Humor am Arbeitsplatz kann mehr sein als eine kurze Ablenkung im Büroalltag. Richtig eingesetzt, kann er die Zusammenarbeit verbessern, Kreativität fördern und Beziehungen zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten stärken. Forschungen zeigen zudem, dass Humor Kommunikation erleichtern und dabei helfen kann, Stress zu reduzieren.
Humor kann Zusammenarbeit und Kreativität fördern
Der Humor-Experte Drew Tarvin beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen von Humor im beruflichen Umfeld. Nach seinen Erkenntnissen kann Humor dazu beitragen, dass Menschen einander besser zuhören und Informationen leichter behalten. Gleichzeitig können zwischenmenschliche Barrieren abgebaut und Konflikte entschärft werden.
Tarvin beobachtete bereits während seiner Arbeit als Ingenieur, dass Teams, in denen Humor eine Rolle spielte, besser zusammenarbeiteten. Seine Erkenntnisse hat er unter anderem in seinem Buch «Humor that Works» zusammengefasst. Dabei versteht er Humor nicht lediglich als Unterhaltung, sondern als Werkzeug für die Kommunikation.
Auch das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden kann davon profitieren. Marina Pletscher untersuchte im Rahmen ihrer Dissertation an der Hochschule Luzern, welchen Einfluss Humor auf die Beziehung zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden hat. Ihre Forschung zeigt, dass der richtige Einsatz von Humor Vertrauen und die Qualität der Zusammenarbeit fördern kann.
Führungskräfte sollten Humor bewusst einsetzen
Gerade Vorgesetzte sollten allerdings darauf achten, wann und wie sie Humor einsetzen. Laut Pletscher ist ein situativer Umgang entscheidend. Humor könne zudem ansteckend wirken: Beginnen Führungskräfte damit, werde es für Mitarbeitende einfacher, selbst humorvoll aufzutreten.
Das kann wiederum die Zusammenarbeit und die Innovationsfähigkeit eines Teams unterstützen. Humor schafft dabei eine Atmosphäre, in der Mitarbeitende eher bereit sein können, Ideen einzubringen und miteinander zu kommunizieren.
Auch für die berufliche Entwicklung kann Humor eine Rolle spielen. Humorvolle Mitarbeitende werden laut den vorliegenden Erkenntnissen häufiger positiv wahrgenommen und können dadurch bessere Chancen auf höhere Löhne oder Beförderungen haben. Entscheidend ist dabei, dass Humor nicht als reine Persönlichkeitseigenschaft verstanden wird.
Pletscher beschreibt Humor vielmehr als eine Kommunikationsfähigkeit. Damit lässt sich Humor bis zu einem gewissen Grad erlernen und bewusst einsetzen.
Das Kaffeepausen-Paradox
Trotz der möglichen Vorteile wird Humor während der eigentlichen Arbeitszeit häufig zurückgehalten. In der Pause wird gelacht und gescherzt, sobald die Arbeit weitergeht, wird die Stimmung dagegen oft wieder ernst.
Pletscher bezeichnet dieses Phänomen als «Kaffeepausen-Paradox». Dabei wünschen sich sowohl Mitarbeitende als auch Führungskräfte offenbar mehr Humor am Arbeitsplatz. In Umfragen mit mehr als 500 Unternehmen gaben 97 Prozent der Angestellten und 98 Prozent der CEOs an, dass sie sich Humor im Arbeitsumfeld wünschen.
Ein Grund für die Zurückhaltung könnten Ängste sein. Mitarbeitende könnten befürchten, durch zu viel Humor weniger fleissig oder weniger professionell zu wirken. Damit gehen allerdings mögliche positive Effekte auf Teamgeist, Kommunikation und Innovation verloren.
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Welcher Humor funktioniert im Büro?
Nicht jede Form von Humor eignet sich für den Arbeitsplatz. Besonders unproblematisch ist laut Pletscher der sogenannte affiliative Humor. Dabei geht es um positive Bemerkungen, die eine Situation auflockern und möglichst alle Beteiligten einbeziehen.
Ein Beispiel wäre ein humorvoller Kommentar zu einer heissen Arbeitsumgebung: «Es ist heiss heute. Schauen wir, ob die Laptops zu heiss haben oder funktionieren.» Solche Bemerkungen richten sich nicht gegen eine Person und können die Stimmung verbessern.
Ebenfalls positiv kann selbstaufwertender Humor sein. Dabei wird Humor genutzt, um mit schwierigen oder stressigen Situationen besser umzugehen. Schon kurze entspannende Aktivitäten können helfen, Stress abzubauen und die Kreativität wieder anzuregen.
Heikler ist dagegen selbstabwertender Humor. Wer sich selbst ständig zum Gegenstand von Witzen macht, könnte von anderen als unsicher oder inkompetent wahrgenommen werden. Besonders Führungskräfte sollten deshalb vorsichtig damit umgehen.
Noch problematischer ist aggressiver Humor, der andere Personen abwertet oder blossstellt. Solche Witze können Beziehungen beschädigen und Konflikte verstärken, statt sie zu entschärfen.
Kleine Veränderungen können Humor fördern
Humor muss dabei nicht mit grossen Aktionen verbunden sein. Schon kleine Veränderungen im Arbeitsalltag können eine lockerere Atmosphäre schaffen. Dazu gehören beispielsweise kreative Namen für Sitzungen, ein gemeinsamer humorvoller Einstieg in den Tag oder ein kleiner Snack, der für Gesprächsstoff sorgt.
Auch monotone Tätigkeiten können gelegentlich für persönliche Gespräche genutzt werden. Entscheidend ist, dass Humor nicht erzwungen wird und niemand auf Kosten anderer zum Ziel eines Witzes gemacht wird.
Humor-Seminare können ebenfalls ein Ansatz sein. Denn wenn Humor tatsächlich als Kommunikationsfähigkeit verstanden wird, lässt sich der bewusste Umgang damit trainieren.
Für Unternehmen bedeutet das: Eine professionelle Arbeitsatmosphäre muss nicht humorlos sein. Entscheidend ist vielmehr, dass Humor zur Situation passt, Menschen einbezieht und die Zusammenarbeit unterstützt.






