Ein verstörendes Video aus der spanischen Exklave Ceuta sorgt in sozialen Netzwerken für Empörung. Darauf sind mehrere Migranten mit einem jungen Delfin zu sehen, der später tot ist. Eine Umweltschutzorganisation erhebt schwere Vorwürfe und hat Anzeige bei der Guardia Civil erstattet. Doch was ist tatsächlich belegt – und was ist bislang Gegenstand der Ermittlungen?
Video vom Strand El Trampolín verbreitet sich im Netz
Die Aufnahmen entstanden am Strand El Trampolín in Ceuta und verbreiteten sich anschliessend über soziale Netzwerke.
Auf dem Video ist eine Gruppe von Männern zu sehen, die einen jungen Delfin bei sich hat. Die Authentizität und der Aufnahmeort des Videos konnten von der spanischen FaktencheckPlattform Newtral bestätigt werden.
Der Delfin ist später tot.
Was genau zuvor mit dem Tier geschah und wodurch es starb, ist allerdings der entscheidende Punkt der laufenden Kontroverse.
Umweltschützer erheben schwere Vorwürfe
Die spanische Umweltorganisation DAUBMA (Defensa del Arbolado Urbano, la Biodiversidad y el Medio Ambiente) hat wegen des Vorfalls inzwischen offiziell Anzeige bei der Guardia Civil erstattet.
Nach Darstellung der Organisation soll der junge Grosse Tümmler lebend und desorientiert in unmittelbare Nähe des Ufers gekommen sein.
Anschliessend soll das Tier aus dem Wasser geholt und von mehreren Personen misshandelt worden sein. DAUBMA spricht von einem gewaltsamen Tod und übergab den Behörden nach eigenen Angaben Bild- und Videomaterial.
Die Organisation fordert die Identifizierung der mutmasslich Beteiligten, die Einleitung entsprechender Ermittlungen und eine Befassung der Umweltstaatsanwaltschaft.
Bericht: Delfin soll mit einem Stock geschlagen worden sein
Noch schwerwiegender sind die Angaben der Lokalzeitung El Faro de Ceuta.
Nach deren Informationen soll sich der junge Delfin zunächst noch schwimmend in unmittelbarer Nähe des Ufers befunden haben. Eine Gruppe habe das Tier daraufhin aus dem Meer geholt.
Anschliessend soll einer der Beteiligten dem Delfin mit einem Stock gegen den Kopf geschlagen haben. Das Tier starb.
Diese Darstellung sorgt inzwischen weit über Ceuta hinaus für Empörung.
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen den erhobenen Vorwürfen und dem, was anhand des öffentlich verbreiteten Videos selbst nachgewiesen werden kann.
Faktencheck: Der entscheidende Schlag ist im viralen Video nicht zu sehen
Die Faktencheck-Plattform Newtral hat die Aufnahmen untersucht.
Demnach sind die Bilder aktuell und tatsächlich am Strand El Trampolín in Ceuta entstanden. Das öffentlich zugängliche Video belegt jedoch nicht, dass der Delfin erschlagen wurde.
Auf die Frage des Mannes hinter der Kamera, wer das Tier getötet habe, antworten Männer auf Französisch sinngemäss, der Delfin sei bereits tot gewesen.
Newtral berichtet gleichzeitig, dass Sicherheitskreise in Ceuta den Tod des Tieres untersuchen.
Damit steht derzeit Aussage gegen Vorwurf: Während die Umweltorganisation und lokale Berichte davon ausgehen, dass der Delfin lebend aus dem Wasser geholt und anschliessend geschlagen wurde, lässt sich dieser entscheidende Ablauf aus dem öffentlich bekannten Video allein nicht zweifelsfrei rekonstruieren.
Erste Berichte gingen noch von einem möglicherweise bereits toten Delfin aus
Bemerkenswert ist zudem die zeitliche Entwicklung der Berichterstattung.
El Faro de Ceuta berichtete zunächst über das Video und bezeichnete den getragenen Delfin als offenbar bereits tot. Zu diesem Zeitpunkt sei noch unklar gewesen, was mit dem Tier geschehen war.
Später veröffentlichte die Zeitung aufgrund neuer Informationen den deutlich schwerwiegenderen Vorwurf, der Delfin sei zuvor lebend aus dem Wasser genommen und am Kopf geschlagen worden.
Genau dieser Widerspruch dürfte für die Ermittlungen von besonderer Bedeutung sein.
Guardia Civil soll den Fall aufklären
DAUBMA hat den Fall mittlerweile offiziell bei der Guardia Civil angezeigt.
Die Ermittler müssen nun unter anderem klären, wer die beteiligten Personen waren, in welchem Zustand sich der Delfin befand, als er erstmals entdeckt wurde, ob das Tier tatsächlich geschlagen wurde und letztlich auch, wodurch es starb.
Delfine gehören in Spanien zu den geschützten Wildtierarten. Newtral verweist in diesem Zusammenhang auf Artikel 334 des spanischen Strafgesetzbuches, der für bestimmte Straftaten gegen geschützte Wildtiere strafrechtliche Sanktionen vorsieht.
Fall löst grosse Empörung aus
Der Tod des Jungtiers hat inzwischen auch eine öffentliche Debatte ausgelöst. In Ceuta wurde sogar eine Online-Petition gestartet, mit der die Identifizierung der Verantwortlichen gefordert wird.
Unabhängig davon, wie die Ermittlungen letztlich ausgehen, zeigt der Fall auch, wie schnell sich emotional aufgeladene Bilder über soziale Netzwerke verbreiten.
Gerade deshalb ist die Unterscheidung zwischen nachgewiesenen Tatsachen und bislang nicht abschliessend bestätigten Vorwürfen entscheidend.
Was bislang feststeht
Das Video ist authentisch und wurde in Ceuta aufgenommen. Ein junger Delfin ist gestorben. Mehrere Männer sind mit dem Tier auf den Aufnahmen zu sehen. Eine Umweltorganisation hat wegen des Verdachts eines gewaltsamen Todes Anzeige bei der Guardia Civil erstattet.
Noch nicht abschliessend behördlich geklärt ist hingegen, ob die Männer den Delfin tatsächlich lebend aus dem Meer holten und durch Schläge töteten.
Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt daher auch bei diesem emotionalen Fall: Ein schwerer Verdacht ist noch kein abschliessender Beweis.






