Frankreich erlebt 2026 eine aussergewöhnliche Trockenheit, die auch die Milch- und Käseproduktion belastet. Weil Weidegras fehlt, wurden für einzelne französische AOP-Käsesorten die Fütterungsvorgaben vorübergehend gelockert. Auch Schweizer Produzenten kämpfen mit Hitze, Wassermangel und höheren Futterkosten – Ausnahmegenehmigungen für die Kuhfütterung wurden hier bislang jedoch nicht beantragt.
Der Extremsommer 2026 macht sich zunehmend auch in der Landwirtschaft bemerkbar. Besonders betroffen ist die Milchproduktion, da Kühe bei Hitze weniger Milch geben und vielerorts nicht mehr ausreichend frisches Gras auf den Weiden finden.
In Frankreich waren die Böden Ende August laut dem französischen Wetterdienst Météo-France so trocken wie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959 nicht mehr. Für die Käseproduktion wird das zum Problem, weil bei zahlreichen traditionellen Sorten genau festgelegt ist, womit die Kühe gefüttert werden dürfen.
Die Regeln der geschützten Herkunftsbezeichnung «Appellation d’origine protégée» (AOP) schreiben unter anderem vor, welchen Anteil Weidegras das Futter ausmachen muss. Auch alternative Futtermittel wie Heu, Mais oder Getreide müssen grundsätzlich aus der jeweiligen Ursprungsregion stammen.
Frankreich lockert Vorgaben für AOP-Käse
Wegen der anhaltenden Trockenheit haben die französischen Behörden die Vorgaben für einzelne AOP-Käsesorten vorübergehend angepasst. Betroffen sind unter anderem Abondance und Beaufort. Beim Comté aus dem Juramassiv darf zudem grüner Mais eingesetzt werden, der ausserhalb der eigentlichen Region angebaut wurde.
Hinter den Ausnahmen steht ein praktisches Problem: Auf den Weiden wächst nicht mehr genug Gras, um die Tiere wie vorgeschrieben zu versorgen. Ohne Anpassungen der Regeln könnten die Bauern ihre Kühe teilweise nicht mehr entsprechend den AOP-Vorgaben füttern.
Die Änderungen werfen gleichzeitig die Frage auf, ob sich die Zusammensetzung des Futters auf die Eigenschaften des Käses auswirkt. Untersuchungen des französischen Agrarforschungsinstituts INRAE zeigen, dass die Fütterung mit Weidegras einen Einfluss auf Milch und daraus hergestellten Käse haben kann.
Käse aus der Milch von Kühen, die überwiegend mit Weidegras gefüttert wurden, wies in Untersuchungen unter anderem einen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auf. Bei Geschmack, Aroma, Geruch und Konsistenz schnitten entsprechende Produkte ebenfalls besser ab. Bei einem höheren Anteil an Trockenfutter wurde der Käse dagegen weisser und fester und verlor an geschmacklicher Tiefe.
Ob Konsumentinnen und Konsumenten solche Unterschiede tatsächlich deutlich wahrnehmen, ist in der Branche allerdings nicht abschliessend geklärt.
Weniger Milch und höhere Kosten für Bauern
Die Folgen des Klimas reichen zudem über den Geschmack des Käses hinaus. Kühe leiden unter hohen Temperaturen und geben bei Hitze weniger Milch. Gleichzeitig können sie wegen der trockenen Bedingungen weniger lange auf den Weiden grasen.
Damit sinkt die verfügbare Milchmenge für die Käseproduktion. Bei der französischen Sorte Salers ist die Produktion laut den vorliegenden Angaben von durchschnittlich rund 1500 Tonnen pro Jahr Anfang der 2010er-Jahre auf heute etwa 1000 Tonnen zurückgegangen.
Für die Betriebe verschärft sich die Situation zusätzlich durch steigende Produktions- und Futterkosten. Die Kombination aus geringeren Erträgen und höheren Ausgaben erhöht den wirtschaftlichen Druck auf Milchbauern und Käsereien.
Auch Schweizer Käseproduktion betroffen
Auch in der Schweiz wirkt sich der Hitzesommer auf die Milch- und Käseproduktion aus. Hohe Temperaturen und Wassermangel belasten sowohl die Tiere als auch die Futterversorgung.
Beim Walliser Alpkäse bestehen zudem Herausforderungen bei der Reifung. Wenn die Temperaturen in den Reifekellern zu hoch sind, kann der Käse zu stark schwitzen. Bei entsprechenden Qualitätseinbussen kann im schlimmsten Fall auch die Einhaltung der Voraussetzungen für das AOP-Label gefährdet sein.
Der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband erwartet für 2026 eine unterdurchschnittliche Alpkäseproduktion. Beim Alp-Gruyère wird derzeit mit einem Rückgang von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet.
Auch die Futterkosten setzen die Landwirtschaft unter Druck. In einer Umfrage des Berner Bauernverbands bezeichneten 66 Prozent der Befragten ihre Situation als stark oder sogar existenzbedrohend. Der Verband fordert deshalb unter anderem eine Erhöhung des Milchproduzentenpreises um mindestens zehn Rappen pro Liter.
Schweiz bislang ohne Ausnahmegesuche
Anders als in Frankreich wurden in der Schweiz bisher keine Ausnahmegenehmigungen für die Fütterung von Kühen beantragt, deren Milch für AOP-Produkte bestimmt ist.
Das bestätigt Paul Meier, Geschäftsführer des Dachverbands der Schweizer Käsespezialisten, auf Anfrage. Als Grund nennt er unter anderem die sehr gute Qualität und zufriedenstellende Menge der Ernte 2025.
Die Situation könnte sich laut Meier allerdings im Verlauf des Winters verändern. Die verschiedenen Sortenorganisationen würden die Entwicklung deshalb aufmerksam beobachten.
Damit bleibt die Frage offen, wie stark sich die Folgen der Trockenheit auf die Schweizer Käseproduktion auswirken werden. Entscheidend dürfte neben der weiteren Wetterentwicklung auch sein, wie sich die Futtervorräte über den Winter entwickeln.






