Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Grossbank Unicredit verändert auch die Perspektiven der beiden Institute in der Schweiz. Während Unicredit sein kleines Schweizer Geschäft bereits beendet hat, konzentriert sich die Commerzbank weiterhin auf internationale Firmenkunden.
Unicredit zieht sich aus der Schweiz zurück
Die Machtverhältnisse bei der Commerzbank scheinen sich zugunsten von Unicredit zu verschieben. Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann forderte die italienische Grossbank zuletzt zu Gesprächen mit dem Management auf und räumte ein, dass die Mehrheitsverhältnisse an der kommenden Hauptversammlung klar seien.
In der Schweiz war Unicredit bislang nur begrenzt erfolgreich. Die italienische Bank startete 1998 mit einer Niederlassung in Lugano. Das Privatkundengeschäft entwickelte sich jedoch nicht wie erhofft.
Bereits 2010 wurden Teile des Geschäfts an die Tessiner Kantonalbank verkauft. Diese übernahm später sämtliche Aktien und führt das Institut heute unter dem Namen Axion Swiss Bank in Lugano weiter.
Auch die Genfer Niederlassung von Unicredit wurde geschlossen. Im Dezember 2024 beendete die Bank dort ihr Geschäft. Den fünf Mitarbeitenden wurden Stellen in München angeboten, wo sie künftig im Bereich Rohstoffhandelsfinanzierung tätig sein sollen.
Commerzbank wechselte vom Private Banking zu Firmenkunden
Die Commerzbank ist bereits seit 1985 in der Schweiz aktiv. Ursprünglich war das Institut mit einem Angebot für Privatkunden gestartet und eröffnete später zusätzlich eine Niederlassung in Genf.
Nach der Finanzkrise änderte die Bank jedoch ihre Strategie. 2009 verkaufte sie ihre Schweizer Tochtergesellschaft inklusive Genfer Standort vollständig an Vontobel. Damals beschäftigte die Commerzbank in der Schweiz 127 Mitarbeitende und verwaltete Vermögen von rund 4,5 Milliarden Franken.
Anschliessend konzentrierte sich die Commerzbank in der Schweiz auf das Firmenkundengeschäft. 2012 eröffnete sie wieder eine Niederlassung in Zürich und richtete sich vor allem an exportorientierte Schweizer Unternehmen sowie internationale Konzerne.
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Ausbaupläne wurden mehrfach angepasst
Ab 2014 wollte die Commerzbank ihre Präsenz in der Schweiz deutlich ausbauen. Neben Zürich entstanden weitere Standorte in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Lausanne. Die Bank bezeichnete die Schweiz damals als wichtigen Auslandsmarkt und plante mittelfristig eine Verdoppelung der Mitarbeitendenzahl auf rund 200 Personen.
Diese Strategie wurde später angepasst. Im Rahmen eines Konzernumbaus schloss die Commerzbank Ende 2021 alle Schweizer Standorte ausser Zürich.
Trotz dieser Veränderungen blieb das Schweiz-Geschäft für die Bank bedeutend. Nach eigenen Angaben betreut die Commerzbank heute rund 1’200 Firmenkunden und verfügt über zugesagte Kreditvolumen von etwa 16 Milliarden Franken.
Commerzbank sieht keine Auswirkungen durch Unicredit
Nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS sah die Commerzbank neue Chancen im Schweizer Markt. 2024 wurden die Büros am Zürcher Pelikanplatz erweitert und zusätzliche Einstellungen angekündigt.
Die erwartete Expansion fiel jedoch geringer aus als ursprünglich geplant. Aktuell beschäftigt die Commerzbank nach eigenen Angaben rund 100 Mitarbeitende in der Schweiz. Zusätzlich arbeitet eine hohe dreistellige Zahl von Mitarbeitenden aus Deutschland für den Schweizer Standort.
Trotz der geplanten Übernahme durch Unicredit betont die Commerzbank, dass sich für Schweizer Kundinnen und Kunden vorerst nichts ändern soll. Die Dienstleistungen und Produkte würden weiterhin vollständig angeboten, und das Tagesgeschäft sei von der aktuellen Situation nicht betroffen.
Wie sich die Eigentümerstruktur langfristig auf die Schweizer Aktivitäten auswirkt, hängt von der weiteren Entwicklung der Übernahme und den strategischen Entscheidungen der neuen Führung ab.






