Die europäischen Fussballligen gehen im Machtkampf beim Weltverband FIFA offenbar geschlossen auf Distanz zu Präsident Gianni Infantino. Nach Angaben von European-Leagues-Chef Claudius Schäfer stehen alle 53 Mitgliedsligen aus 34 Ländern hinter der Kritik an der Führung des Schweizers.
Europas Ligen üben scharfe Kritik
Zu den Mitgliedern der European Leagues gehören auch die grossen nationalen Wettbewerbe aus Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich. Nach Darstellung von Claudius Schäfer vertreten die 53 Mitgliedsligen aus 34 Ländern eine gemeinsame Position.
Schäfer, der auch an der Spitze der Schweizer Fussballliga steht, äusserte deutliche Zweifel an Infantinos weiterer Zukunft als FIFA-Präsident. Er kritisierte insbesondere die zunehmende Konzentration von Einfluss und Entscheidungsbefugnissen beim Präsidenten des Weltverbands.
Laut GMX sagte Schäfer gegenüber «The Athletic», die europäischen Ligen seien «äusserst besorgt» über Infantinos Führung und stellten dessen Eignung infrage, weiterhin Präsident der FIFA zu sein. Wichtige Entscheidungen würden nach seiner Auffassung ohne ausreichende Einbindung der betroffenen Akteure getroffen.
Infantino plant offenbar vierte Amtszeit
Gianni Infantino steht seit 2016 an der Spitze der FIFA. Im März des kommenden Jahres will er für eine vierte Amtszeit kandidieren. Seine mögliche Wiederwahl wird jedoch von einem wachsenden Konflikt mit Teilen des internationalen Fussballs begleitet.
Zusätzlichen Druck hatte zuletzt der inzwischen verworfene Plan für ein Investorenmodell rund um die Weltmeisterschaft ausgelöst. Die UEFA hatte sich gegen das Vorhaben gestellt und ihre Kritik an der Führung des FIFA-Präsidenten verschärft.
Auch andere Kontinentalverbände haben ihren Ton gegenüber der FIFA-Spitze nach Angaben aus dem Umfeld des Konflikts verschärft. Gleichzeitig gibt es weiterhin nationale Verbände, insbesondere aus anderen Konföderationen, die Infantino unterstützen.
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UEFA und andere Verbände erhöhen den Druck
Die Europäische Fussball-Union UEFA verweigert Infantino demnach die Unterstützung für eine weitere Amtszeit und setzt sich für einen Wechsel an der Spitze des Weltverbands ein. Im Raum steht zudem ein möglicher Boykott von FIFA-Turnieren.
Ob es bei der Wahl zum FIFA-Kongress tatsächlich zu einem Gegenkandidaten kommt, ist bislang offen. Ein möglicher Herausforderer hat sich bisher nicht öffentlich positioniert.
Schäfer zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass ein aussichtsreicher Gegenkandidat gefunden werden könnte. Aus seiner Sicht müsse nach der Wahl zudem grundsätzlich über die Rolle und die Kompetenzen des FIFA-Präsidenten diskutiert werden.
Forderung nach weniger Macht für den FIFA-Präsidenten
Für die European Leagues geht es damit offenbar nicht nur um die Person Gianni Infantino. Die Kritik richtet sich auch gegen die Struktur und die Machtverteilung innerhalb des Weltverbands.
Schäfer fordert eine Neudefinition der Aufgaben des FIFA-Präsidenten. Ziel müsse es sein, künftig eine zu starke Konzentration von Macht bei einer einzelnen Person zu verhindern.
Wie sich der Konflikt bis zum FIFA-Kongress entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass sich die europäischen Topligen im Streit um die künftige Führung des Weltfussballs zunehmend geschlossen positionieren.






