Der Kanton St. Gallen reaktiviert zwei bereits geschlossene Polizeigefängnisse und schafft damit 26 zusätzliche Haftplätze. Die Standorte in Bazenheid und Uznach sollen ab September wieder genutzt werden. Hintergrund ist die angespannte Situation in den Schweizer Gefängnissen. In St. Gallen lag die Auslastung zuletzt über 100 Prozent.
Gefängnisse im Kanton St. Gallen überlastet
Anfang 2026 sassen in der Schweiz so viele Menschen in Gefängnissen wie noch nie. Nach Angaben des Bundes lag die durchschnittliche Auslastung der Haftanstalten bei rund 97 Prozent. Als ideal gilt eine Auslastung von etwa 85 Prozent, damit ausreichend Reserven für Schwankungen vorhanden sind.
Besonders angespannt war die Situation im Kanton St. Gallen. Die Gefängnisse waren teilweise überbelegt, weshalb zusätzliche Betten in Zellen aufgestellt werden mussten. Zwischenzeitlich waren in den Polizeigefängnissen 80 Personen in insgesamt 57 Zellen untergebracht.
Mit der Wiedereröffnung der beiden Standorte in Bazenheid und Uznach kommen im September 26 zusätzliche Plätze für die Sicherheits- und Untersuchungshaft hinzu. Damit soll die Auslastung im Kanton wieder knapp unter 100 Prozent sinken.
Bazenheid und Uznach werden vorübergehend reaktiviert
Die beiden Gefängnisse waren bereits geschlossen worden. Nun werden sie als Übergangslösung wieder in Betrieb genommen, bis das Regionalgefängnis Altstätten erweitert ist.
Die Erweiterung in Altstätten hat sich allerdings deutlich verzögert. Statt wie ursprünglich vorgesehen früher soll der umgebaute Standort erst Anfang 2028 wieder zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen Bazenheid und Uznach zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Die Wiederinbetriebnahme erforderte verschiedene Arbeiten. In den Gebäuden mussten unter anderem die Sicherheitssysteme überprüft werden. In Uznach mussten diese teilweise ersetzt werden.
Auch elektrische und sanitäre Anlagen wurden kontrolliert und teilweise repariert oder erneuert. Zusätzlich musste neues Material wie Geschirr und Matratzen beschafft werden.
Rund 870’000 Franken für den Betrieb
Der St. Galler Kantonsrat hat für die Wiedereröffnung bereits einen Nachtragskredit von rund 870’000 Franken bewilligt. Damit soll der Betrieb der beiden Standorte bis Ende 2026 finanziert werden.
Für das kommende Jahr muss die Finanzierung im Rahmen des regulären Kantonsbudgets erneut behandelt werden. Die beiden Standorte sind ausdrücklich als Übergangslösung gedacht und sollen nicht dauerhaft betrieben werden.
Sicherheitsdirektor Christof Hartmann räumt ein, dass kleine Gefängnisse aus wirtschaftlicher Sicht nicht optimal seien. Die beiden bestehenden Polizeigefängnisse hätten jedoch vergleichsweise schnell wieder aktiviert werden können.
Für den Kanton sei dies deshalb der effizienteste Weg gewesen, um kurzfristig zusätzliche Haftplätze bereitzustellen.
Entlastung auch für das Gefängnispersonal
Die zusätzlichen Plätze sollen nicht nur die räumliche Situation verbessern, sondern auch das Personal entlasten. Remo Breitenmoser, Leiter Polizeigefängnisse beim Kanton St. Gallen, beschreibt die bisherige Situation als starke Belastung für die Mitarbeitenden.
Bei einer hohen Belegung werde praktisch jeder Ablauf komplizierter. Dazu gehören etwa die Ausgabe des Essens, die medizinische Versorgung und die Organisation der täglichen Spaziergänge.
Auch Konflikte unter den Gefangenen können bei einer hohen Belegung häufiger auftreten. Mehr Menschen auf engem Raum erhöhen den organisatorischen Aufwand und können zusätzliche Spannungen verursachen.
Mit den 26 zusätzlichen Haftplätzen sollen deshalb auch die Bedingungen in den übrigen Gefängnissen verbessert werden.
Auch andere Kantone suchen zusätzliche Haftplätze
Der Platzmangel betrifft nicht nur St. Gallen. Verschiedene Kantone haben in den vergangenen Monaten ebenfalls nach kurzfristigen Lösungen gesucht.
In den Kantonen Luzern und Basel-Landschaft wurden bereits temporäre Containerlösungen für zusätzliche Haftplätze eingesetzt. Auch der Kanton Bern setzt auf diesen Ansatz.
Der Grosse Rat des Kantons Bern beschloss im März die Einrichtung eines temporären Container-Gefängnisses, um die überlasteten Regionalgefängnisse zu entlasten.
Während andere Kantone damit neue provisorische Anlagen schaffen, setzt St. Gallen auf die Reaktivierung bereits bestehender Gefängnisse. Die Lösung soll die Zeit bis zur Erweiterung des Regionalgefängnisses Altstätten überbrücken.





