Ein Labortier, das nie lebt – und trotzdem Leben retten könnte.
Was nach Science-Fiction klingt, wird in der Schweiz bereits Realität. Forschende arbeiten an einer virtuellen Maus, die Tierversuche in der Medikamentenentwicklung deutlich reduzieren soll.
Wenn Medikamente an Grenzen stossen
Viele Krebsmedikamente erreichen ihr Ziel im Körper nur schwer.
Besonders kompliziert wird es bei Hirntumoren:
- Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn sehr effektiv
- Viele Wirkstoffe können diese Barriere nicht überwinden
- Therapien bleiben dadurch oft eingeschränkt
Hier kommt die Nanomedizin ins Spiel.
Nanopartikel als „Postboten“ im Körper
Nanopartikel sind extrem klein und können Wirkstoffe gezielt transportieren.
Sie übernehmen im Körper eine Art Lieferdienst:
- Transport von Medikamenten
- gezielte Anreicherung in Organen
- mögliche Durchdringung biologischer Barrieren
Doch ihre Wirkung ist schwer vorherzusagen.
Die virtuelle Maus aus der Empa-Forschung
Forschende der Empa haben deshalb ein digitales Tiermodell entwickelt.
Die zentrale Arbeit stammt von der Forscherin Jimeng Wu, betreut unter anderem von Peter Wick und Bernd Nowack.
Das Modell basiert auf:
- physiologisch basierter Pharmakokinetik (PBPK)
- 18 ausgewerteten Mausstudien
- maschinellem Lernen und statistischer Modellierung
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So funktioniert das KI-Modell
Die virtuelle Maus simuliert, wie Nanopartikel sich im Körper verteilen.
Dabei werden Eigenschaften berücksichtigt wie:
- Grösse der Partikel
- Oberflächenladung
- Materialzusammensetzung
- Beschichtung
Das System berechnet daraus die Verteilung in Organen wie:
- Leber
- Nieren
- Lunge
- Milz
Weniger Tierversuche, schnellere Forschung
Der grosse Vorteil liegt in der Vorhersagekraft:
Statt Tiere zu testen, können Forschende zuerst digital simulieren.
Das bedeutet:
- weniger Tierversuche
- geringere Kosten
- schnellere Entwicklung
- frühere Risikoabschätzung
Gerade in der Medikamentenentwicklung könnte das ein Wendepunkt sein.
Grenzen der virtuellen Maus
Trotz Fortschritten bleibt das Modell noch nicht perfekt.
Die Forschenden weisen auf wichtige Einschränkungen hin:
- nur begrenzte Datenbasis
- teilweise unvollständige Studien
- weitere Validierung notwendig
Das Modell muss also weiter trainiert und verbessert werden.
Der nächste Schritt: der Mensch als Modell
Langfristig soll das Konzept erweitert werden.
Ziel ist eine sogenannte Brückenstrategie:
- von der Maus zum Menschen
- Übertragung des Modells auf menschliche Physiologie
- Simulation sensibler Organe wie Gehirn
Damit könnten auch Fragen zur Blut-Hirn-Schranke künftig virtuell untersucht werden.
Die virtuelle Maus zeigt, wie KI Forschung grundlegend verändern kann.
Was früher nur im Tiermodell möglich war, lässt sich zunehmend digital simulieren.
Noch ist die Technik im Aufbau – doch ihr Potenzial ist gross:
Weniger Tierversuche, schnellere Therapien und sicherere Medikamente könnten Realität werden.






