Fälle schwerer Tierquälerei sorgen in China vermehrt für Aufsehen und führen teilweise zu Protesten. Videos misshandelter Tiere verbreiten sich in sozialen Medien und lösen wachsende Forderungen nach einem besseren rechtlichen Schutz für Tiere aus. Die Debatte stellt auch die chinesischen Behörden vor Herausforderungen.
Brutale Fälle sorgen für Aufregung
In China sorgen mehrere Fälle von Tierquälerei derzeit für öffentliche Empörung. In Changzhou in der ostchinesischen Provinz Jiangsu ermittelt die Polizei gegen einen Mann, nachdem in einem Park drei schwer verletzte Strassenkatzen gefunden wurden.
Auch in Laizhou in der Provinz Shandong wurden zwei Männer festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Katzen gestohlen zu haben. Laut GMX berichteten chinesische Medien, dass Freiwillige zuvor einen Lastwagen mit mehreren hundert Katzen gestoppt hatten, die in kleinen Käfigen unter engen Bedingungen transportiert worden waren.
Die Fälle verbreiten sich vor allem über soziale Netzwerke und führen zu zahlreichen Kommentaren von Nutzerinnen und Nutzern, die strengere Regeln gegen Tierquälerei fordern.
Fall «Wang Wang» löst breite Diskussion aus
Besonders grosse Aufmerksamkeit erhielt der Fall der Strassenhündin «Wang Wang» aus der südchinesischen Provinz Guangdong. Ende Juni sollen vier Jugendliche in Jieyang das Tier misshandelt und die Tat gefilmt haben.
Die Lokalregierung teilte später mit, dass die vier unter 14 Jahre alten Jugendlichen in eine spezielle Erziehungseinrichtung gebracht wurden. Während grosse staatliche Medien den Fall kaum aufgriffen, verbreiteten sich die Bilder und Diskussionen weiterhin in chinesischen Online-Plattformen.
Auf Netzwerken wie Xiaohongshu und Weibo forderten viele Nutzerinnen und Nutzer ein Ende der Tierquälerei. Neben Beiträgen mit Erinnerungen an die Hündin kursierten auch künstlich erstellte Bilder und Botschaften gegen Gewalt an Tieren.
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Fehlendes landesweites Tierschutzgesetz
China verfügt bislang über kein umfassendes nationales Tierschutzgesetz. Tierschutzorganisationen und Aktivisten fordern seit Jahren strengere Vorschriften. Experten sehen jedoch wirtschaftliche Interessen, insbesondere im Bereich Landwirtschaft und Viehzucht, als mögliche Hindernisse.
Während Wildtiere durch bestimmte Gesetze geschützt werden, gelten Haustiere rechtlich grundsätzlich als Eigentum. Bei Misshandlungen stehen deshalb häufig Schadenersatzforderungen im Vordergrund, während strafrechtliche Konsequenzen begrenzt bleiben.
Auch der Tod des bekannten Border Collies «Chutou» sorgte für Diskussionen. Der Hund war in den sozialen Medien bekannt. Nach Angaben seines Besitzers soll das Tier gestohlen und an ein Restaurant verkauft worden sein, wo es getötet wurde. Die Behörden leiteten wegen des wirtschaftlichen Werts des Hundes Ermittlungen ein.
Proteste zeigen wachsenden Druck auf Behörden
Der öffentliche Druck auf die chinesische Regierung könnte durch weitere Fälle zunehmen. Besonders deutlich wurde dies im südwestchinesischen Chongqing, wo ein Fall von mutmasslicher Tierquälerei internationale Aufmerksamkeit erhielt.
Nach der Verbreitung von Videos demonstrierten Hunderte Menschen vor dem Wohnhaus eines Mannes, dem vorgeworfen wurde, unter falschen Angaben Welpen aufgenommen und anschliessend missbraucht oder getötet zu haben. Dabei kam es laut Berichten auch zu Zusammenstössen mit der Polizei.
Die US-Nichtregierungsorganisation Freedom House stellte in einem Bericht fest, dass Haustiere in vielen chinesischen Haushalten zunehmend als Familienmitglieder betrachtet würden. Gleichzeitig bestehe weiterhin eine rechtliche Lücke beim Schutz vor Tierquälerei.






