Sie laufen auf vier Beinen.
Sie tragen Masken.
Und sie sagen: Ich bin nicht nur Mensch.
Der Hashtag #therian geht viral – und wirft Fragen auf, die weit über TikTok hinausgehen.
Was bedeutet „Therian“ eigentlich?
Der Begriff „Therian“ leitet sich vom griechischen Wort therianthropos ab – halb Mensch, halb Tier.
Seit den 1990er-Jahren tauchte er in Internetforen auf. Damals noch leise. Fast unsichtbar.
Ursprünglich bewegte sich die Szene im Umfeld der sogenannten „Otherkin“ – Menschen, die sich als nicht-menschliche Wesen identifizieren, etwa als Drachen oder Elfen.
Therianer unterscheiden sich jedoch in einem zentralen Punkt:
Sie identifizieren sich mit real existierenden Tieren
Etwa Wölfen, Füchsen, Rehen, Pumas oder Vögeln
Nicht als Hobby, sondern als Teil ihrer Identität
Sie sprechen von einem „inneren Phänotyp“, der nicht zu ihrem biologischen Körper passe.
@fox_cor Zorro en la playa ?! 🦊🐾 #fyp #therian #therianthropy #alterhuman #theriantiktok
TikTok und der Sprung ins Rampenlicht
Jahrzehntelang blieb die Szene in Foren und Mailinglisten verborgen.
Dann kam TikTok.
Zwischen 2020 und 2021 begannen Videos viral zu gehen, in denen meist junge Menschen sogenannte:
„Shifts“
„Quadrobics“ (vierbeinige Bewegungsabläufe)
zeigten – oft mit Tiermasken oder Accessoires.
Heute zählt der Hashtag #therian Milliarden Aufrufe. Discord-Server, Reddit-Foren und YouTube-Kanäle wachsen rasant.
Doch mit der Sichtbarkeit kam auch die Vereinfachung:
Was für manche eine tief empfundene Identität ist, erscheint für Aussenstehende wie ein ästhetischer Trend.
Therianer vs. Furries – ein wichtiger Unterschied
Oft werden Therianer mit der Furry-Subkultur verwechselt.
Doch der Unterschied ist zentral:
Furries
Begeisterung für anthropomorphe Tierfiguren
Kreative Subkultur mit Kostümen, Kunst und Conventions
„Fursona“ als bewusst gewähltes Alter Ego
Therianer
Empfinden ihre Identifikation als real
Kein Rollenspiel
Kein ästhetisches Hobby
Studien zeigen deutliche Unterschiede in der Selbstwahrnehmung.
Laut einer Analyse, über die auch de.euronews.com berichtete, bewerteten Therianer ihre Identifikation mit durchschnittlich 6,6 von 7 Punkten – deutlich höher als Furries mit 5,6.
85 Prozent der Therianer gaben an, sich nicht vollständig menschlich zu fühlen.
Wichtig: Die meisten beschreiben dieses Gefühl als psychologisch, nicht körperlich.
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Psychische Gesundheit: Offene Fragen
Ist das eine Störung?
Kurz gesagt:
Die Wissenschaft weiss es noch nicht.
Die therianische Identität ist weder im DSM-5 noch im ICD-11 als psychische Erkrankung aufgeführt.
Einige Studien deuten Zusammenhänge an mit:
Dissoziation
Autismus-Spektrum
Sozialer Angst
Depression
Doch ein kausaler Zusammenhang ist nicht belegt.
Fachleute betonen:
Solange keine Beeinträchtigung im Alltag entsteht, sollte Identität nicht vorschnell pathologisiert werden.
Warum gerade jetzt?
Das Wachstum fällt zeitlich mit einer Generation zusammen, die Identität stark über digitale Räume konstruiert.
Das Internet bietet:
Sprache
Zugehörigkeit
Validierung
Das ist nicht per se problematisch.
Doch digitale Algorithmen verstärken Narrative – oft ohne kritische Einordnung.
Und genau dort beginnt die gesellschaftliche Debatte.










