Ein Krieg, der seit Jahren wütet. Ein Friedensplan, der mehr Konflikte als Lösungen auslöst.
Unsere Korrespondenten erklären, warum die Positionen von Kiew und Moskau kaum zusammenpassen – und weshalb der neue Entwurf trotzdem Chancen hat.
Denn trotz aller Widerstände gibt es erstmals wieder Bewegung.
Worum es im neuen Ukraine-Friedensplan geht
Ein Krieg der Fehlprognosen
Fast vier Jahre Krieg – oder elf, zählt man die Krim 2014 mit.
Viele Prognosen haben sich als falsch erwiesen:
-
„Russland siegt in einer Woche.“
-
„Die Ukraine schafft das Unmögliche.“
-
„Sanktionen werden Moskau an den Verhandlungstisch zwingen.“
Stattdessen: ein zäher Abnutzungskrieg, bei dem Russland langsam vorrückt.
Worum es im Plan wirklich geht
Der neue Friedensentwurf versucht, die roten Linien beider Seiten zu berücksichtigen – und doch liegen diese weit auseinander.
Die roten Linien der Ukraine
1. Territorium ist entscheidend
Die Ukraine wird keine Einigung akzeptieren, die eine russische Annexion bestätigt.
Zwar hatte Kiew einem Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie zugestimmt – das käme einer De-facto-Anerkennung grosser russischer Gewinne gleich.
Doch der Teil Donezks, der weiterhin von der Ukraine gehalten wird, gilt als absolute rote Linie.
2. Sicherheitsgarantien sind zentral
Der Entwurf enthält Garantien – aber nicht im Haupttext.
Diese würden in einem separaten Anhang festgelegt, der entscheidend ist.
Denkbare Modelle:
-
EU-Truppen westlich des Dnipro als symbolischer Schutz
-
ein „Stolperdraht“-Modell wie in der NATO
-
eine kollektive Verteidigungszusage ohne NATO-Beitritt
3. Eine entmilitarisierte Zone als Kompromiss?
Ein möglicher Deal:
Ein Teil Donezks, der noch ukrainisch kontrolliert ist, könnte zu einer entmilitarisierten Zone unter russischer Kontrolle werden.
Aber: Dies politisch zu verkaufen, wäre extrem schwierig.
Die roten Linien Russlands
1. Ausschluss eines NATO-Beitritts
Russland will eine rechtlich verankerte Garantie, dass die Ukraine niemals der NATO beitritt.
2. Territorialgewinne als „Sieg“
Putin braucht eine Zone, die innenpolitisch als Erfolg gilt:
-
weitere Teile von Donezk
-
bestehende Gebiete im Süden
-
Kontrolle über den Donbas
3. Keine NATO-Präsenz in der Ukraine
Selbst EU-Soldaten – als Alternative – wären umstritten, aber nicht ausgeschlossen.
Was könnte die Ukraine maximal aufgeben?
Frontlinie als Ausgangspunkt
Kiew akzeptierte bereits einen Waffenstillstand entlang der bestehenden Frontlinie.
Das wäre eine weitreichende faktische Anerkennung russischer Kontrolle.
Neue Idee: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“
Ukrainische Beamte sagen hinter verschlossener Tür:
Sicherheitsgarantien sind wichtiger als die genaue Linie des Gebiets.
Nur langfristige Sicherheit ermöglicht Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung.
Kann der Plan funktionieren?
Ukrainische Sicht
Korrespondent Andrew Kramer sagt:
Ja, langfristig – je stärker überarbeitet, desto realistischer.
Viele Punkte sind verhandelbar:
-
Armeegrösse (1 Mio. Soldaten wären nicht haltbar)
-
Art und Umfang der Garantien
-
Mandat europäischer Truppen
Russische Sicht
Korrespondent Anatoly Kurmanaev erklärt:
Der Plan enthält Kernforderungen beider Seiten – aber nicht genügend Garantien für Moskau.
Putin will:
-
eine Garantie gegen NATO
-
Territorium, das als Sieg gilt
-
internationale Anerkennung
Welche Lehren beide Seiten ziehen müssen
1. Innenpolitische Rücksichten spielen eine enorme Rolle
Beide Staatschefs müssen ihren Bürgern „einen Sieg“ verkaufen.
2. Die militärische Lage drängt zu Gesprächen
-
Die Ukraine verliert Gebiete im Osten
-
Russland steht trotz Schwäche wirtschaftlich unter Druck
-
Die USA senden gemischte Signale
Wie reagiert die internationale Gemeinschaft?
Biden vs. Trump
Die Biden-Regierung wäre nicht bereit gewesen, diese weitreichenden Zugeständnisse zu akzeptieren.
Trump hingegen betont diplomatische Lösungen und Druck auf beide Seiten.
Europa
-
fordert Sicherheitsgarantien
-
will über eine mögliche Rolle europäischer Truppen mitbestimmen
-
lehnt russische Gebietserweiterungen ab
Der neue Friedensentwurf zeigt:
Frieden ist möglich – aber nur mit schmerzhaften Kompromissen auf beiden Seiten.










