Auch der Einsatz von Hubschraubern wird dadurch erschwert. In der Region sind nach Angaben der Armee derzeit 14 Rettungshubschrauber im Einsatz.
Besonders betroffen sind unter anderem Temure, Syabrubesi und Mailung. In vielen Gebieten ist eine Evakuierung auf dem Landweg weiterhin nicht möglich.
Menschen in Tunneln vermutet
Eine weitere Herausforderung stellen Tunnel im Gebirge dar. Dort werden weiterhin Menschen vermutet. Am Freitagmorgen waren nach Angaben der Armee zunächst vier Personen aus Tunneln gerettet worden.
Aufnahmen zeigten zudem zwei mit Schlamm bedeckte Arbeiter, die aus einem Tunnel bei einem Wasserkraftwerk geborgen wurden. Die Rettungskräfte brachten die Männer anschliessend zu einem Hubschrauber.
Weitere Regenfälle könnten die Sucharbeiten zusätzlich erschweren. Nepal befindet sich noch in der Monsunzeit, die normalerweise bis September dauert. Auch für die betroffene Region in China wurden weitere Niederschläge erwartet.
Grenzübergang Gyirong schwer beschädigt
Auf chinesischer Seite konzentrieren sich die Suchmannschaften unter anderem auf die Umgebung des Grenzübergangs Gyirong. Die Flutwelle hatte den Grenzposten vollständig zerstört.
Nach Einschätzung von Experten könnte die Sturzflut in Nepal durch einen Gletschersturz ausgelöst worden sein. Das Wasser bahnte sich seinen Weg durch ein enges und steiles Flusstal und riss dabei grosse Mengen Schlamm und Geröll mit.
Der Grenzübergang ist eine wichtige Verbindung zwischen Nepal und China und wird sowohl für den Handel als auch für den Tourismus genutzt. Seine Zerstörung erschwert die Versorgung und den Zugang zum Katastrophengebiet zusätzlich.
Gefahr durch angestauten See
Oberhalb von Gyirong beobachten chinesische Einsatzkräfte zudem einen neu entstandenen See. Dieser bildete sich infolge der Sturzflut und wird durch einen natürlichen Damm aus Geröll und Schlamm zurückgehalten.
Sollte dieser Damm brechen, könnte eine weitere Flutwelle durch das Tal fliessen. Ein Erkundungsteam hat deshalb Mess- und Überwachungsgeräte installiert.
Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens hat sich die Gefahr inzwischen jedoch reduziert. Das Wasser aus dem See fliesse bereits auf natürlichem Weg ab. Die Situation wird von den Einsatzkräften weiterhin überwacht.






