Weltweit eskalieren Konflikte.
Doch ausgerechnet jetzt schrumpfen die internationalen Friedensmissionen drastisch.
Forscher sprechen bereits von einem historischen Wendepunkt – mit potenziell gefährlichen Folgen für die globale Stabilität.
Immer weniger Blauhelme weltweit
Die Zahlen zeigen einen deutlichen Trend:
Ende 2025 waren laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri weltweit nur noch 78.633 Blauhelme und internationale Einsatzkräfte aktiv.
Das ist der niedrigste Stand seit mindestens 25 Jahren.
Noch gravierender:
Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der eingesetzten Kräfte um fast die Hälfte.
Friedensmissionen verschwinden schrittweise
Auch die Zahl der Missionen geht zurück.
2025 gab es weltweit noch 58 internationale Friedenseinsätze in 34 Ländern oder Gebieten.
Das sind erneut weniger als im Vorjahr.
Forscher warnen vor dramatischen Folgen
Der Sipri-Experte Jaïr van der Lijn spricht von einem „perfekten Sturm“ aus:
- Finanzproblemen
- geopolitischen Spannungen
- politischem Druck
- wachsender Rivalität grosser Staaten
Die Folge könnte laut den Forschern eine massive Schwächung der multilateralen Konfliktbewältigung sein.
Milliardenloch bringt UN-Missionen unter Druck
Besonders problematisch war 2025 eine Finanzierungslücke von rund zwei Milliarden US-Dollar.
Mehrere Staaten zahlten zugesagte Beiträge verspätet oder gar nicht.
Die Vereinten Nationen mussten daraufhin sparen:
- weniger Personal
- reduzierte Einsätze
- eingeschränkte Mandate
USA schulden Milliarden
Die Vereinigten Staaten bleiben zwar grösster Geldgeber der UNO, gleichzeitig schulden sie den UN-Friedensmissionen laut offiziellen Angaben rund 2,2 Milliarden Dollar.
Zum Vergleich:
Das gesamte Budget für UN-Peacekeeping liegt für 2025/2026 bei etwa 5,38 Milliarden Dollar.
Donald Trump verschärft die Krise der UNO
Unter US-Präsident Donald Trump verschärfte sich der Druck auf die Vereinten Nationen erneut.
Im Rahmen seiner „America First“-Politik wurden zahlreiche UN-Programme gekürzt oder finanziell unter Druck gesetzt.
Kritiker sehen darin nicht nur Sparmassnahmen, sondern einen gezielten Machtkampf gegen internationale Institutionen.
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Libanon-Mission Unifil vor dem Aus
Besonders sichtbar wird die Krise bei der UN-Mission Unifil im Libanon.
Die Mission besteht seit 1978.
Doch 2025 scheiterte die sonst routinemässige Verlängerung des Mandats am Widerstand der USA.
Gemeinsam mit Israel drängte Washington auf ein Ende des Einsatzes.
Was folgt nach 2026?
Derzeit sind noch mehr als 7.500 Blauhelme aus rund 50 Staaten im Einsatz.
Wie die Region nach dem geplanten Ende der Mission stabilisiert werden soll, ist offen.
Regionale Bündnisse können Lücke kaum schliessen
Seit 2014 wurde keine neue grosse UN-Friedensmission mehr beschlossen.
Stattdessen setzen Staaten zunehmend auf regionale Lösungen.
Doch laut Sipri fehlen diesen Organisationen oft:
- finanzielle Mittel
- politische Einheit
- logistische Fähigkeiten
- langfristige Friedensstrategien
Die Forscherin Claudia Pfeifer Cruz warnt deshalb vor einer „wachsenden Lücke“, die kaum geschlossen werden könne.
Staaten handeln zunehmend alleine
Eine weitere Entwicklung bereitet Experten Sorgen:
Internationale Krisen werden immer häufiger unilateral oder bilateral gelöst.
Das bedeutet:
- mehr Eigeninteressen
- stärkere Militarisierung
- weniger gemeinsame Kontrolle
Gerade in Konflikten wie Sudan oder Ukraine zeigt sich laut Forschern, wie schwierig koordinierte Friedenspolitik geworden ist.
Während Konflikte weltweit zunehmen, verlieren internationale Friedensmissionen zunehmend an Stärke.
Forscher warnen davor, dass genau diese Entwicklung die Welt langfristig instabiler machen könnte.
Noch sei ein Kollaps der multilateralen Friedensordnung vermeidbar.






