US-Präsident Donald Trump hat eine Vereinbarung über Venezuelas riesige Ölreserven angekündigt. Nach seinen Angaben sollen die USA Zugriff auf mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Reserven erhalten. Die venezolanische Regierung hat die Vereinbarung zunächst nicht bestätigt. Details zum Umfang und zu den konkreten Bedingungen sind bislang offen.
Trump spricht von historischem Öl-Geschäft
Laut GMX erklärte Trump auf der Plattform Truth Social, die Vereinbarung sei mit der geschäftsführenden Präsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, getroffen worden. Auch private Unternehmen seien an dem Geschäft beteiligt. Auf US-Seite hätten Verteidigungsminister Pete Hegseth und Aussenminister Marco Rubio an den Verhandlungen mitgewirkt.
Trump nannte zunächst keine Einzelheiten dazu, wie der Zugriff auf die Reserven konkret organisiert werden soll. Auch aus Caracas lag zunächst keine offizielle Bestätigung vor. Damit bleiben wichtige Fragen zum Umfang, zur rechtlichen Grundlage und zur wirtschaftlichen Umsetzung des angekündigten Deals offen.
Nach Trumps Darstellung könnten die USA durch die Vereinbarung auf mehr als doppelt so grosse Ölreserven zurückgreifen wie bisher. Die USA verfügten Ende 2024 nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde EIA über rund 46 Milliarden Barrel an nachgewiesenen Reserven.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die US-Angabe nicht ausschliesslich Rohöl umfasst. Auch Kondensat, das bei der Förderung aus Bohrlöchern anfällt, wird darin berücksichtigt. Die Vereinigten Staaten sind bereits heute der weltweit grösste Erdölproduzent.
Venezuela besitzt die grössten Ölreserven
Venezuela verfügt nach internationalen Schätzungen über die grössten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Die Gesamtmenge wird auf rund 303 Milliarden Barrel geschätzt.
Ein grosser Teil der venezolanischen Vorkommen besteht allerdings aus Schweröl. Dessen Förderung und Verarbeitung ist technisch aufwendiger als bei leichteren Rohölsorten und erfordert entsprechende Anlagen und Infrastruktur.
Die Kontrolle über Venezuelas Ölindustrie ist deshalb nicht nur eine Frage der vorhandenen Reserven. Entscheidend ist auch, wie schnell das Öl tatsächlich gefördert, transportiert und verarbeitet werden kann.
USA erhöhten Druck auf Venezuela
Der angekündigte Deal steht im Zusammenhang mit der seit längerer Zeit angespannten Beziehung zwischen Washington und Caracas. Die USA hatten ihren politischen und militärischen Druck auf Venezuela deutlich erhöht und dabei unter anderem den Kampf gegen mutmasslichen Drogenschmuggel als Begründung angeführt.
Trump stellte den Druck auf Venezuela zugleich wiederholt in Zusammenhang mit den dortigen Ölreserven. Er warf Venezuela vor, den USA «Öl, Land und andere Vermögenswerte» genommen zu haben. Hintergrund sind unter anderem frühere Verstaatlichungen venezolanischer Ölfelder, von denen auch US-Unternehmen betroffen waren.
Anfang des Jahres kam es schliesslich zur Festnahme des langjährigen venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte. Die USA erhoben gegen Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores unter anderem Vorwürfe im Zusammenhang mit «Drogenterrorismus». Das Vorgehen wurde international kontrovers beurteilt und von Kritikern als Verstoss gegen das Völkerrecht bezeichnet.
Seitdem führt Delcy Rodríguez die Regierungsgeschäfte in Venezuela. Sie hat mit Washington bereits in verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet, darunter auch bei Fragen rund um die venezolanische Erdölindustrie.
Hohe Benzinpreise erhöhen den Druck auf Trump
Der Öl-Deal kommt für Trump zu einem politisch schwierigen Zeitpunkt. Die hohen Energiepreise in den USA setzen die Regierung innenpolitisch unter Druck.
Der durchschnittliche Preis für bleifreies Benzin lag am Donnerstag bei 4,09 US-Dollar pro Gallone. Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Preis damit deutlich gestiegen. Der Automobilverband AAA rechnet zudem damit, dass der August für US-Autofahrer zum teuersten August seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte.
Trump verspricht sich von einer stärkeren Nutzung venezolanischer Ölvorkommen eine Verbesserung der Versorgungslage und niedrigere Benzinpreise. Ob und wie schnell ein solcher Effekt eintreten könnte, hängt allerdings von der tatsächlichen Umsetzung des angekündigten Geschäfts ab.
Strategische Ölreserven stark gesunken
Parallel dazu greifen die USA auf ihre strategischen Erdölreserven zurück. Diese Reserven bestehen aus bereits gefördertem Rohöl und sind nicht mit den unterirdischen Ölvorkommen eines Landes gleichzusetzen.
Die US-Reserven sind seit Beginn des Iran-Krieges deutlich zurückgegangen. Nach den vorliegenden Angaben befinden sie sich inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit rund 44 Jahren.
Trump bezeichnete die angekündigte Vereinbarung mit Venezuela als historische Transaktion. Seiner Darstellung zufolge soll sie die Ölversorgung der USA verbessern und die Benzinpreise für die Bevölkerung senken. Ob die angekündigte Vereinbarung tatsächlich in dieser Form umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.






