Wenn die Karriere plötzlich von Algorithmen abhängt
Ob aus Kostengründen oder Effizienzgründen: Unternehmen weltweit setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz, um Bewerber auszuwählen, Mitarbeitende zu überwachen – und manchmal sogar zu kündigen.
Für viele Beschäftigte bedeutet das ein Gefühl der Unsicherheit: Entscheidungen, die früher menschliche Vorgesetzte trafen, übernimmt heute ein Bot.
Die Realität hinter KI-HR: Von Bewerbungen bis Beschwerden
Ein 37-jähriger QA-Tester aus Colorado kennt dieses Gefühl gut.
Er wurde von einer KI eingestellt – für eine App, die komplett von KI-Agenten entwickelt wird – und berichtet seither ausschliesslich an Bots, die über Slack und Sprachanrufe kommunizieren.
Laut newsweek.com führte das sogar dazu, dass gegen ihn eine Ethikbeschwerde eines KI-Kollegen eingereicht wurde, weil er das Wort „Klapper“ (eine abwertende Bezeichnung für Roboter) im internen Chat benutzt hatte.
Auf TikTok teilte der Tester seine Erfahrungen:
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KI-Bewerbungsprozess über LinkedIn
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tägliche Zusammenarbeit mit synthetischen Teammitgliedern
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Bots mit simulierten Persönlichkeiten
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automatisierte HR-Gespräche
Ein Video darüber wurde mehr als 600.000 Mal angesehen.
@brnrt_research HE-2 has a discussion with HR-1 about the use of the word clanker in the workplace. #brainrot #worklife #hr #joblife #ai
„Ich wurde von einer KI eingestellt – und wieder entlassen“
Die niederländische KI-Beraterin Roos van der Jagt erlebte Ähnliches.
Sie wurde von einer KI interviewt, eingestellt – aber nie bezahlt.
Später vermutete sie, das Unternehmen habe Bewerber lediglich zum Testen des KI-Systems genutzt.
„Die ganze Erfahrung war nicht gut; ich fühlte mich nicht ernst genommen“, sagte sie.
Besonders belastend sei gewesen, dass sie kein Gefühl dafür hatte, wie die KI ihre Antworten bewertete.
Entfremdung am Arbeitsplatz: Was KI mit Menschen macht
Colin Cooper, ein Berater für KI-gestützte Arbeitsumgebungen, warnt vor den emotionalen Folgen:
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Verwirrung
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Frustration
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Angst, falsch bewertet zu werden
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Gefühl der Machtlosigkeit
„Ich mache mir Sorgen um die Menschheit und wohin wir uns entwickeln“, sagt Cooper.
„Es ist, als würde man einem Zehnjährigen die Schlüssel zu einem Sportwagen geben.“
Für viele, insbesondere Gen Z und Generation Alpha, ist der Gedanke, unter einem KI-System zu arbeiten, abschreckend – und möglicherweise prägend für ihre gesamte berufliche Zukunft.
Daten bestätigen die Sorge
Neue Forschungsergebnisse von SHL zeigen:
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57,7 % bevorzugen menschliche Führungskräfte bei wichtigen Karriereentscheidungen
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Nur 10 % fühlen sich wohl, wenn KI allein ihre Leistungen bewertet
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44,7 % empfinden KI-Überwachung als unangenehm
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50,5 % sind skeptisch gegenüber KI-basierten Managemententscheidungen
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29 % fürchten, dass KI echte Fähigkeiten entwertet
Diese Werte zeigen: Die Mehrheit der Beschäftigten sieht KI eher als Bedrohung denn als Chance.
Wenn KI versagt – und Lernprozesse nötig sind
Shanka Jayasinha, Geschäftsführer von S & J LLC, berichtet offen über Anfangsprobleme mit seinen KI-Managementsystemen.
Die erste Version erkannte Krankheitsausfälle nicht und interpretierte sie als schlechte Leistung.
Erst nach Anpassungen wurde das System fairer und zuverlässiger.
Seine Einschätzung:
KI kann funktionieren – wenn sie sorgfältig programmiert wird und den Menschen nicht aus dem Blick verliert.
Ein komplexes Verhältnis
Für einige Menschen bietet KI eine Alternative zu schlechten Erfahrungen mit menschlichen Vorgesetzten.
Andere fühlen sich durch unpersönliche, algorithmische Entscheidungen entmenschlicht.










