In einem Monat beginnt die grösste Fussball-Weltmeisterschaft aller Zeiten.
48 Teams, 104 Spiele und Milliardenumsätze – eigentlich müsste die Schweiz wirtschaftlich deutlich profitieren.
Doch genau das erwarten Ökonomen überraschenderweise nicht.
Trotz Rekordturnier dürfte der sogenannte Fifa-Effekt auf die Schweizer Wirtschaft kleiner ausfallen, als viele vermuten.
Warum die XXL-WM das Schweizer BIP nur begrenzt ankurbelt
Die Fussball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird historisch.
Noch nie nahmen so viele Teams teil. Noch nie gab es so viele Spiele.
Trotzdem rechnen Wirtschaftsforscher lediglich mit einem moderaten Effekt auf das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP).
Das KOF Institut der ETH Zürich geht davon aus, dass die WM das Schweizer Wirtschaftswachstum 2026 um rund 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte erhöht.
Laut KOF-Ökonom Alexander Rathke bewegt sich der Effekt damit im üblichen Rahmen.
Milliardenumsätze – aber kein riesiger Boom
Zwar dürften die Einnahmen aus TV-Rechten, Sponsoring und Hospitality-Angeboten deutlich steigen.
Die Experten rechnen bei der WM 2026 mit rund einer Milliarde Franken zusätzlichen Einnahmen gegenüber der WM 2022 in Katar.
Doch ein Teil dieses Effekts wurde bereits vorweggenommen.
Klub-WM relativiert den Effekt
Die neu eingeführte Klub-WM generierte bereits 2025 zusätzliche Milliardenumsätze.
Dadurch verteilt sich der wirtschaftliche Effekt stärker über mehrere Jahre.
Auch das Basler Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics sieht deshalb keinen aussergewöhnlichen Konjunkturschub.
Die Erklärung:
- mehr internationale Turniere
- zusätzliche Frauen-Wettbewerbe
- ausgeweitete Klub-Weltmeisterschaften
- generell höhere Sportumsätze
Die Männer-WM hebt sich dadurch weniger stark von anderen Grossanlässen ab.
Warum die Schweiz überhaupt profitiert
Viele fragen sich, weshalb eine Fussball-WM in Nordamerika überhaupt Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft hat.
Der Grund liegt in Zürich.
Die Fifa hat ihren Hauptsitz in der Schweiz.
Wenn der Weltfussballverband globale TV-Rechte, Sponsoringpakete oder Markenrechte verkauft, werden diese Einnahmen statistisch als Schweizer Wirtschaftsleistung verbucht.
Dadurch fliesst ein Teil der Milliardenumsätze direkt in das Schweizer BIP ein – obwohl das Turnier komplett im Ausland stattfindet.
Neben der Fifa haben auch andere internationale Sportorganisationen ihren Sitz in der Schweiz:
- Internationales Olympisches Komitee (IOC)
- UEFA
- weitere internationale Sportverbände
Kaum neue Jobs trotz Milliardenumsätzen
Der Effekt auf die reale Schweizer Wirtschaft bleibt allerdings begrenzt.
Denn zusätzliche Arbeitsplätze entstehen laut den Ökonomen kaum.
Die Verbände bauen ihre Belegschaften nicht massiv aus.
Deshalb sprechen Experten vor allem von einem statistischen Effekt.
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Davon könnte die Schweiz dennoch profitieren
Positiv könnten sich insbesondere folgende Bereiche entwickeln:
- höhere Steuereinnahmen
- zusätzliche Dienstleistungsumsätze
- internationale Sichtbarkeit des Standorts Schweiz
Ein grosser Beschäftigungsboom bleibt hingegen aus.
Sportverbände verzerren zunehmend die Konjunkturdaten
Die Bedeutung internationaler Sportverbände für die Schweizer Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.
2022 lagen die geschätzten Einnahmen von Fifa und IOC zusammen bereits bei über 8 Milliarden US-Dollar.
2006 waren es noch weniger als 2 Milliarden Dollar.
Für Ökonomen wird dieser Effekt zunehmend problematisch.
BAK-Ökonom Alexis Körber warnt davor, dass die Sportumsätze teilweise die tatsächliche Wirtschaftslage überdecken könnten.
Deshalb veröffentlichen Wirtschaftsforscher und der Bund inzwischen zusätzlich ein sogenanntes sporteventbereinigtes BIP.
Damit soll die eigentliche Konjunkturentwicklung besser sichtbar werden.
Was das konkret für die Schweiz bedeutet
Die Fussball-WM 2026 wird zwar erneut Milliarden in die Kassen der Fifa spülen.
Für viele Menschen in der Schweiz bleibt der Effekt jedoch kaum direkt spürbar.
Weder Konsumenten noch Arbeitsmarkt profitieren massiv.
Der wichtigste Effekt findet vor allem in den Wirtschaftsstatistiken statt.






