Ein schweres Erdbeben hat Anfang der Woche den Westen Kolumbiens getroffen. Hunderte Menschen kamen ums Leben, Tausende werden vermisst. Besonders Kinder und Frauen sind nach Angaben von UNICEF gefährdet. Das Kinderhilfswerk ist vor Ort und unterstützt betroffene Familien unter anderem mit Hilfsgütern und psychologischer Betreuung.
Das Erdbeben der Stärke 7,4 hat im Westen Kolumbiens Häuser, Strassen und Schulen beschädigt oder zerstört. Besonders betroffen sind Regionen, in denen viele Menschen bereits zuvor unter Armut, Ungleichheit, bewaffneten Konflikten und den Folgen des Klimawandels litten.
Laut GMX, das sich auf Angaben der «Tagesschau» und UNICEF beruft, sind nach bisherigen Angaben 240 Menschen ums Leben gekommen, während mehr als 3’000 Menschen vermisst werden. Das tatsächliche Ausmass der Katastrophe ist weiterhin nicht vollständig bekannt.
Für Kinder ist die Situation besonders belastend. Tanya Chapuisat, UNICEF-Leiterin in Kolumbien, warnt davor, dass Kinder nach einer Katastrophe dieser Grössenordnung zahlreichen zusätzlichen Risiken ausgesetzt sind.
Durch die Zerstörungen könne sich unter anderem das Risiko von Gewalt, Missbrauch und der Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen erhöhen. Besonders gefährdet sind Kinder, die Angehörige, ihr Zuhause oder ihre Schule verloren haben.
Psychologische Hilfe für betroffene Kinder
Das Erdbeben hat bei vielen Kindern Angst und Verunsicherung ausgelöst. Nach Angaben von UNICEF können Betroffene unter Stress, Unruhe und emotionaler Belastung leiden, insbesondere wenn ihr bisheriges Sicherheitsgefühl zerstört wurde.
Das Kinderhilfswerk ist deshalb bereits in den betroffenen Gebieten aktiv. UNICEF stellt unter anderem Hygieneartikel, Versorgungssets für Mütter und Wassertanks zur Verfügung. Die Hilfsmittel sollen rund 25’000 Menschen erreichen.
Gleichzeitig arbeitet UNICEF mit dem kolumbianischen Institut für Familienfürsorge zusammen. Ziel ist es, Kindern und Familien nach dem traumatischen Erlebnis psychologische Unterstützung anzubieten.
Dabei geht es nicht nur um die unmittelbare Versorgung. Kinder sollen möglichst schnell wieder einen geregelten Alltag erhalten und Zugang zu Schutz, Betreuung und Bildung bekommen.
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Die ersten Tage sind entscheidend
Während Helfer weiterhin nach Überlebenden suchen, bleibt die Lage vielerorts schwierig. Die ersten 72 Stunden nach einem schweren Erdbeben gelten als besonders wichtig für die Suche nach Menschen, die unter Trümmern eingeschlossen sind.
Die beschädigte Infrastruktur erschwert die Rettungsarbeiten zusätzlich. Fehlendes sauberes Wasser, Stromausfälle und eine eingeschränkte medizinische Versorgung erhöhen die Gefahr weiterer gesundheitlicher Probleme.
Auch eingestürzte Gebäude stellen eine zusätzliche Belastung dar. Staub kann die Atemwege reizen und erschwert die Arbeit der Rettungskräfte. Gleichzeitig müssen sich die Menschen gegen Regen, Hitze und mögliche Krankheiten schützen.
UNICEF will deshalb insbesondere dort helfen, wo die Versorgung am schwierigsten ist. Im Fokus stehen auch schwer erreichbare Gebiete wie Chocó und Buenaventura.
Schulen sollen schnell wieder öffnen
Neben der psychologischen Betreuung gehört die Wiederherstellung des Schulbetriebs zu den Prioritäten. Nach Angaben von UNICEF wurden Berichten zufolge mehr als 1’000 Schulen beschädigt oder zerstört.
Für Kinder bedeutet der Verlust ihrer Schule nicht nur eine Unterbrechung der Bildung. Schulen bieten nach Katastrophen auch Schutz, Stabilität und soziale Kontakte. Fehlen diese Strukturen, können Kinder zusätzlichen Gefahren ausgesetzt sein.
UNICEF arbeitet deshalb mit dem kolumbianischen Bildungsministerium zusammen, um Kindern möglichst schnell wieder den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen die Schulen so gestaltet werden, dass sie den betroffenen Kindern wieder einen sicheren Ort bieten.
Wie viele Menschen tatsächlich vom Erdbeben betroffen sind und wie hoch die Schäden insgesamt ausfallen, dürfte sich erst in den kommenden Tagen genauer zeigen. Die Hilfsorganisationen konzentrieren sich derweil auf die Rettung von Menschen, die Versorgung der Bevölkerung und den Schutz besonders gefährdeter Kinder.






