Erstmals reisen die Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump nach Kiew. Vor der Sophienkathedrale beginnen Steve Witkoff und Jared Kushner Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs. Die Erwartungen an einen schnellen Durchbruch sind allerdings gedämpft.
Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner erstmals Kiew besucht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj empfing sie unter freiem Himmel vor der Sophienkathedrale, einem Symbol für die lange historische Tradition des Landes. «Wir haben Gespräche begonnen», schrieb Selenskyj auf dem Portal X.
Am Vortag hatten Witkoff und Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, in Moskau über ein mögliches Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gesprochen. Fast drei Stunden lang trafen sie sich mit Kremlchef Wladimir Putin.
Selenskyj erklärte, die Ukraine sei daran interessiert, ein Ende des Krieges näherzubringen. Gleichzeitig brauche sein Land Sicherheitsgarantien und eine würdige Nachkriegsordnung. Insgesamt waren die Erwartungen in Kiew und Moskau an die neuen Vermittlungsbemühungen der USA jedoch gering.
Zu dem Treffen in Kiew reisten nach Angaben von Selenskyjs Stabschef Kyrylo Budanow auch die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und Grossbritannien an.
US-Unterhändler waren mehrfach in Moskau
Witkoff und Kushner haben seit 2025 mehrmals Moskau besucht, waren für ihre Vermittlungsbemühungen bislang aber noch nie in Kiew. Das hatte bei Selenskyj für Unmut gesorgt. Im April kritisierte er, es sei respektlos, nach Moskau zu reisen und nicht nach Kiew zu kommen.
Auch die jüngsten Aussagen aus Moskau dürften in der Ukraine aufmerksam verfolgt worden sein. Putin erklärte, Witkoff und Kushner hätten inzwischen das Vertrauen der russischen Seite. «Für uns ist die Zusammenarbeit mit ihnen komfortabel», sagte der russische Präsident. Witkoff bezeichnete die Treffen mit Putin als einige der erinnerungswürdigsten Gespräche überhaupt.
Putin habe seine Einschätzung der aktuellen Lage abgegeben, berichtete sein aussenpolitischer Berater Juri Uschakow. Dabei seien insbesondere die angeblichen Erfolge der russischen Armee beim Vormarsch an der Front hervorgehoben worden. Die Einschätzungen über die tatsächlichen militärischen Fortschritte der Kriegsparteien gehen allerdings auseinander.
Laut GMX hatten sich die Verhandlungen über die Reise der US-Unterhändler nach Kiew und Moskau zuvor wochenlang hingezogen. Die USA sollen darauf bestanden haben, dass die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf Moskau und die russische Energieinfrastruktur vorübergehend aussetzt. Gleichzeitig sollten die russischen Streitkräfte ihre Raketenangriffe auf Kiew stoppen.
Anreise mit der Bahn aus Polen
Nach dem Treffen in Moskau flogen Witkoff und Kushner zurück auf EU-Gebiet und landeten in Rzeszow im Osten Polens. Von dort reisten sie wie andere ausländische Politiker mit dem Zug weiter nach Kiew.
Zuvor hatte es Überlegungen über eine Anreise mit dem Flugzeug gegeben. Der zivile Flugverkehr über der Ukraine ruht jedoch seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022.
Selenskyj warf Russland vor, vor dem Besuch gezielt die Kiewer Flughäfen Schuljany und Boryspil beschossen zu haben. Nach seiner Darstellung sollte damit möglicherweise ein Signal an die US-Vermittler gesendet werden.
Für die Dauer der Vermittlungsmission galten nach Angaben aus Kiew Zusagen beider Seiten, die Hauptstädte Moskau und Kiew nicht anzugreifen. In Kiew konnten viele Menschen nach Tagen mit nahezu rund um die Uhr anhaltenden Luftalarmen in der Nacht zu Sonntag wieder einmal weitgehend ungestört schlafen.
An anderen Orten kam es dagegen weiterhin zu Angriffen. In der frontnahen südukrainischen Grossstadt Saporischschja wurden zwei Frauen durch russische Drohnen verletzt. Am Vorabend waren in der Stadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw drei Menschen getötet worden.
Auch russisches Gebiet wurde angegriffen. Ukrainische Drohnen verursachten einen Brand in einer Raffinerie in der russischen Stadt Rjasan südöstlich von Moskau. Zudem wurden Angriffe aus dem Gebiet Rostow im Süden Russlands gemeldet.
Zeichen stehen auf Eskalation
Witkoff und Kushner sind in der Trump-Regierung für die Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs zuständig. «Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können», hatte Trump vor der Reise erklärt. Der US-Präsident zeigte sich erneut optimistisch, dass eine Einigung möglich sei.
Bisher haben die diplomatischen Bemühungen Washingtons jedoch keinen Durchbruch gebracht. Die USA waren unter anderem bei direkten Gesprächen zwischen Moskau und Kiew in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie im Februar in Genf als Vermittler beteiligt.
Zuletzt lagen die Verhandlungen weitgehend auf Eis. Eine zusätzliche Belastung stellte der eigene Krieg der USA gegen den Iran dar, der die Aufmerksamkeit der US-Regierung auf einen weiteren internationalen Konflikt lenkte.
Auch im Ukraine-Krieg stehen die Zeichen derzeit eher auf Eskalation. An der Front gibt es kaum grundlegende Veränderungen, während beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg ausgeweitet haben.
Moskau setzt verstärkt auf ballistische Raketen, die für die ukrainische Luftabwehr besonders schwer abzufangen sind. Gleichzeitig hat die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf Ziele im russischen Hinterland deutlich ausgeweitet. Dabei geraten unter anderem Raffinerien und Logistikzentren ins Visier.
Die Vereinten Nationen hatten zuletzt zudem auf eine hohe Zahl ziviler Opfer hingewiesen. Im Juli kamen Beobachtern zufolge so viele Zivilisten ums Leben wie seit Jahren nicht mehr innerhalb eines einzelnen Monats.






