Der Thermomix gehört heute zu den bekanntesten Küchenmaschinen der Welt. Erfunden wurde das Gerät vor über 50 Jahren vom Schweizer Hansjörg Gerber. Mit automatisierten Kochschritten, digitalen Rezepten und vielseitigen Funktionen hat die Maschine auch in der Schweiz eine grosse Fangemeinde aufgebaut.
Schweizer Idee legte den Grundstein für den Thermomix
Die Geschichte des Thermomix begann mit einer einfachen Beobachtung. Der Schweizer Hansjörg Gerber arbeitete für den deutschen Haushaltsgerätehersteller Vorwerk und stellte bei Produktvorführungen fest, dass die Zubereitung von Suppen mit herkömmlichen Mixern mehrere Arbeitsschritte erforderte.
Kunden mussten Gemüse zunächst vorbereiten und zusätzlich heisses Wasser aufkochen, bevor alles im Mixer verarbeitet werden konnte. Gerbers Idee war, beide Vorgänge in einem Gerät zu verbinden: Zutaten sollten gleichzeitig erhitzt und gemischt werden können.
Als Gerber einen ersten Prototypen später mit Reis testete, wurde ihm klar, dass die Erfindung deutlich mehr Möglichkeiten bot als nur Suppen zuzubereiten. Der Grundstein für den Thermomix war gelegt.
Der erste Thermomix erschien schliesslich 1971 unter dem Namen VM2000. Seitdem wurde das Gerät laufend weiterentwickelt und erhielt immer mehr Funktionen.
Vom Kochautomaten zum digitalen Küchenhelfer
Der moderne Thermomix übernimmt zahlreiche Aufgaben in der Küche. Das Gerät kann unter anderem mixen, wiegen, dampfgaren, Saucen zubereiten, Teige verarbeiten und Lebensmittel erhitzen.
Nicht alles ersetzt die Maschine jedoch. Für ein gebratenes Steak bleibt weiterhin die Pfanne notwendig, Brot muss im Ofen gebacken werden und Frittieren gehört ebenfalls nicht zu den Funktionen.
Viele Gerichte lassen sich aber mit wenig Aufwand zubereiten. Gemüse, Reis oder Poulet können beispielsweise gleichzeitig verarbeitet werden. Auch gefrorene Früchte lassen sich innerhalb weniger Minuten zu Glace verarbeiten.
Mit den neueren Modellen wurde der Thermomix zunehmend digital. Der TM5 aus dem Jahr 2014 brachte einen Touchscreen, WLAN-Verbindung und integrierte Rezepte mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Heute führt das Gerät Nutzerinnen und Nutzer durch den Kochprozess. Auf dem Bildschirm erscheinen Anweisungen wie die benötigte Menge einer Zutat oder die richtige Geschwindigkeit zum Mixen.
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Zwischen Begeisterung und Kritik
Viele Besitzerinnen und Besitzer beschreiben den Thermomix mit ungewöhnlich emotionalen Worten. In Online-Bewertungen berichten Nutzer von einer grossen Erleichterung im Alltag und bezeichnen die Maschine teilweise als «lebensverändernd».
Andere sehen den Küchenhelfer kritischer. Einige Nutzer trennen sich wieder vom Gerät, weil sie trotz der vielen Funktionen weiterhin lieber traditionell kochen oder die Maschine zu wenig verwenden.
Auch der Soziologe Hartmut Rosa betrachtet die Entwicklung kritisch. Er warnt davor, dass Menschen beim Kochen zunehmend nur noch Anweisungen folgen könnten. Dadurch gehe möglicherweise ein Teil der persönlichen Kreativität und Entscheidung beim Kochen verloren.
Für viele Nutzer ist genau diese Unterstützung jedoch der wichtigste Vorteil: Der Thermomix nimmt Arbeitsschritte ab und erleichtert die Zubereitung komplexerer Gerichte.
Schweiz gehört zu den wichtigsten Märkten
Der Thermomix wird nicht klassisch im Detailhandel verkauft. Interessierte Kundinnen und Kunden lernen das Gerät meist bei einem sogenannten Erlebniskochen kennen, bei dem gemeinsam mit einer Beratungsperson ein Menü zubereitet wird.
Mit einem Preis von rund 1798 Franken gehört die Maschine zu den teureren Küchengeräten. Trotzdem entwickelt sich die Schweiz zu einem besonders wichtigen Markt für Vorwerk.
Das Unternehmen bezeichnete die Schweiz 2025 als «Market of the Year». Der Nettoumsatz mit dem Thermomix hat sich hierzulande seit 2019 mehr als verdreifacht und erreichte rund 60 Millionen Franken.
Weltweit beschäftigte Vorwerk Ende 2025 mehr als 129’000 selbständige Beraterinnen und Berater für den Vertrieb des Thermomix und des Staubsaugers Kobold. Der Thermomix war dabei einer der wichtigsten Umsatztreiber des Unternehmens.
Von Teppichen zur Küchenrevolution
Die Geschichte von Vorwerk begann ursprünglich nicht in der Küche. Das Unternehmen aus dem deutschen Wuppertal produzierte zunächst Teppiche und entwickelte später Maschinenbauteile.
Später wurde Vorwerk mit dem Staubsauger Kobold bekannt. Die Entwicklung von Küchenmaschinen begann in den 1960er-Jahren. Die «Universalküchenmaschine» von 1961 konnte bereits mixen, zerkleinern, pürieren und rühren.
Mit jeder Generation kamen neue Funktionen hinzu. Der TM3000 aus dem Jahr 1980 konnte erstmals dampfgaren, der TM21 von 1996 erhielt eine integrierte Waage.
Mit dem digitalen TM5 begann 2014 eine neue Ära. Der Thermomix wurde vom klassischen Küchengerät zu einem vernetzten Kochassistenten, der heute weltweit Millionen Haushalte erreicht.






