Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle der Strasse von Hormus verschärft sich erneut. Das US-Militär griff fünf iranische Rohöltanker an und versenkte einen davon. Teheran reagierte mit Raketenangriffen auf Jordanien. Experten warnen vor einer weiteren Eskalation.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich erneut deutlich verschärft. Nach Angaben des US-Militärs wurden fünf iranische Rohöltanker angegriffen, einer davon sank. Washington bezeichnete die Angriffe als Vergeltung für Raketenattacken der iranischen Revolutionsgarden auf ein US-Kriegsschiff.
Teheran reagierte nach eigenen Angaben unmittelbar mit schweren Raketenangriffen auf Jordanien, das mit den USA verbündet ist. Die jordanische Armee teilte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Petra mit, 20 ballistische Raketen abgefangen zu haben.
US-Militär versenkt Tanker im Golf von Oman
Das zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte auf der Plattform X mit, dass der Tanker «M/T Riesco» im Golf von Oman sinke. Ein veröffentlichtes Video zeigt, wie das Schiff getroffen wird, Feuer fängt und anschliessend mit dem Bug voran untergeht.
Ob sich zum Zeitpunkt des Angriffs Rohöl an Bord befand, blieb zunächst offen. Nach Darstellung von Centcom gehörten die betroffenen Schiffe zu einem sogenannten Schattennetzwerk, über das die iranischen Revolutionsgarden Einnahmen in Milliardenhöhe erzielt hätten.
Die Besatzungen seien vor den Angriffen aufgefordert worden, die Schiffe zu verlassen. Bereits am Samstag hatte das US-Militär nach eigenen Angaben drei iranische Öltanker angegriffen.
Washington spricht von Vergeltung
Centcom begründete die jüngsten Angriffe mit zwei Attacken der iranischen Revolutionsgarden auf ein US-Kriegsschiff innerhalb von zwei Tagen. Das Schiff sei dabei nicht getroffen worden. Iranische Medien berichteten hingegen, dass zwei US-Zerstörer ins Visier genommen worden seien.
Nach Angaben des «Wall Street Journal» befürchten US-Beamte, dass Teheran bei den Angriffen auf US-Kriegsschiffe zunehmend fortschrittliche Waffen einsetzt. Auch eine mögliche Unterstützung durch China oder Russland bei der Ortung amerikanischer Schiffe wird demnach untersucht.
Der iranische Sicherheitsbeamte Mohsen Resai sprach zuvor vom erstmaligen Einsatz eines neuartigen Seezielflugkörpers. Dieser sei eine «wichtige Warnung an den Feind» und solle zeigen, dass die von den USA verhängte Seeblockade verwundbar sei.
Rubio kündigt weitere Angriffe an
US-Aussenminister Marco Rubio warnte Teheran vor weiteren Angriffen auf amerikanische Kriegsschiffe. «Der Iran versucht weiterhin, Schiffe der US-Marine anzugreifen, und jedes Mal, wenn sie dies tun oder versuchen zu tun, werden sie Tanker verlieren», sagte Rubio während eines Besuchs in Kolumbien.
Gleichzeitig wurden aus dem Iran weitere Angriffe gemeldet. Laut GMX behaupteten die Revolutionsgarden, einen US-Stützpunkt in Jordanien mit ballistischen Raketen getroffen zu haben. Dabei seien unter anderem Einrichtungen für die Wartung sowie Bereiche für die Stationierung amerikanischer F-35-, F-16- und F-15-Kampfjets angegriffen worden.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete ebenfalls von mehreren Explosionen auf zwei US-Stützpunkten in Jordanien. Das US-Militär bestätigte diese Angaben zunächst nicht. Die jordanische Nachrichtenagentur Petra erklärte lediglich, dass die Raketen abgefangen worden seien.
Strasse von Hormus wird zum zentralen Streitpunkt
Die Lage rund um die Strasse von Hormus entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Konfliktpunkt. Die strategisch wichtige Meerenge ist eine der bedeutendsten Routen für den weltweiten Transport von Öl und Erdgas.
Der Iran droht mit Angriffen auf Schiffe und behindert den Schiffsverkehr durch die Meerenge. Vor Beginn des aktuellen Konflikts war die Route für den internationalen Schiffsverkehr weitgehend offen.
Die Auswirkungen reichen inzwischen auch in die Wirtschaft hinein. Die Blockade und steigende Energiepreise erhöhen den innenpolitischen Druck auf US-Präsident Donald Trump, insbesondere mit Blick auf die wichtigen Parlamentswahlen im November.
Experte warnt vor unkontrollierbarer Eskalation
Der Iran-Experte Danny Citrinowicz warnt vor einer weiteren Eskalationsspirale. Die Führung in Teheran habe wiederholt signalisiert, dass sie auf zusätzlichen Druck aus Washington mit einer Verschärfung des Konflikts reagieren werde.
Eine unbefristete Seeblockade werde der Iran nicht einfach hinnehmen. Gleichzeitig wolle Teheran nicht akzeptieren, dass die wirtschaftlichen Kosten weiter steigen, ohne dass die USA selbst einen hohen Preis dafür zahlen.
Für die Regierung von US-Präsident Donald Trump stelle sich deshalb zunehmend die Frage, wie weit beide Seiten auf der Eskalationsleiter gehen würden. Entscheidend sei nicht mehr, ob der Iran reagieren werde, sondern ob Washington und Teheran noch in der Lage seien, die weitere Entwicklung zu kontrollieren.






