Die Schweiz hat über 2’200 Gemeinden – und manche davon tragen Namen, die einem den Atem verschlagen. Warum gibt es ein Dorf namens «Bitsch»? Was hat es mit «End der Welt» auf sich? Warum heisst ein Weiler «Wienacht»? Die skurrilsten, lustigsten und kuriosesten Ortsnamen der Schweiz – und ihre echten Geschichten dahinter.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz hat Ortsnamen wie Bitsch, Cunter, Wienacht, End der Welt und Moskau
- Viele wirken obszön oder absurd – haben aber völlig harmlose Ursprünge
- Wintersingen hat nichts mit Singen im Winter zu tun
- Hoode bedeutet nicht was man denkt – es kommt von «Heide»
- In der Schweiz kann man nach New York reisen ohne die Grenze zu überqueren
- Chäs und Brot ist ein echter Ortsname im Kanton Bern
- Witzwil ist nicht witzig – dort sitzt eine Strafanstalt
- Cunter GR stand auf Platz 2 der weltweiten «Top Ten Rudest Place Names»
Die 12 skurrilsten Ortsnamen der Schweiz
- Bitsch (Kanton Wallis) Der wohl bekannteste skurrile Schweizer Ortsname. Für Englischsprachige ein Schockmoment auf dem Autobahn-Wegweiser – für die rund 600 Einwohner einfach ihr Zuhause. Der Name hat nichts mit dem englischen Schimpfwort zu tun. Er leitet sich von einer alemannischen Flurbezeichnung ab. Ähnliche Ortsnamen gibt es im Elsass (Frankreich).
- End der Welt (Magglingen, Kanton Bern) Wer das Ende der Welt sehen will, reist in
die Schweiz. Magglingen BE hat einen Ortsteil mit dem Namen «End der Welt» –
malerisch am Bielersee. Sogar ein Restaurant ist danach benannt. Erklärung: Es war
schlicht die äusserste Siedlung in diese Richtung. - Wienacht (Kanton Appenzell Ausserrhoden) Wienacht ist schweizerdeutsch für
«Weihnachten». Zur Adventszeit pilgern Touristinnen und Touristen her für Fotos
mit dem Ortsschild. Woher der Name? Entweder vom mittelalterlichen
Weihnachtszins – oder weil es dort so dunkel sei «wie Nacht». - Cunter (Bezirk Albula, Kanton Graubünden) Cunter stand auf Platz 2 der weltweiten
«Top Ten Rudest Place Names». Für Romanischsprachige völlig normal – der Name
kommt vom lateinischen «contra» und bedeutet «gegenüber». Besucher stehen
trotzdem regelmässig vor dem Ortsschild für Fotos. - Moskau & New York (Kanton Schaffhausen) Moskau ist ein Ortsteil der Gemeinde
Ramsen SH. Und wer nach New York will: Auch das ist ohne Grenzübertritt möglich –
ebenfalls im Kanton Schaffhausen. Weltstadtnamen in der Provinz – wahrscheinlich
benannt nach Reisen oder Besitzern. - Chäs und Brot (Kanton Bern) Kein Restaurant-Name, kein Menü. Ein echter
Ortsname im Kanton Bern. Der Name ist schlicht deskriptiv und geht auf die lokalen
Lebensmittel zurück, mit denen die Gegend historisch in Verbindung gebracht
wurde. - La Sagne (Kanton Neuenburg) Für Französischsprachige völlig normal
ausgesprochen – für Pasta-Liebhaber klingt es unweigerlich nach «Lasagna». Der
Name hat nichts mit Pasta zu tun: «Sagne» bedeutet in romanischen Dialekten
«Moor» oder «feuchte Wiese». - Witzwil (Kanton Bern) Klingt nach einem Ort voller Lachen – ist aber eine der
ältesten landwirtschaftlichen Strafanstalten der Schweiz. Nicht witzig. Der Name
leitet sich von einem alten Personennamen ab, hat nichts mit «witzig» zu tun. - Wintersingen (Kanton Basel-Landschaft) Klingt wie ein Adventslied. Hat aber
nichts mit Singen im Winter zu tun. Der Name stammt von «bei den Leuten des
Winitheri» – benannt nach einem historischen Grundbesitzer. Das «-singen» kommt
aus dem Namenssuffix «-ingen». - Hosenruck (Kanton Thurgau) Klingt nach einem Wanderweg-Missgeschick – ist
aber eine Erhebung mit grandioser Aussicht auf Säntis und Bodensee. «Hosen»
bezieht sich auf hosenartig verlaufende Geländestrukturen. «Ruck» ist eine
Erhebung. Zusammen: ein geteilter Höhenrücken. - Wankdorf (Kanton Bern) Früher Standort des legendären Wankdorfstadions in
Bern, heute Stade de Suisse. Der Name sorgte in englischsprachigen Sportmedien
regelmässig für Erheiterung. «Wank» kommt vom mittelhochdeutschen «wanc» und
bedeutet «schwankender, feuchter Boden». - Rotzloch (Kanton Luzern) Klingt wie eine Beleidigung. «Rotz» kommt aber nicht
von «Rotzlöffel», sondern von einem alten Wort für Feuchtigkeit oder Schlamm.
Solche nassen, moorigen Stellen wurden früher mit «Rotz» bezeichnet. Harmlos –
aber wirkungsvoll.
Warum haben Schweizer Ortsnamen so seltsame Namen?
Die Erklärung:
Viele skurrile Namen stammen aus dem Mittelalter oder der Römerzeit.
Damals hatten sie völlig andere Bedeutungen. Was heute obszön oder
absurd klingt, war damals ein neutraler geografischer Begriff – eine
Beschreibung des Geländes, des Besitzers oder der örtlichen
Gegebenheiten. Sprache altert. Orte nicht.
Fazit: Bitsch, Cunter, Wienacht, End der Welt, Moskau, Chäs und Brot – die Schweiz hat mehr
skurrile Ortsnamen als die meisten anderen Länder. Und hinter jedem dieser Namen steckt
eine Geschichte. Willkommen in der Schweiz – dem Land, wo sogar die Ortsnamen
skurril sind.






