Selfies mit Tigern, Elefantenreiten oder Delfinshows wirken auf den ersten Blick wie besondere Ferienerlebnisse. Dahinter kann jedoch erhebliches Tierleid stehen. Zum Welt-Tourismus-Tag am 27. September und vor den Herbstferien zeigt die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, worauf Reisende bei Tierattraktionen achten können und welche tierfreundlichen Alternativen es gibt.
Wenn Tierbegegnungen zum Tourismusangebot werden
Für viele Reisende gehören Begegnungen mit Tieren zu den Höhepunkten einer Ferienreise. Ein Foto mit einem exotischen Wildtier, ein Ausritt oder eine Show mit Meeressäugern werden häufig als besondere Erlebnisse angeboten.
Aus Sicht von VIER PFOTEN sind insbesondere Angebote problematisch, bei denen Wildtiere direkten Kontakt mit Menschen haben. Dazu zählen unter anderem Selfies und Kuschelangebote mit Tigern oder Faultieren, Spaziergänge mit Löwen sowie Elefantenreiten oder Elefantenbaden.
Wildtiere sind grundsätzlich nicht daran gewöhnt, sich von Menschen anfassen, tragen oder für Fotos positionieren zu lassen. Damit sie solche Interaktionen zulassen, werden sie laut VIER PFOTEN teilweise mit Methoden trainiert, die Angst, Schmerz oder Dominanz einsetzen.
Bei einigen Angeboten werden Tiere zudem sediert oder körperlich verändert, um das Risiko für Besucherinnen und Besucher zu reduzieren. Gleichzeitig würden solche Attraktionen teilweise mit dem Argument beworben, sie dienten dem Artenschutz.
Auch Tiershows sind problematisch
Zu den umstrittenen Angeboten gehören auch Zirkusvorstellungen und Shows mit Meeressäugern. Die Tiere zeigen dabei Verhaltensweisen, die nicht ihrem natürlichen Verhalten entsprechen und für Auftritte trainiert werden.
Neben dem Stress während der Vorführungen spielt auch die Haltung abseits der Shows eine Rolle. Nach Angaben von VIER PFOTEN verbringen viele Tiere einen grossen Teil ihres Lebens in kleinen Gehegen mit wenig Bewegung und Abwechslung.
Eine artgemässe Haltung sei unter solchen Bedingungen häufig nicht möglich. Reisende können deshalb bereits mit der Auswahl ihrer Ferienaktivitäten beeinflussen, ob solche Angebote unterstützt werden.

Tierbeobachtung in freier Natur als Alternative
Auf Tiererlebnisse müssen Reisende laut VIER PFOTEN dennoch nicht verzichten. Eine Möglichkeit sind Beobachtungen in der freien Natur, bei denen Tiere nicht eingefangen, dressiert oder zu bestimmten Verhaltensweisen gezwungen werden.
Dazu gehören beispielsweise Safaris, Walbeobachtungen, Tauch- und Schnorchelausflüge sowie Wanderungen in Nationalparks. Entscheidend ist dabei, dass die Tiere nicht gestört werden.
Reisende sollten Wildtiere nicht berühren oder füttern und ausreichend Abstand halten. Auch sollten Tiere nicht länger als nötig beobachtet werden. Wer eine Tour bei einem externen Anbieter bucht, sollte sich deshalb bereits vor der Reise über dessen Richtlinien zum Tierwohl informieren.
Bei Unsicherheiten können konkrete Fragen zum Umgang mit den Tieren helfen. Anbieter sollten nachvollziehbar erklären können, wie sie Störungen vermeiden und welche Regeln für die Beobachtung gelten.
Bei Schutzzentren genau hinschauen
Auch der Besuch eines Schutzzentrums kann eine Möglichkeit sein, Tiere kennenzulernen und gleichzeitig etwas über Tierschutz zu erfahren. Entscheidend ist jedoch, ob tatsächlich das Wohl der Tiere im Mittelpunkt steht.
Seriöse Einrichtungen nehmen laut VIER PFOTEN gerettete Tiere auf, verzichten auf direkten Kontakt zwischen Besuchenden und Tieren und setzen auf Information und Aufklärung statt Unterhaltung. Zudem sollten keine Tiere für touristische Zwecke gezüchtet werden und die Herkunft der Tiere transparent sein.
Nicht jede Einrichtung, die sich als «Schutzzentrum» oder «Sanctuary» bezeichnet, erfüllt diese Kriterien. Reisende sollten deshalb vor dem Besuch recherchieren und genau prüfen, wie die Tiere gehalten werden und welchen Zweck die Einrichtung verfolgt.

Arosa Bärenland als Schweizer Beispiel
In der Schweiz nennt VIER PFOTEN das Arosa Bärenland als Beispiel für einen tierfreundlichen Tourismusbetrieb. Dort leben gerettete Bären, die zuvor unter schlechten Haltungsbedingungen gehalten wurden.
Die Tiere erhalten in Arosa eine weitläufige und naturnah gestaltete Umgebung. Besuchende können die Bären beobachten und gleichzeitig Informationen über deren Geschichte und Tierschutz erhalten.
Das Beispiel zeigt, dass Tiererlebnisse auch ohne direkten Kontakt zwischen Menschen und Wildtieren möglich sind. Für Reisende bedeutet verantwortungsvoller Tourismus vor allem, Angebote auszuwählen, bei denen das Tier nicht zur Attraktion gemacht wird.
Über VIER PFOTEN
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heimtiere, sogenannte Nutztiere und Wildtiere – wie Bären, Grosskatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in 13 Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt.






