Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) setzt angesichts der veränderten Bedrohungslage einen strategischen Schwerpunkt auf Drohnen, Drohnenabwehr und Robotik. Ein neues Kompetenzzentrum, ein Drohnenbataillon und eine eigene Rekrutenschule sollen die Entwicklung, Beschaffung und militärische Nutzung neuer Technologien beschleunigen.
Neues Zentrum für Drohnen und Robotik
Mit dem Zentrum Unbemannte Systeme VBS entsteht ein zivil-militärisches Kompetenzzentrum für Drohnen und Robotik. Es soll die Zusammenarbeit zwischen Armee, Wissenschaft und Wirtschaft verbessern und neue Technologien schneller von der Entwicklung in die praktische Anwendung bringen.
Das Zentrum besteht aus einem Tech Hub sowie einem militärischen Kommando. Im Tech Hub sollen die Bedürfnisse der Truppe, die technologischen Kompetenzen von armasuisse sowie das Wissen von Hochschulen, Start-ups und Industrie zusammengeführt werden.
Neue Systeme sollen gemeinsam entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt werden. Das militärische Kommando umfasst dafür eine Versuchs- und eine Ausbildungsorganisation und ist unter anderem für die Ausbildung des künftigen Drohnenbataillons verantwortlich.
Erkenntnisse aus dem praktischen Einsatz sollen wiederum rasch an Forschung und Wirtschaft zurückfliessen. Das Zentrum soll zudem anderen Departementen, Kantonen und Blaulichtorganisationen offenstehen.
Eigenes Drohnenbataillon ab 2028
Die Armee baut auch ihre personellen und organisatorischen Fähigkeiten aus. Ab 2028 soll ein eigenes Drohnenbataillon für Aufklärung, Wirkung und Abwehr eingesetzt werden.
Eine eigene Drohnen-Rekrutenschule soll die dafür notwendigen Fähigkeiten systematisch vermitteln und gleichzeitig den personellen Nachwuchs für das Drohnenbataillon sicherstellen. Die entsprechenden Kompetenzen sollen darüber hinaus breiter innerhalb der Armee aufgebaut werden.
Dabei will das VBS auch auf das Fachwissen von Milizangehörigen zurückgreifen. Viele von ihnen verfügen durch ihre zivile Tätigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft oder Technologie bereits über Erfahrungen, die für den Aufbau moderner militärischer Fähigkeiten genutzt werden können.
Investitionen in Drohnen und Abwehrsysteme
Das VBS will sowohl die Nutzung von Drohnen als auch die Fähigkeit zu deren Abwehr ausbauen. Erste Systeme zur Drohnenabwehr sind bereits bei der Armee eingeführt.
Mit der Armeebotschaft 2026 wurde der weitere Ausbau der Fähigkeiten eingeleitet. Im Rüstungsprogramm 2027 sind zusätzliche Mittel vorgesehen, um weitere Infrastrukturen und Verbände zu schützen und das neue Drohnenbataillon auszurüsten.
Die Beschaffung soll dabei stärker auf die rasante technologische Entwicklung ausgerichtet werden. Statt grosse Mengen eines Systems über lange Zeiträume zu beschaffen, sollen Technologien gezielter, in kleineren Stückzahlen und in kürzeren Zyklen getestet und beschafft werden.
Bewährte Systeme sollen anschliessend möglichst rasch in der Truppe eingesetzt werden. Die Erfahrungen aus dem Einsatz sollen wiederum in die Weiterentwicklung einfliessen.
Bedrohung durch Drohnen nimmt zu
Drohnen und Robotik haben sich durch den Einsatz künstlicher Intelligenz zu einem wichtigen Bestandteil moderner Konflikte entwickelt. Gleichzeitig werden Drohnen zunehmend auch im Rahmen hybrider Konfliktführung eingesetzt.
Auch in der Schweiz beobachtet das VBS eine Zunahme von Drohnenflügen über militärischen Anlagen und kritischer Infrastruktur. Der Bundesrat hat deshalb in seinen Leitlinien für die Verteidigung vom 19. Juni 2026 sowie in der Rüstungsplanung einen raschen Fähigkeitsaufbau in den Bereichen Drohnen und Robotik vorgegeben.
Dabei geht es nicht nur um den Einsatz eigener Drohnen. Die Armee soll gleichzeitig in die Lage versetzt werden, Drohnen anderer Akteure zu erkennen und abzuwehren.
Zuständigkeiten und Rechtsgrundlagen werden überprüft
Bei der Drohnenabwehr sind derzeit verschiedene Behörden, Stellen und teilweise auch private Betreiber kritischer Infrastrukturen beteiligt. Das VBS will deshalb die bestehenden Zuständigkeiten überprüfen.
Eine interdepartementale Arbeitsgruppe unter Leitung des VBS untersucht die geltenden rechtlichen Grundlagen und Zuständigkeiten. Dabei soll geklärt werden, welche Anpassungen angesichts der veränderten Bedrohungslage notwendig sind.
Die Arbeiten erfolgen auch im Zusammenhang mit einem parlamentarischen Auftrag. Ziel ist es, die Verantwortlichkeiten bei der Drohnenabwehr klarer zu regeln und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen zu verbessern.
Damit verbindet das VBS den technischen Ausbau der Fähigkeiten mit organisatorischen und rechtlichen Anpassungen. Drohnen, Drohnenabwehr und Robotik sollen künftig stärker als zusammenhängender Bestandteil der Verteidigungsfähigkeit der Schweiz betrachtet werden.





