Der Luzerner Klebebandhersteller Siga setzt auf ein ungewöhnliches Produktionsmodell: Alle zehn Arbeitstage wird ein ganzer Tag für Verbesserungen reserviert. Mitarbeitende analysieren Abläufe, entwickeln Lösungen und optimieren Prozesse. Das Unternehmen nutzt dabei Elemente des japanischen Toyota-Produktionssystems.
Ein Arbeitstag ohne normale Produktion
In der Produktionshalle von Siga im luzernischen Schachen beginnt der zehnte Arbeitstag anders als üblich. Statt Maschinen laufen zu lassen, treffen sich Mitarbeitende in Teams, um Verbesserungen für den Betrieb zu erarbeiten.
Die Angestellten sammeln während neun Produktionstagen Beobachtungen zu Problemen, unnötigen Arbeitsschritten oder möglichen Verbesserungen. Am zehnten Tag werden diese Punkte gemeinsam bearbeitet.
Ein Team beschäftigt sich beispielsweise mit einer grossen Übersichtstafel in der Halle. Darauf sollen Mitarbeitende künftig schneller erkennen können, welche Person welche Aufgabe übernimmt. Dadurch sollen Suchzeiten reduziert und Abläufe effizienter gestaltet werden.
Siga setzt dabei bewusst auf die Erfahrung der eigenen Mitarbeitenden. «Niemand kennt die Prozesse und Anlagen besser als die Mitarbeitenden», erklärt die stellvertretende Produktionsleiterin Lisa Sieber. Deshalb sei es sinnvoll, dass die Teams eigene Lösungen entwickeln.
Toyota-Produktionssystem als Grundlage
Das Konzept basiert auf Elementen des Toyota-Produktionssystems (TPS). Dieses wurde vom japanischen Automobilhersteller Toyota entwickelt und verfolgt das Ziel, Prozesse kontinuierlich zu verbessern und Verschwendung zu vermeiden.
Bei Siga wird das Prinzip auf den gesamten Betrieb angewendet. Nicht nur die Produktion, sondern auch andere Abteilungen arbeiten nach diesem Modell. Während der Optimierungstage wird nur in Ausnahmefällen produziert, etwa bei besonders dringenden Kundenaufträgen.
Für das Unternehmen bringt die Methode mehrere Vorteile. Mitarbeitende können aktiv an Veränderungen mitarbeiten und sehen direkt, welchen Einfluss ihre Ideen haben. Dadurch entstehen laut Siga mehr Eigenverantwortung und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl.
Gleichzeitig soll das Unternehmen widerstandsfähiger werden. Wer regelmässige Veränderungen gewohnt sei, könne schneller auf neue Herausforderungen reagieren.
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Schweizer Standort trotz internationaler Konkurrenz
Siga begann vor rund 20 Jahren mit dem Produktionssystem. Der Grund war die internationale Konkurrenz. Während das Unternehmen in der Schweiz produziert, stellen viele Mitbewerber ihre Produkte in Euro- oder Dollar-Räumen her.
Um konkurrenzfähig zu bleiben, arbeitet Siga laufend daran, Produktionskosten zu senken, Abläufe zu beschleunigen und gleichzeitig die Qualität zu verbessern.
Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Ruswil LU produziert luft-, wind- und regendichte Folien sowie Klebebänder für Dächer und Fassaden. Gegründet wurde Siga 1966 von Paul und Trudy Sieber-Gadient. Heute wird das Unternehmen von der dritten Generation geführt. Rund 630 Mitarbeitende arbeiten in 24 Ländern.
Die regelmässigen Optimierungstage seien wirtschaftlich sinnvoll, sagt Lisa Sieber. In einer App wird dokumentiert, wie viel Zeit durch einzelne Verbesserungen eingespart wird. Die gewonnenen Daten zeigen, ob sich der Aufwand langfristig lohnt.
Nicht jede Idee bleibt bestehen
Am Ende eines Optimierungstages präsentieren die Teams ihre Ergebnisse vor der gesamten Belegschaft. Nicht jede Veränderung bleibt dauerhaft bestehen.
Mitarbeitende berichten auch von Projekten, die später wieder angepasst oder rückgängig gemacht wurden. Trotzdem überwiegt nach ihrer Einschätzung der Nutzen des Systems.
Für Siga ist entscheidend, dass Verbesserungen nicht nur von der Führungsebene kommen. Die Beschäftigten sollen den Betrieb aktiv mitgestalten und mit ihrem Wissen zur Weiterentwicklung des Unternehmens beitragen.






