Gianni Infantino steht nach dem gescheiterten Investorenplan der FIFA stärker unter Druck als zuvor. Ein Wechsel an der Spitze des Weltfussballverbands erscheint möglich, doch eine Ablösung des Präsidenten wäre mit mehreren politischen und organisatorischen Hürden verbunden.
Seit 2016 steht der Schweizer an der Spitze der FIFA. Bei der letzten Wiederwahl 2023 wurde Infantino beim FIFA-Kongress in Kigali per Akklamation für weitere vier Jahre bestätigt. Für den 18. März 2027 ist der nächste ordentliche Wahlkongress in Rabat (Marokko) geplant, bei dem er sich laut Statuten erneut zur Wahl stellen könnte.
Die Kritik am 56-Jährigen nahm zuletzt deutlich zu. Besonders der aufgegebene Plan, Teile kommerzieller FIFA-Rechte an Investoren zu verkaufen, sorgte für Widerstand mehrerer Kontinentalverbände. Dennoch verfügt Infantino weiterhin über Unterstützung innerhalb der Fussballverbände.
FIFA-Rat könnte eine Krise einleiten
Eine Möglichkeit für eine frühere Ablösung wäre ein Vorgehen über den FIFA-Rat. Das Gremium ist das wichtigste Entscheidungsgremium zwischen den FIFA-Kongressen und besteht aus 37 Mitgliedern.
Laut Berichten könnte eine Opposition eine ausserordentliche Sitzung verlangen, wenn mindestens 19 Mitglieder des FIFA-Rats dies unterstützen. Besonders die UEFA, die mit neun Sitzen vertreten ist, sowie die Concacaf und der asiatische Verband AFC könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.
Sollte der FIFA-Rat eine Krisensitzung einberufen, müsste diese innerhalb kurzer Zeit stattfinden. Eine mögliche Aufforderung zum Rücktritt wäre für Infantino allerdings nicht automatisch bindend. Der FIFA-Präsident könnte eine solche Forderung ablehnen.
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Ausserordentlicher FIFA-Kongress als weitere Option
Eine zweite Möglichkeit wäre ein ausserordentlicher FIFA-Kongress. Dafür müssten mindestens ein Fünftel der 211 FIFA-Mitgliedsverbände, also 43 Verbände, einen entsprechenden Antrag stellen.
Nach einer solchen Einberufung könnte der Kongress über ein Misstrauensvotum gegen Infantino abstimmen. Auch hier wäre die politische Ausgangslage entscheidend, denn Kritik an einzelnen Entscheidungen bedeutet nicht automatisch, dass die Mehrheit der Verbände einen Präsidentenwechsel unterstützt.
Bislang gibt es keinen offiziell bestätigten Gegenkandidaten. Als mögliche Namen werden unter anderem Concacaf-Präsident Victor Montagliani genannt. Auch UEFA-Präsident Aleksander Ceferin wird von manchen als mögliche Alternative gesehen, obwohl dieser angekündigt hat, nicht erneut für das UEFA-Präsidentenamt kandidieren zu wollen.
Infantino verfügt weiterhin über Unterstützung
Trotz der internationalen Kritik ist Infantino nicht vollständig isoliert. Mehrere Verbände und Länder haben ihm weiterhin ihre Unterstützung zugesichert, darunter Ägypten, Marokko, Libanon und Katar.
Zudem kennt der Schweizer die Strukturen der FIFA und die Beziehungen zu den nationalen Verbänden sehr genau. Laut Medienberichten arbeitet sein Umfeld daran, die Beziehungen zu einzelnen Mitgliedsverbänden wieder zu stärken.
Ob die Kritik am Investorenplan tatsächlich zu einem Machtwechsel führt, hängt deshalb vor allem davon ab, ob sich eine breite Opposition innerhalb der FIFA formieren kann.






