Weisse Kappen. Rote Gewänder. Gesenkte Blicke.
So marschierten Frauen 2022 durch Jerusalem – still, aber eindringlich. Heute, drei Jahre später, ist klar: Die Warnung war berechtigt.
Frauenrechte auf dem Rückzug – warum Israels Regierung am Pranger steht
In Israel wächst der Protest gegen das, was viele als systematischen Rückbau der Frauenrechte erleben. Aktivistinnen, Juristinnen und Politikerinnen machen Premierminister Benjamin Netanjahu und seine rechtsextrem-religiöse Koalition dafür verantwortlich.
Ein Symbol dieser Entwicklung: Die Protestbewegung „Frauen in Rot“, inspiriert vom dystopischen Roman Der Report der Magd. Was einst als übertrieben galt, wird nun von Expert:innen als bittere Realität bezeichnet.
Was konkret geschieht
Die derzeitige Regierung setzt auf ultraorthodoxe Partnerparteien – und räumt diesen grossen Einfluss ein. In der Praxis bedeutet das:
Gesetzesinitiativen mit Folgen für Frauen:
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Ausweitung religiöser Gerichtszuständigkeiten
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Geschlechtertrennung in Bildung & Kultur
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Rückbau unabhängiger Institutionen, etwa des Obersten Gerichtshofs
Ein aktueller Gesetzesentwurf soll staatlich anerkannte Rabbinatsgerichte, die ausschliesslich von Männern besetzt sind, auch für zivilrechtliche Streitigkeiten zuständig machen – inklusive Sorgerecht und Finanzen.
Laut edition.cnn.com befürchten Menschenrechtsorganisationen und Universitäten „schwerwiegende Eingriffe in die Rechte geschiedener Frauen“.
Die Zahlen: Wie stark der Rückgang tatsächlich ist
Internationale Rankings:
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Platz 84 von 181 im „Women, Peace and Security Index 2025–26“
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Noch 2022 lag Israel auf Platz 27
Nationale Indikatoren:
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Laut dem Gender-Index des Van-Leer-Instituts ist die Gleichstellung seit 2022 um 6 % zurückgegangen
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Ursache: Sinkender politischer und wirtschaftlicher Einfluss von Frauen
Sichtbare Konsequenzen:
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Nur 6 von 33 Ministerien werden von Frauen geleitet
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In über 30 Ministerien keine weibliche Generaldirektorin
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Zwei Regierungsparteien haben keine einzige Frau auf der Wahlliste
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Keine grosse Partei wird aktuell von einer Frau geführt
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Stimmen aus Wissenschaft und Protest
Daphna Hacker, Juristin und Geschlechterforscherin an der Universität Tel Aviv, erklärt:
„Wir erleben den schlimmsten Rückschlag der Gleichstellung in der Geschichte Israels.“
Sie verweist auf Errungenschaften wie:
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Das Gleichstellungsgesetz von 1951
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Die Amtszeit von Golda Meir (1969)
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Die Wehrpflicht für Frauen
Doch diese Meilensteine scheinen zunehmend ausgehöhlt.
Was Betroffene berichten
Moriah, eine Mutter zweier Töchter, kämpft seit vier Jahren vor einem Rabbinatsgericht um das Sorgerecht:
„Drei männliche Richter. Der Ex-Mann. Sein Anwalt. Ich war die einzige Frau im Raum. Es ist ein Männerspiel – gemacht, um dich zu brechen.“
Ihr Besuchsrecht sei gestrichen worden, die finanziellen Entscheide hätten sie in tiefe Schulden gestürzt.
Gewalt gegen Frauen nimmt zu
Noch alarmierender ist die Entwicklung bei der physischen Sicherheit von Frauen:
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44 Femizide im Jahr 2025 – Höchststand der letzten 10 Jahre
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Massive Zunahme privater Waffen nach dem Hamas-Angriff 2023
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Waffenscheinanträge für Partnerverbote stiegen von 5 (2023) auf 90 (2024)
Politische Stimmen schlagen Alarm
Merav Cohen, Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses in der Knesset:
„Das ist die frauenfeindlichste Regierung in der Geschichte Israels.“
„Im besten Fall ist sie gleichgültig gegenüber dem Leid der Frauen – im schlimmsten Fall normalisiert sie es aktiv.“
Israelische Frauen zahlen den Preis für die Machtspiele religiöser Koalitionspartner. Der Rückbau betrifft nicht nur Institutionen, sondern den Alltag – Gerichtssäle, Klassenzimmer, Kindergärten.










