Ein politischer Skandal erschüttert Südkorea – mit internationaler Brisanz.
Im Zentrum: Eine religiöse Gruppierung, die als „Moon-Sekte“ bekannt ist und nun beschuldigt wird, Politiker beeinflusst und die Demokratie gefährdet zu haben.
Einfluss auf höchster Ebene – mit Millionen im Spiel
Was sich über Jahrzehnte angebahnt hat, wird nun zum Justizfall:
Der konservative Politiker Kweon Seong-dong soll illegale Spenden in Höhe von 100 Millionen Won (rund 57.000 Euro) von der Vereinigungskirche, auch bekannt als Moon-Sekte, erhalten haben.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Laut Anklage soll er sich im Gegenzug für Yoon Suk-yeol stark gemacht haben, der 2022 zum Präsidenten Südkoreas gewählt wurde – ein Politiker mit Hardliner-Kurs und Nähe zur konservativen PPP (People’s Power Party).
Am 3. Dezember 2024 eskalierte die Situation: Präsident Yoon rief überraschend das Kriegsrecht aus. Als Grund nannte er angebliche Verbindungen der Opposition zu Nordkorea – doch dafür fehlten jegliche Beweise. Der Schritt scheiterte: Das Parlament kippte Yoons Beschluss noch am selben Tag, auch dank spontaner Massenproteste im Land.
Moon-Sekte als Strippenzieherin?
Ob und wie stark die Moon-Sekte hinter diesen Vorgängen steht, ist Gegenstand aktueller Ermittlungen. Nicht nur Kweon, sondern auch Präsident Yoon selbst gilt als möglicher Vertrauter ranghoher Sektenmitglieder. Seine Frau, Kim Keon-hee, soll laut Berichten von Sektenführerin Han Hak-ja bestochen worden sein.
Han, die nach dem Tod von Sektengründer Moon Sun-myung die Führung übernahm, wurde im September 2025 festgenommen und muss sich vor Gericht verantworten.
Laut gmx.ch wird nun geprüft, ob ein systematischer Einfluss auf die Regierung stattgefunden hat.
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Was die Moon-Sekte wirklich ist
Die Vereinigungskirche wurde nach dem Koreakrieg (1950–53) gegründet und präsentiert sich bis heute als weltweit aktive Bewegung. Sie spricht von drei Millionen Mitgliedern in rund 190 Ländern.
Gründer Sun-myung Moon beanspruchte einst, vom Himmel berufen worden zu sein. Seine Anhänger betrachten ihn bis heute als Messias. Die Organisation ist bekannt für ihre strenge Familienideologie, ihre homophobe Weltanschauung und vor allem für die berüchtigten Massenhochzeiten, bei denen Paare einander kaum kannten.
Im Hintergrund wuchs ein weitreichendes Firmenimperium: Die Gruppe investierte in Immobilien, Medien, Pharma – und sogar Rüstungsunternehmen.
Von Südkorea bis nach Japan – und Deutschland
Nicht nur in Korea sorgt die Sekte für Schlagzeilen. In Japan wurde sie 2022 wieder brisant, nachdem der Attentäter von Ex-Premier Shinzo Abe angab, Sohn eines Sektenmitglieds zu sein. Er wollte sich an Abe rächen, weil dessen Partei Kontakte zur Sekte pflegte. Das führte zu einer Regierungskrise und schliesslich zur gerichtlichen Auflösung der Sekte in Japan.
Auch in Deutschland war die Vereinigungskirche aktiv. Unter dem Namen „Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung“ geriet sie in den 1980er und 1990er Jahren in den Fokus – samt Einreiseverbot für Moon. Heute ist sie laut Experten nahezu bedeutungslos: Nur noch rund 300 Familien sollen dazugehören, wie Sektenbeauftragter Matthias Pöhlmann beobachtet. Missionierung sei kaum festzustellen – anders als in Korea.
Fazit: Sekte im Zentrum der Macht?
Was zunächst wie ein Randthema wirkte, hat sich zu einem staatlichen Machtkampf mit religiösem Unterton entwickelt. Ob die Moon-Sekte systematisch Einfluss auf Südkoreas Regierung nahm, muss nun ein Gericht klären.
Doch schon jetzt zeigt sich: Der Skandal hat das Vertrauen vieler Bürger erschüttert – und wird die politische Debatte in Südkorea noch lange prägen.










