Unterschiedliche Prioritäten zwischen Washington und Tel Aviv
Zwischen den Vereinigten Staaten und Israel gibt es offenbar wachsende Differenzen über den richtigen Zeitpunkt für den Wiederaufbau des Gazastreifens. Während Washington auf einen schnellen Übergang zur zweiten Phase des Gaza-Plans drängt, legt Israel den Schwerpunkt weiterhin auf die vollständige Entwaffnung der Hamas.
Nach Informationen des israelischen Senders Kan News, über die laut ansa.it berichtet wird, möchte die US-Regierung Phase zwei des von Präsident Donald Trump initiierten Plans bereits Mitte des kommenden Monats einleiten. Diese Phase sieht vor, parallel zur Entwaffnung auch mit dem Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur zu beginnen.
Israel fordert zuerst Entmilitarisierung
Die israelische Regierung hingegen beharrt darauf, dass ein nachhaltiger Wiederaufbau nur möglich sei, wenn der Gazastreifen zuvor vollständig entmilitarisiert wird. Aus israelischer Sicht müsse die Hamas entwaffnet und jede militärische Struktur dauerhaft zerschlagen werden, bevor mit gross angelegten Bauprojekten begonnen werden könne.
Dennoch gibt es laut israelischen Regierungskreisen Überlegungen, Entwaffnung und Wiederaufbau zumindest teilweise parallel vorzubereiten, um den politischen Druck zu reduzieren und humanitäre Verbesserungen schneller umzusetzen.
IDF bereitet Umsiedlungen in Rafah vor
Im Süden des Gazastreifens räumt die israelische Armee (IDF) bereits Gebiete in Rafah. Dort sollen neue Wohnzonen entstehen, in die Teile der Bevölkerung umgesiedelt werden. Diese Gebiete sollen weder von der Hamas noch von israelischen Truppen kontrolliert werden und als Übergangslösung dienen.
Der US-Plan sieht zunächst den Einsatz von Mobilheimen vor. In späteren Phasen sollen feste Neubauten folgen, um eine dauerhafte zivile Infrastruktur aufzubauen.
Multinationale Truppe geplant – Fragen bleiben offen
Parallel zum Wiederaufbau wird über die Entsendung einer multinationalen Sicherheitsmission diskutiert. Diese soll mit einem Mandat ähnlich der UNIFIL-Truppe im Libanon ausgestattet werden. Italien und Indonesien haben laut diplomatischen Quellen bereits ihre Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu entsenden.
Offen bleibt jedoch die Frage der türkischen Beteiligung sowie die genaue Führungsstruktur der Mission. Diese Punkte gelten als besonders sensibel und könnten den Zeitplan weiter verzögern.
Politische Spannungen bleiben bestehen
Die unterschiedlichen Positionen von Washington und Tel Aviv verdeutlichen die Komplexität des Konflikts. Während die USA auf schnelle Stabilisierung und Wiederaufbau setzen, verfolgt Israel weiterhin einen strikt sicherheitsorientierten Ansatz. Ob ein Kompromiss gefunden wird, dürfte entscheidend für die Zukunft des Gazastreifens sein.










