In den 1980er-Jahren prägten offene Drogenszenen das Bild vieler Schweizer Städte. Die Bilder von Abhängigkeit, Elend und Überdosierungen schockierten die Bevölkerung.
Mitten in dieser Krise wagte Bern einen Schritt, der damals als radikal galt – und heute weltweit als Meilenstein der modernen Drogenpolitik angesehen wird.
Als die Schweiz an ihre Grenzen stiess
Lange setzte die Drogenpolitik vor allem auf Verbote, Polizeikontrollen und Abstinenz.
Doch die Realität auf den Strassen zeigte, dass diese Strategie viele Betroffene nicht erreichte. Die Zahl der schwerstabhängigen Menschen nahm zu, ebenso die gesundheitlichen und sozialen Probleme.
In Bern suchte man deshalb nach neuen Lösungen.
Das erste «Fixerstübli» öffnete 1986 seine Türen
Am 17. Juni 1986 eröffnete die Stiftung Contact an der Münstergasse in Bern eine Cafeteria mit Aufenthaltsraum für drogenabhängige Menschen.
Dort wurde der Konsum illegaler Substanzen unter sozialer und gesundheitlicher Begleitung toleriert.
Der Raum erhielt schnell einen Namen, der schweizweit bekannt wurde:
«Fixerstübli».
Die Idee dahinter war einfach, aber revolutionär:
- Menschenleben schützen
- Überdosierungen verhindern
- Krankheiten eindämmen
- Kontakt zu schwer erreichbaren Betroffenen herstellen
- Würde und Menschlichkeit bewahren
Heftig umstritten – und international beachtet
Die Eröffnung sorgte damals für politische Diskussionen.
Kritiker warfen den Verantwortlichen vor, den Drogenkonsum zu fördern. Befürworter argumentierten hingegen, dass Suchterkrankungen nicht allein mit Verboten bekämpft werden könnten.
Trotz der Kritik wurde das Berner Modell international beobachtet und später in vielen Ländern als Vorbild diskutiert.
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Vom Experiment zum Vier-Säulen-Prinzip
Heute gilt die Schweiz als Pionierin einer pragmatischen Drogenpolitik.
Aus den Erfahrungen der 1980er- und 1990er-Jahre entwickelte sich das sogenannte Vier-Säulen-Prinzip:
Die vier Säulen der Schweizer Drogenpolitik
- Prävention
- Therapie
- Schadensminderung
- Repression
Insbesondere die Schadensminderung wurde zu einem zentralen Bestandteil des Systems.
Dazu gehören heute unter anderem:
- Drogenkonsumräume
- Spritzentauschprogramme
- medizinische Betreuung
- aufsuchende Sozialarbeit
Berns Rolle in der Geschichte
Vier Jahrzehnte nach der Eröffnung des ersten Konsumraums ist klar:
Was damals als mutiges Experiment begann, hat die Schweizer Drogenpolitik nachhaltig verändert.
Viele Fachleute sehen im Berner Modell einen wichtigen Wendepunkt im Umgang mit Suchterkrankungen – weg von reiner Ausgrenzung, hin zu Gesundheitsversorgung und sozialer Unterstützung.
Vor 40 Jahren sorgte das Berner «Fixerstübli» für Schlagzeilen und heftige Debatten.
Heute gehört der Ansatz der Schadensminderung fest zur Schweizer Drogenpolitik und wird international als wichtiger Beitrag im Umgang mit Suchterkrankungen betrachtet.
Die Geschichte zeigt, wie aus einer umstrittenen Idee ein Modell entstehen konnte, das bis heute Menschenleben schützt.






