Trotz Kritik und Pfiffen in den Stadien bleibt Gianni Infantino Präsident der FIFA. Die Regeln des Weltverbandes machen eine Ablösung schwierig, während finanzielle Abhängigkeiten und politische Mehrheiten seine Position stärken.
Gianni Infantino steht seit Jahren in der Kritik. Bei der Fussball-WM begleiteten den FIFA-Präsidenten wiederholt Pfiffe und Buhrufe aus den Stadien. Dennoch bleibt der 56-Jährige an der Spitze des Weltfussballs.
Eine Absetzung des FIFA-Präsidenten ist grundsätzlich möglich, aber nur unter wenigen Bedingungen. Laut GMX gibt es dafür im Wesentlichen drei Wege: einen freiwilligen Rücktritt, eine Abwahl durch den FIFA-Kongress oder ein Eingreifen der Ethikkommission.
Wenige Möglichkeiten für eine Ablösung
Ein freiwilliger Rücktritt Infantinos gilt derzeit als unwahrscheinlich. Der FIFA-Präsident hatte bereits angekündigt, erneut für eine Amtszeit kandidieren zu wollen. Sollte er wiedergewählt werden, könnte seine Amtszeit bis 2031 dauern.
Auch eine Abwahl wäre schwierig. Der FIFA-Kongress besteht aus 211 Mitgliedsverbänden, wobei jeder Verband unabhängig von seiner Grösse eine Stimme besitzt. Deutschland hätte damit genauso viel Gewicht wie ein kleiner Verband aus einer Fussballinsel im Pazifik.
Nach bisherigen Angaben soll Infantino die Unterstützung von mehr als 200 Verbänden erhalten haben. Einen offiziellen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht.
Ethikkommission als theoretische Möglichkeit
Eine weitere Möglichkeit wäre ein Eingreifen der FIFA-Ethikkommission. Dieses Gremium kann grundsätzlich Verfahren eröffnen, Sanktionen aussprechen oder Funktionäre suspendieren.
Allerdings werden auch die Mitglieder der FIFA-Rechtsorgane vom FIFA-Kongress gewählt. Kritiker sehen darin eine strukturelle Abhängigkeit, da viele Verbände von den finanziellen Programmen des Weltverbandes profitieren.
Sportwissenschaftler kritisieren deshalb, dass eine unabhängige Kontrolle innerhalb des Systems nur schwer möglich sei.
Geld als wichtiger Faktor
Ein zentraler Punkt der Machtstruktur ist die finanzielle Unterstützung durch die FIFA. Der Weltverband verteilt Milliarden an seine Mitgliedsverbände – unter anderem über Entwicklungsprogramme, Prämien und Fördergelder.
Experten sehen darin eine Abhängigkeit, die kritische Stimmen innerhalb der Organisation erschwert. Wer gegen die Führung auftritt, riskiert möglicherweise den Verlust wichtiger finanzieller Mittel.
Diese Struktur sorgt dafür, dass viele Verbände zwar einzelne Entscheidungen kritisieren, aber keine grundlegende Opposition gegen Infantino aufbauen.
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Einzelne Kritiker bleiben in der Minderheit
Zu den bekanntesten kritischen Stimmen gehört die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness. Sie hinterfragt seit Jahren Entscheidungen der FIFA und fordert mehr Transparenz.
Unterstützung erhält sie jedoch nur selten von anderen Funktionären. Kritiker bemängeln, dass viele Verbände zwar hinter verschlossenen Türen Zweifel äussern, öffentlich aber kaum gegen die FIFA-Führung auftreten.
Auch der Deutsche Fussball-Bund (DFB) hat ein Unterstützungsschreiben für Infantino nicht unterzeichnet. Einen eigenen Gegenkandidaten stellt der Verband jedoch ebenfalls nicht auf.
Infantinos Macht seit 2016 gefestigt
Infantino übernahm die FIFA im Jahr 2016 nach dem grossen Korruptionsskandal rund um den Weltverband. Damals galt er als Hoffnungsträger für einen Neuanfang.
Nach Einschätzung von Experten veränderte sich die Ausrichtung der FIFA danach jedoch deutlich. Die Organisation setzte stärker auf Wachstum, höhere Einnahmen und den Ausbau ihrer globalen Machtposition.
Dazu gehören unter anderem grössere Turnierformate, neue Wettbewerbe und eine stärkere kommerzielle Ausrichtung.
Kritik von Fans und Politik zeigt wenig Wirkung
Die Pfiffe in den Stadien erreichen den FIFA-Präsidenten offenbar kaum. Solange die internen Mehrheiten gesichert sind, haben öffentliche Proteste wenig Einfluss auf seine Position.
Auch politische Forderungen oder Kritik von Menschenrechtsorganisationen führten bislang nicht zu konkreten Konsequenzen.
Als möglicher Druckpunkt gelten vor allem wirtschaftliche Faktoren. Sinkende Zuschauerzahlen oder ein Rückgang bei den Einnahmen aus Medienrechten könnten langfristig Auswirkungen haben.
Ablösung möglich – aber kaum wahrscheinlich
Rein rechtlich kann ein FIFA-Präsident abgesetzt werden. In der Praxis stehen einer Ablösung jedoch grosse Hürden entgegen.
Die Mehrheit der Mitgliedsverbände unterstützt Infantino, ein Gegenkandidat fehlt und wichtige Kontrollorgane sind eng mit dem FIFA-System verbunden.
Experten erwarten deshalb, dass Infantino seine Position weiter behalten wird. Die Machtstrukturen innerhalb des Weltverbandes gelten derzeit als stabil.






