Die UBS baut ihr Geschäft mit vermögenden Kundinnen und Kunden in den USA weiter aus. Der wichtigste Wachstumsmarkt der Grossbank ist zugleich eine grosse Herausforderung: Starke Konkurrenz, hohe Kosten und regulatorische Unsicherheiten bremsen die Expansion.
Die UBS verfolgt in den USA ein langfristiges Ziel: Die Schweizer Grossbank will im Geschäft mit den weltweit reichsten Privatkundinnen und Privatkunden an die Spitze aufrücken. Besonders der US-Markt gilt als entscheidend, denn dort leben Millionen vermögende Menschen mit grossem Anlagepotenzial.
Gemäss UBS-Zahlen leben rund 24 Millionen Millionärinnen und Millionäre in den Vereinigten Staaten. Damit ist der Markt für Vermögensverwaltung besonders attraktiv. Gleichzeitig liegt die UBS dort hinter grossen US-Konkurrenten wie JPMorgan Chase oder Morgan Stanley zurück.
Konzernchef Sergio Ermotti setzt deshalb auf weiteres Wachstum. Der Ausbau des US-Geschäfts soll jedoch nicht kurzfristig erfolgen, sondern über mehrere Jahre.
Milliardengewinne trotz komplexer Herausforderungen
Die UBS erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Konzerngewinn von 2,8 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis wurde unter anderem durch eine hohe Handelsaktivität der Kundschaft und die positive Entwicklung an den Finanzmärkten gestützt.
Gleichzeitig steht die Grossbank vor politischen und regulatorischen Herausforderungen. Während die UBS ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu drei Milliarden US-Dollar plant, fordern politische Kreise höhere Eigenkapitalanforderungen.
Diese Diskussion betrifft insbesondere die Frage, wie stark die Grossbank ihre internationalen Aktivitäten absichern muss.
Abhängigkeit von Finanzberatern bleibt Problem
In den USA beschäftigt die UBS rund 25’000 Mitarbeitende. Ein zentraler Bestandteil des Geschäfts sind etwa 5700 Finanzberaterinnen und Finanzberater, die vermögende Kundschaft betreuen.
Diese Berater verfügen über enge persönliche Beziehungen zu ihren Kundinnen und Kunden. Dadurch entsteht eine besondere Herausforderung: Wechselt ein Top-Berater zu einer Konkurrenzbank, können teilweise auch grosse Kundenvermögen verloren gehen.
Der Bankenanalyst Andreas Venditti von der Bank Vontobel erklärt, dass die Bindung zwischen Kundschaft und Berater häufig stärker sei als jene zur Bank selbst. Dadurch hätten erfolgreiche Berater eine hohe Verhandlungsmacht.
Um wichtige Talente zu halten und neue Spitzenkräfte zu gewinnen, setzt die UBS zunehmend auf hohe Antrittsprämien und langfristige Verträge. Diese Massnahmen belasten jedoch die Profitabilität.
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Milliardenvermögen und Abwanderung von Beratern
Die UBS verwaltet in den USA derzeit Vermögen von rund 2,4 Billionen US-Dollar. Die Entwicklung verlief in den vergangenen Jahren jedoch nicht ohne Rückschläge.
Nach umstrittenen Lohnkürzungen im Jahr 2025 verliessen laut Branchenportal Advisor Hub mehr als 50 hochkarätige Beraterteams die UBS. Dabei sollen Kundengelder von fast 52 Milliarden US-Dollar zur Konkurrenz gewechselt sein.
Im Jahr 2026 zeigten sich erste Verbesserungen. Im ersten Quartal verzeichnete die UBS einen Nettozufluss von mehr als fünf Milliarden US-Dollar, im zweiten Quartal rund eine Milliarde US-Dollar.
«Build the Bank»: UBS will breiter werden
Um die Abhängigkeit von einzelnen Beratern zu reduzieren, verfolgt die UBS in den USA das Projekt «Build the Bank». Die Grossbank will ihr Angebot erweitern und stärker als klassische Universalbank auftreten.
Geplant ist, künftig zusätzliche Dienstleistungen wie Sparkonten, Zahlungsverkehr und Kredite anzubieten. Dadurch sollen Kundinnen und Kunden enger an die UBS gebunden werden.
Bankenanalyst Venditti sieht darin einen wichtigen Hebel: Die bestehende Infrastruktur könne besser genutzt werden, wenn die UBS ihre Produktpalette verbreitere.
Die UBS selbst bezeichnet die USA als zentralen Wachstumsmarkt. Das Unternehmen investiere weiterhin in Talente, Technologie und Kompetenzen und befinde sich im US-Wealth-Management in einem mehrjährigen Transformationsprozess.
Eigenkapitalregeln könnten Expansion bremsen
Eine zusätzliche Herausforderung kommt aus der Schweiz. Finanzministerin Karin Keller-Sutter fordert strengere Regeln für die Absicherung ausländischer Tochtergesellschaften grosser Banken.
Sollte die UBS künftig eine US-Bank übernehmen, könnte dies höhere Eigenkapitalanforderungen am Schweizer Hauptsitz auslösen. Damit würde eine Expansion in den USA nicht nur den Kaufpreis kosten, sondern auch zusätzliche Kapitalreserven erfordern.
Im Parlament laufen derzeit Gespräche über eine mögliche Lösung. Ein entsprechender Gesetzesentwurf könnte bereits im August vorliegen.
Für die UBS bleibt der US-Markt damit ein strategisches Schlüsselprojekt – gleichzeitig aber auch ein anspruchsvoller Balanceakt zwischen Wachstum, Kostenkontrolle und Regulierung.






