Ein Untersuchungsbericht sorgt am Universitätsspital Zürich für erhebliche Aufmerksamkeit.
Im Zentrum stehen Vorkommnisse in der Herzchirurgie zwischen 2016 und 2020.
Die Resultate werfen Fragen zur damaligen Führung, zu medizinischen Abläufen und zur Aufsicht auf.
Untersuchung deckt schwerwiegende Mängel auf
Der Spitalrat des Universitätsspitals Zürich (USZ) hatte im August 2024 eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt.
Auslöser waren Hinweise auf eine auffällig erhöhte Mortalitätsrate in der Herzchirurgie.
Die Kommission prüfte den Zeitraum von 2016 bis 2020 umfassend.
Zentrale Erkenntnisse der Untersuchung
Laut Bericht zeigen sich mehrere problematische Entwicklungen:
- Hinweise auf Übermortalität im Vergleich zu Referenzwerten
- organisatorische und führungsbezogene Defizite
- unzureichendes Risikomanagement in der Klinikstruktur
- unklare Nutzung neuer medizinischer Technologien in einzelnen Fällen
Die Untersuchung basiert auf statistischen Analysen sowie der Prüfung einzelner Todesfälle.
Einordnung der Mortalitätsdaten
Die Kommission verglich rund 4’500 Operationen mit anerkannten Risikomodellen.
Dabei ergab sich laut Bericht eine statistisch berechnete Übermortalität von mehreren Dutzend Fällen im Untersuchungszeitraum.
Zusätzlich wurden 307 Todesfälle individuell analysiert.
Ergebnisse der Einzelanalyse
- mehrere Fälle wurden als medizinisch auffällig eingestuft
- ein Teil der Todesfälle galt als «nicht erwartbar» im klinischen Kontext
- weitere Fälle wurden als «eher nicht zu erwarten» bewertet
Die Ergebnisse deuten laut Bericht auf strukturelle Probleme hin.
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Einsatz innovativer Medizinprodukte im Fokus
Ein weiterer Teil der Untersuchung betraf den Einsatz neuer medizinischer Technologien.
Dabei wurden rund 59 neuartige Produkte geprüft.
In einzelnen Fällen kam die Kommission zum Schluss, dass der Einsatz nicht ausreichend gerechtfertigt gewesen sei.
Dies habe möglicherweise zu ungünstigen Behandlungsergebnissen beigetragen.
Ursachen laut Bericht: Führung und Struktur
Die Untersuchung nennt mehrere Faktoren als mögliche Ursachen:
- Defizite in der Klinikführung
- unklare Verantwortlichkeiten
- unzureichende Kontrolle durch übergeordnete Stellen
- Interessenkonflikte und organisatorische Schwächen
Die damalige Spitalleitung sowie der Spitalrat werden in ihrer Aufsichtsfunktion kritisch bewertet.
Reaktionen des Universitätsspitals Zürich
Die heutige Spitalführung zeigt sich betroffen von den Ergebnissen.
Der Spitalrat und die Spitaldirektion sprechen von schwerwiegenden Erkenntnissen und betonen die Bedeutung der Aufarbeitung.
Betroffene und Angehörige werden um Entschuldigung gebeten.
Eingeleitete Massnahmen
- Einrichtung einer Informations- und Beratungsstelle
- Weiterleitung einzelner Fälle an die Staatsanwaltschaft Zürich
- strukturelle Reformen im Klinikbetrieb
- neue Richtlinien zur Patientensicherheit
Heute: neue Führung und Reformen
Laut USZ habe sich die Situation in der Herzchirurgie inzwischen deutlich verbessert.
Die Klinik sei organisatorisch neu aufgestellt worden.
Auch die Qualitätskennzahlen hätten sich stabilisiert.
Die heutige Leitung verweist auf umfangreiche Reformen seit 2020.
Bedeutung für das Gesundheitssystem
Der Bericht wirft grundsätzliche Fragen zur Spitalführung und Kontrolle von Universitätsspitälern auf.
Insbesondere stehen folgende Punkte im Raum:
- Wie werden medizinische Innovationen bewertet?
- Wie funktionieren interne Kontrollen?
- Welche Rolle spielt externe Aufsicht?
Die Untersuchung am Universitätsspital Zürich zeigt laut Bericht ein komplexes Zusammenspiel aus medizinischen, organisatorischen und strukturellen Faktoren.
Die Aufarbeitung soll nun auch rechtlich und institutionell weitergeführt werden.
Für die Schweizer Spitallandschaft dürfte der Fall langfristige Auswirkungen haben.







