Drohen, einschüchtern, Zugeständnisse erzwingen.
Donald Trumps Politik gegenüber Europa sorgt für Fassungslosigkeit. Doch statt offenem Widerstand herrscht Zurückhaltung. Warum eigentlich?
Europas Dilemma im Umgang mit Trump
Seit Donald Trump erneut im Weissen Haus sitzt, setzt er auf eine konfrontative Strategie gegenüber seinen Nato- und EU-Partnern. Zölle, Verteidigungsausgaben, Grönland: Der Druck aus Washington ist massiv.
Zwar hat Trump zuletzt im Grönland-Konflikt einen Rückzieher bei angedrohten Strafzöllen gemacht. Doch das grundlegende Problem bleibt bestehen: Das transatlantische Verhältnis gilt als so erschüttert wie nie zuvor. Beim EU-Sondergipfel beraten Europas Staats- und Regierungschefs deshalb über den richtigen Umgang mit den USA, wie gmx.ch berichtet.
Warum fällt eine harte Gegenreaktion dennoch so schwer? Fünf Gründe erklären die Zurückhaltung.
1. Die Angst vor einem Nato-Austritt der USA
Das grösste europäische Schreckensszenario: Ein möglicher Austritt der Vereinigten Staaten aus der Nato. Ein solcher Schritt könnte Russland ermutigen, seinen militärischen Druck auf Europa – etwa im Baltikum – auszuweiten.
Zwar verfügen Frankreich und Grossbritannien über Atomwaffen, doch ihr Arsenal gilt nicht als ausreichend, um ganz Europa glaubwürdig abzuschrecken.
2. Die Angst vor einem Kollaps der Ukraine-Unterstützung
Hinter verschlossenen Türen äussern viele EU-Politiker Zweifel, ob die Ukraine ohne die USA standhalten könnte.
Unverzichtbar gelten insbesondere:
US-Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot
amerikanische Geheimdienstinformationen
weitreichende Waffensysteme
Ein Rückzug Washingtons hätte massive Folgen für die Sicherheitslage in Europa.
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3. Die Angst vor einem Handelskrieg
Trump hat mehrfach signalisiert, auch einen Handelskrieg mit Europa in Kauf zu nehmen. Besonders exportabhängige Länder wie Deutschland wären stark betroffen.
fast jeder vierte Arbeitsplatz hängt vom Export ab
neue US-Zölle könnten das Wachstum „erheblich drücken“
Industrie warnt vor wirtschaftlichen Verwerfungen
Auch wenn aktuelle Zolldrohungen vorerst zurückgenommen wurden – das Risiko bleibt.
4. Die Angst vor digitalen Sanktionen
Europa ist stark von US-Technologie abhängig. Cloud-Dienste, Betriebssysteme, Software-Lizenzen: Die digitale Infrastruktur Europas liegt zu grossen Teilen in amerikanischer Hand.
Dominant sind vor allem:
Amazon AWS
Microsoft Azure
Google Cloud
Ein politisch motivierter Zugriffsentzug hätte gravierende Folgen – auch wenn dies zugleich US-Unternehmen empfindlich treffen würde. Bislang gibt es nur vereinzelte Versuche, digitale Souveränität aufzubauen.
5. Die Angst vor innenpolitischen Folgen
Ein offener Konflikt mit den USA könnte wirtschaftliche und soziale Unsicherheit auslösen. Viele Regierungen fürchten, dass dies populistischen Parteien Auftrieb geben könnte, die Trumps Politik offen bewundern.
Abgesehen von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán gibt es in der EU jedoch kaum offen pro-trumpistische Regierungschefs – doch der Druck von innen wächst.










