Südkorea testet erstmals die Nordostpassage für den kommerziellen Handel mit Europa. Die Route ist deutlich kürzer als der klassische Seeweg über den Suezkanal, bringt aber auch erhebliche Risiken durch Eis und Umweltbelastungen mit sich.
Busan – Südkorea hat erstmals ein Containerschiff zu einer kommerziellen Testfahrt über die Arktis nach Europa geschickt. Die „PanStar Acro“ startete in Busan und soll unter anderem Felixstowe in Grossbritannien, Rotterdam in den Niederlanden und Danzig in Polen anlaufen. Seoul will dabei prüfen, ob die sogenannte Nordostpassage künftig als Handelsroute genutzt werden kann.
An Bord befinden sich unter anderem Chemieprodukte und Gebrauchtwagen. Laut GMX sollen während der Fahrt Daten zu Fahrtdauer, Treibstoffverbrauch und Betriebskosten gesammelt werden. Die südkoreanische Regierung möchte die Arktis-Route langfristig etablieren und Busan zu einem wichtigen internationalen Logistikzentrum ausbauen.
Arktis-Route soll deutlich schneller sein
Die gesamte Testfahrt inklusive Rückkehr nach Busan soll rund 45 Tage dauern. Die eigentliche Passage durch die Arktis wird jeweils mit etwa acht Tagen veranschlagt. Damit könnte die Verbindung zwischen Asien und Europa deutlich schneller sein als die traditionelle Route über den Indischen Ozean, das Rote Meer und den Suezkanal.
Allerdings hängt die Nutzung der Nordostpassage stark von den Eisverhältnissen ab. Die Route ist während eines grossen Teils des Jahres durch Meereis eingeschränkt. Durch den Klimawandel verlängert sich zwar die Zeit, in der die Strecke befahrbar ist, gleichzeitig wächst aber die Kritik an einer stärkeren wirtschaftlichen Nutzung der empfindlichen Arktis.
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China und Russland setzen ebenfalls auf die Route
Südkorea ist nicht das einzige Land, das die nördliche Verbindung zwischen Asien und Europa stärker nutzen möchte. China und Russland treiben die kommerzielle Nutzung der Nordostpassage ebenfalls voran.
Erst am 15. August startete das chinesische Containerschiff „Dubai Tower“ im Hafen von Ningbo zu einer Fahrt nach Europa über die Arktis. Die Verbindung ist Teil eines saisonalen Linienverkehrs und soll die Fahrstrecke zwischen China und Europa deutlich verkürzen.
Russland nutzt die Route unter anderem für den Transport von Flüssiggas (LNG) von der sibirischen Jamal-Halbinsel nach Asien. Für Moskau besitzt die Nordostpassage damit bereits eine wichtige wirtschaftliche und strategische Bedeutung.
Umweltschützer sehen zunehmenden Schiffsverkehr kritisch
Der geplante Ausbau der arktischen Schifffahrt sorgt zugleich für Bedenken bei Umweltschützern. Sie warnen davor, dass mehr Schiffe die empfindlichen Ökosysteme der Arktis zusätzlich belasten könnten.
Für Südkorea ist die Testfahrt deshalb auch ein wichtiger Praxistest. Die Regierung muss zeigen, ob die Zeit- und Kostenvorteile tatsächlich gross genug sind, um die besonderen Herausforderungen der arktischen Schifffahrt auszugleichen.






