Eine schwere Sturzflut hat im Himalaya-Gebiet an der Grenze zwischen Nepal und Tibet mindestens 95 Menschen das Leben gekostet. Hunderte weitere Personen werden vermisst, darunter zahlreiche Touristen. Die Wassermassen und Schlammlawinen zerstörten Häuser, Brücken und wichtige Verkehrsverbindungen entlang des Flusses Bhotekoshi.
Hunderte Menschen werden vermisst
Die Zahl der Todesopfer nach der Sturzflut in Nepal ist auf mindestens 95 gestiegen. Gleichzeitig bleibt das Ausmass der Katastrophe zunächst unklar, da die Rettungskräfte viele betroffene Gebiete nur schwer erreichen können.
Nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde gab es bei 384 Touristen zunächst kein Lebenszeichen. Unter den Vermissten befinden sich demnach 291 ausländische Reisende. Zudem werden mindestens 26 Polizeibeamte vermisst.
Laut GMX unter Berufung auf nepalesische Behörden und Medien wurden die Fluten entlang des Flusses Bhotekoshi von gewaltigen Mengen Wasser und Schlamm begleitet. Der Fluss entspringt im Hochland Tibets und fliesst durch die nepalesische Provinz Bagmati. Häuser und Brücken wurden beschädigt oder vollständig zerstört.
Ursache der Sturzflut noch unklar
Die Behörden untersuchen weiterhin, wodurch die plötzlich auftretenden Wassermassen ausgelöst wurden. Möglich ist nach bisherigen Angaben ein sogenannter Gletscherseeausbruch. Dabei kann sich ein See, der durch Gletscher oder Gestein aufgestaut wird, plötzlich entleeren und grosse Wassermengen talabwärts freisetzen.
Eine endgültige Bestätigung für diese Ursache gibt es bislang nicht. Die schwierige Lage in den Hochgebirgsregionen erschwert die Untersuchungen und die Suche nach Vermissten zusätzlich.
Der nepalesische Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte an. Hubschrauber und Rettungsteams wurden in die betroffenen Regionen geschickt. Mehrere Fernstrassen sind durch die Überschwemmungen und Schlammmassen blockiert.
«Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.»
Der Lehrer Suman Chalise aus dem Bezirk Nuwakot schilderte die Folgen der Flut. Er habe gesehen, wie die Wassermassen mehrere Lastwagen, Häuser und Menschen mitgerissen hätten.
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Auch Tibet von der Katastrophe betroffen
Die Auswirkungen der Katastrophe reichen bis auf die chinesische Seite der Grenze. Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete über zahlreiche mögliche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis Gyirong im Südwesten Tibets.
Eine Schlammlawine soll die Zufahrtsstrassen zu dem Grenzübergang sowie die Stromversorgung und Kommunikationsverbindungen unterbrochen haben. Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigen braune Wasser- und Schlammmassen, die sich durch das Flusstal bewegen.
Auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ordnete nach Angaben von Xinhua verstärkte Such- und Rettungsmassnahmen an. Die Vermissten sollten mit allen verfügbaren Mitteln gesucht und Menschen in den betroffenen Gebieten in Sicherheit gebracht werden.
Rettungseinsatz läuft weiter
Xi forderte zudem eine Verbesserung der Frühwarnsysteme. Die chinesische Führung schickte Zhang Guoqing, einen ranghohen Vertreter der Kommunistischen Partei, in die betroffene Region, um die Rettungsmassnahmen zu überwachen.
Auf nepalesischer Seite konzentrieren sich die Einsatzkräfte ebenfalls auf die Suche nach Vermissten und die Versorgung der betroffenen Bevölkerung. Wie viele Menschen tatsächlich von den Fluten betroffen sind und wie hoch die Schäden ausfallen, dürfte erst nach und nach bekannt werden.
Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass sich die Zahlen zu Todesopfern und Vermissten noch verändern können. Die Suche nach den Vermissten und die Wiederherstellung wichtiger Verkehrs- und Kommunikationsverbindungen haben derzeit Priorität.






