Videos von niedlichen Haustieren sorgen täglich für Millionen von Klicks auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen. Doch Fachleute warnen: Hinter vielen viralen Clips steckt möglicherweise Stress, Angst oder sogar Tierquälerei.
Immer häufiger gehen Videos viral, in denen Hunde scheinbar reumütig den Kopf senken, Katzen erschrocken durch die Luft springen oder Haustiere in aufwendigen Kostümen und fragwürdigen Challenges präsentiert werden. Was für viele Nutzer lustig oder niedlich wirkt, kann für die betroffenen Tiere erheblichen Stress bedeuten.
Spanische Experten schlagen Alarm
Die spanische Fachgruppe für Tierverhaltensmedizin (GEMCA) weist darauf hin, dass zahlreiche beliebte Tier-Videos Verhaltensweisen zeigen, die von Laien häufig falsch interpretiert werden. So werde beispielsweise ein gesenkter Kopf eines Hundes oft als «Schuldbewusstsein» verstanden. Tatsächlich handle es sich jedoch meist um eine Beschwichtigungsgeste oder eine Reaktion auf Angst und Unsicherheit.
Auch Katzen, die plötzlich aufspringen oder hektisch flüchten, reagieren oftmals nicht verspielt, sondern erschrecken sich durch bewusst herbeigeführte Situationen.
Unterhaltung auf Kosten der Tiere
Besonders kritisch sehen Experten Inhalte, bei denen Tiere absichtlich erschreckt, provoziert oder zu unnatürlichen Handlungen gezwungen werden. Dazu gehören unter anderem:
- Erschrecken mit Gegenständen oder lauten Geräuschen
- Verkleidungen, die die Bewegungsfreiheit einschränken
- Riskante Social-Media-Challenges
- Inszenierte Situationen, die Angst oder Stress auslösen
- Wiederholte Aufnahmen trotz deutlicher Stresssignale
Viele dieser Videos werden millionenfach angesehen, geliked und geteilt. Dadurch entsteht ein Anreiz für Content-Ersteller, immer extremere Inhalte zu produzieren.
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Stresssignale werden oft übersehen
Tierverhaltensexperten betonen, dass Hunde und Katzen ihre Belastung häufig sehr deutlich zeigen – allerdings werden diese Signale von vielen Menschen nicht erkannt. Dazu gehören unter anderem:
- angelegte Ohren
- eingezogener Schwanz
- Hecheln ohne körperliche Anstrengung
- Versteifen des Körpers
- Vermeidungsverhalten
- geweitete Pupillen oder hektische Bewegungen
Wer diese Warnzeichen kennt, erkennt schnell, dass manche vermeintlich lustigen Videos für die Tiere alles andere als angenehm sind.
Verantwortung liegt auch bei den Zuschauern
Fachleute appellieren deshalb nicht nur an Influencer und Content-Produzenten, sondern auch an die Nutzer sozialer Netzwerke. Jeder Klick, jedes Like und jedes Teilen solcher Videos trägt dazu bei, dass entsprechende Inhalte vom Algorithmus weiter verbreitet werden.
Wer stattdessen Videos unterstützt, die Tiere in einer natürlichen, stressfreien Umgebung zeigen, könne dazu beitragen, dass respektvoller Umgang mit Haustieren stärker gefördert wird.
Tierschutz beginnt auch im Internet
Soziale Medien können viel Positives bewirken und das Bewusstsein für Tiere stärken. Gleichzeitig tragen sie aber auch Verantwortung. Unterhaltung sollte niemals auf Kosten des Wohlbefindens von Tieren gehen. Experten empfehlen daher, Inhalte kritisch zu hinterfragen und genau hinzusehen, bevor ein Video geteilt oder mit einem Like belohnt wird.






