Hoffnung auf Wiederaufbau – aber der Frieden lässt auf sich warten
Die Europäische Union und die USA haben laut einem internen Dokument einen 800-Milliarden-Dollar-Plan für den Wiederaufbau der Ukraine vorbereitet. Ziel ist es, nach dem Ende des russischen Angriffskriegs den Übergang von Krisenhilfe zu wirtschaftlichem Wohlstand zu ermöglichen – gestützt auf umfangreiche öffentliche und private Investitionen.
Das Dokument, das unter anderem Politico und ansa.it einsehen konnten, formuliert eine klare Vision: ein Jahrzehnt wirtschaftlicher Erneuerung, flankiert von einem Weg in die EU und getragen von internationalen Partnern wie dem IWF, der Weltbank und der US-Regierung. Der Vorschlag setzt jedoch einen Waffenstillstand voraus – und der ist derzeit nicht in Sicht.
Zehn Jahre Aufbau – aber erst nach dem Krieg
Das 18-seitige Papier beschreibt einen strukturierten Zehnjahresplan, der bis 2040 laufen soll. Er enthält auch einen 100-Tage-Aktionsplan, um unmittelbar nach Kriegsende konkrete Projekte zu starten.
Die Europäische Kommission verteilte die Pläne im Vorfeld des EU-Gipfels am 22. Januar an die Hauptstädte. Diplomatische Quellen bestätigen, dass der Plan auf dem Treffen Thema war.
Die Strategie basiert darauf, die Ukraine nicht nur als künftiges EU-Mitglied, sondern auch als attraktiven Investitionsstandort zu positionieren. Dafür sollen öffentliche Gelder als Sicherheitsnetz für privates Kapital dienen – insbesondere aus den USA.
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BlackRock und Washington als Schlüsselakteure
Der US-Vermögensverwalter BlackRock berät den Wiederaufbauplan unentgeltlich. Doch dessen stellvertretender Chef Philipp Hildebrand warnte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos vor zu hohen Erwartungen:
„Es ist nahezu unmöglich, in einem aktiven Kriegsgebiet zu investieren. Der Aufbau muss schrittweise erfolgen – und das wird Zeit brauchen.“
Die USA sollen nicht nur als Geber auftreten, sondern als strategischer Wirtschaftspartner. Laut Dokument sollen amerikanische Unternehmen direkt vor Ort tätig werden, etwa im Bereich Kritische Rohstoffe, Energie, Infrastruktur und Digitalisierung.
An Friedensgesprächen nahmen unter anderem Larry Fink (BlackRock) sowie Jared Kushner, der Schwiegersohn von Ex-Präsident Trump, teil. Letzterer zeigte sich bereit, nach Kriegsende in die Ukraine zu investieren – trotz vorheriger Kürzung der US-Hilfen während des Krieges.
Finanzpaket in mehreren Etappen
Die EU will ab 2028 zusätzlich 100 Milliarden Euro über ihren langfristigen Haushalt zur Verfügung stellen – inklusive Investitionsgarantien. Damit sollen 207 Milliarden Euro an zusätzlichen Projekten ausgelöst werden. Die USA planen einen eigene Ukraine-Wiederaufbaufonds, nannten bislang aber keine konkrete Summe.
Insgesamt sollen über zehn Jahre hinweg mindestens 500 Milliarden US-Dollar zusammenkommen – öffentlich wie privat.
Doch: Kein Dollar wird fliessen, solange Raketen fliegen. Der Plan ist ausdrücklich kein Friedensplan, sondern ein Wirtschaftsfahrplan für die Zeit nach dem Krieg.
Treffen in Abu Dhabi – die Hoffnung bleibt
Am 19. und 20. Januar sollen in Abu Dhabi trilaterale Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA stattfinden – auf Einladung Washingtons. Es ist der Versuch, eine wirtschaftliche Perspektive als Teil eines grösseren Friedensdialogs zu etablieren.










