Während die Strompreise in der Schweiz 2027 im Durchschnitt sinken, müssen Haushalte in einzelnen Gemeinden deutlich mehr bezahlen. In Niederhelfenschwil SG und Kestenholz SO kostet die Kilowattstunde rund 46 Rappen. Gründe sind unter anderem hohe Beschaffungskosten, Netzinvestitionen und langfristige Verträge.
Für einen typischen Schweizer Haushalt sinkt der Strompreis 2027 im Mittel um rund vier Prozent. Der Median-Tarif beträgt noch 26.5 Rappen pro Kilowattstunde. Damit reduziert sich die jährliche Stromrechnung gegenüber 2026 um durchschnittlich rund 53 Franken.
In einzelnen Gemeinden fällt die Entwicklung allerdings komplett anders aus. In Niederhelfenschwil im Kanton St. Gallen steigt der Tarif um knapp sechs Rappen auf rund 45.8 Rappen pro Kilowattstunde. In Kestenholz SO liegt der Tarif mit rund 45.9 Rappen sogar noch etwas höher und damit schweizweit an der Spitze.
Stromrechnung kann mehr als 2000 Franken betragen
Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind erheblich. In Kestenholz muss ein typischer Haushalt bei einem entsprechenden Verbrauch mit einer Jahresrechnung von rund 2065 Franken rechnen.
Ganz anders sieht die Situation in den günstigsten Gemeinden aus. In Ferrera GR und Rongellen GR kostet die Kilowattstunde lediglich rund 10.6 Rappen. Für einen typischen Haushalt ergibt sich daraus eine jährliche Rechnung von ungefähr 475 Franken.
Damit können zwischen den teuersten und günstigsten Gemeinden rund 1600 Franken pro Jahr liegen. Für Familien und Haushalte mit einem höheren Stromverbrauch können die Unterschiede entsprechend noch grösser ausfallen.
Die Gründe für die regionalen Unterschiede liegen nicht nur beim aktuellen Energiepreis. Entscheidend sind unter anderem der Zeitpunkt der Strombeschaffung, bestehende Verträge, Netzkosten und die lokale Infrastruktur.
Niederhelfenschwil kämpft mit Altlasten
In Niederhelfenschwil kommen mehrere Faktoren zusammen. Gemeindepräsident Peter Zuberbühler verweist auf die Energiekrise ab 2022, während der Strom zu hohen Preisen beschafft werden musste.
Gleichzeitig nahm der Ausbau von Photovoltaikanlagen stark zu. Dadurch waren zusätzliche Investitionen in das lokale Stromnetz notwendig. Hinzu kommen laut Gemeinde sogenannte Deckungsdifferenzen von rund 1.7 Millionen Franken, die nun abgebaut werden müssen.
Zuberbühler räumt ein, dass in der Vergangenheit zu wenig investiert und zu wenig Reserven aufgebaut worden seien. Als die Energiekrise zusätzliche Belastungen brachte, habe deshalb ein finanzieller Puffer gefehlt.
Für einen typischen Haushalt bedeutet der aktuelle Tarifanstieg nach Angaben der Gemeinde Mehrkosten von rund 200 bis 250 Franken pro Jahr.
Bereits nach dem vergangenen Preisschock hatte Niederhelfenschwil einen Härtefallfonds eingerichtet. Dafür standen 150’000 Franken aus Steuergeldern zur Verfügung. 19 Gesuche gingen ein, rund 92’000 Franken wurden ausbezahlt. Einen neuen Fonds plant die Gemeinde derzeit nicht.
Kestenholz ist an langfristigen Vertrag gebunden
In Kestenholz ist die Ausgangslage anders. Andy Winiger, Verwaltungsratspräsident der Energie Kestenholz, macht vor allem einen langfristigen Strombeschaffungsvertrag verantwortlich.
Dieser wurde während der Energiekrise zu vergleichsweise hohen Preisen abgeschlossen und läuft noch bis Ende 2032. Dadurch wirken sich die damaligen Beschaffungskosten weiterhin auf die Stromtarife der Gemeinde aus.
Die Energie Kestenholz versucht laut Winiger, mit dem Stromlieferanten eine vorzeitige Verbesserung der Vertragsbedingungen zu erreichen. Ohne ein Entgegenkommen des Lieferanten oder einen gerichtlichen Entscheid seien die Möglichkeiten für eine kurzfristige Senkung jedoch begrenzt.
Einen speziellen Härtefallfonds für Haushalte mit hohen Stromrechnungen gibt es in Kestenholz nicht. Die Rechnungen werden allerdings quartalsweise gestellt, sodass die Belastung über das Jahr verteilt wird.
Grosse Unterschiede trotz sinkender Durchschnittspreise
Die Entwicklung in Niederhelfenschwil und Kestenholz zeigt, weshalb der schweizweite Durchschnitt nur begrenzt etwas über die tatsächliche Stromrechnung einzelner Haushalte aussagt.
Während viele Verbraucher 2027 von tieferen Tarifen profitieren, können lokale Beschaffungsstrategien, Investitionen ins Stromnetz und alte Verträge zu deutlich höheren Kosten führen.
Besonders für Haushalte in den teuersten Gemeinden bleibt die Situation damit angespannt. In Kestenholz dürfte eine spürbare Entlastung nach heutigem Stand erst möglich werden, wenn die hohen Beschaffungskosten reduziert oder die Vertragsbedingungen vorzeitig angepasst werden können.






