Tradition zwischen Erfolg und Unsicherheit
Tessiner Alpkäse sorgt seit Jahren für internationale Aufmerksamkeit: Er gewinnt Preise, schafft es in Fachmedien und gilt als Aushängeschild einer der ältesten Schweizer Traditionen.
Doch hinter den Erfolgen steht ein System, das zunehmend unter Druck gerät – wirtschaftlich, klimatisch und gesellschaftlich.
Zwischen Medaillen und Realität
Trotz Auszeichnungen bei grossen Wettbewerben kämpfen die Produzenten mit Problemen, die den Alltag und die Zukunft der Alpwirtschaft prägen.
Die Sommer auf den Tessiner Alpen sind für die Sennerinnen und Sennen hart, und die Herausforderungen wachsen weiter.
Laut rsi.ch gehören dazu nicht nur der steigende Druck auf die Produktion selbst, sondern auch neue Gefährdungen durch den Wolf, veränderte Ernährungsgewohnheiten und ein immer anspruchsvolleres Vertriebsumfeld.
Alex Farinelli, Präsident der Tessiner Alpenwirtschaftsgesellschaft, beschreibt es so:
„Wir stehen vor zwei Herausforderungen: Zum einen die Produktion, die unter Druck steht – insbesondere durch das Wolfsproblem, das unsere Almen bedroht – und zum anderen der Vertrieb.“
Er betont, wie wichtig es sei, das Bewusstsein für die Bedeutung der lokalen Milch- und Käseproduktion wachzuhalten.
Sinkender Konsum, steigende Kosten
Auch im Tessin selbst verkauft sich weniger Käse. Alfredo Guscetti von der Alpe Cristallina sieht gesellschaftliche Gründe:
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Kleinere Familien
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Wachsende Ernährungsvorsicht
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Ärzte, die zu reduziertem Konsum bestimmter Lebensmittel raten
„So kaufen die Menschen weniger Käse“, meint er.
Auch der Preis – zwischen 30 und 60 Franken pro Kilo – spiegelt die hohen Produktionskosten wider: Personal, Alp-Pacht, Infrastruktur, Material.
Guscetti stellt klar:
„Wir werden nicht reich, denn alles kostet Geld.“
Almwirtschaft unter Druck
Renzo De Bolla von der Alpe Pian Laghetto macht zusätzlich auf ein fundamentales Problem aufmerksam: den Rückgang des lokalen Viehbestands.
Viele Tessiner Almen sind heute auf Kühe aus der Zentralschweiz angewiesen – doch nicht alle Tiere eignen sich für das klimatische und geografische Umfeld des Tessins.
„Eine Gefahr, die ich sehe, ist der Rückgang der Kuhbestände. Das wird eine erhebliche Herausforderung sein.“
Klimawandel: Die unsichtbare Kraft im Hintergrund
Heissere Sommer setzen Tiere und Menschen unter Stress.
Rinder brauchen mehr Wasser, die Vegetation verändert sich, und die Wetterbedingungen werden unvorhersehbarer.
Für die Alpwirtschaft bedeutet das:
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Mehr Unsicherheit
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Höheren Aufwand
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Weniger planbare Ernten und Milchmengen
Die Zukunft ist unklar – und dennoch bleibt die Leidenschaft für die jahrhundertalte Tradition stark.










