Eine sechsjährige Passagierin könnte bei einem dramatischen Zwischenfall an Bord eines Flydubai-Flugs eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nina Manes wollte mit ihrer Mutter zur Toilette, als beide Schreie aus dem Cockpit hörten. Ihre Mutter schlug Alarm – kurz darauf stürmten Passagiere nach vorne und halfen dabei, den schwer verletzten Piloten und die Kontrolle über das Flugzeug zu sichern.
Der Weg zur Toilette führte direkt zum Cockpit
Der Flydubai-Flug FZ1073 war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs. An Bord der Boeing 737 MAX 8 befanden sich 174 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Während des Fluges kam es im Cockpit zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen dem Kapitän und seinem Co-Piloten.
Nina Manes war mit ihren Eltern auf dem Flug. Ihr Vater Tzvika Manes berichtete gegenüber Medien, seine Tochter habe zur vorderen Toilette gehen wollen. Ihre Mutter Tali habe dort plötzlich Schreie und heftige Geräusche aus dem Cockpit gehört.
Als der Kapitän die Cockpittür öffnen konnte, sah Tali Manes nach eigenen Angaben, dass der Pilot verletzt war. Sie begann laut um Hilfe zu rufen und machte andere Passagiere auf die Situation aufmerksam.
Damit begann eine Kette von Ereignissen, die schliesslich dazu führte, dass mehrere Passagiere und Besatzungsmitglieder in das Cockpit gelangten.
Passagiere überwältigen den Co-Piloten
Tzvika Manes sagte, er und zwei weitere Männer seien nach vorne gegangen und hätten den Angreifer überwältigt. Ein Arzt an Bord kümmerte sich nach seinen Angaben um den verletzten Kapitän.
Der indische Kapitän Smit Machchhar war während der Auseinandersetzung schwer verletzt worden. Trotz seiner Verletzungen gelang es ihm nach eigenen Angaben, die Cockpittür zu öffnen. Dadurch konnten weitere Personen eingreifen.
Ein weiterer Pilot befand sich ebenfalls an Bord. Nach den bisher veröffentlichten Berichten halfen zusätzliche Piloten beziehungsweise Besatzungsmitglieder dabei, die Kontrolle über die Maschine zu sichern und den Flug nach Saudi-Arabien umzuleiten.
Flug verliert innerhalb kurzer Zeit Tausende Meter an Höhe
Während des Vorfalls verlor die Boeing innerhalb kurzer Zeit grosse Mengen an Flughöhe. Reuters berichtete unter Berufung auf Passagiere und Flugdaten von einem dramatischen Sinkflug; das Flugzeug verlor demnach mehr als 14’000 Fuss Höhe. Anschliessend konnte die Maschine wieder stabilisiert werden.
Die Maschine wurde nach Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens umgeleitet. Dort landete sie sicher. Nach Angaben des saudischen Innenministeriums befanden sich 174 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder an Bord; alle konnten anschliessend weiterreisen.
Was genau im Cockpit geschah, wird untersucht
Die bisherigen Berichte sprechen von einem Angriff des Co-Piloten auf den Kapitän. Das saudische Innenministerium erklärte nach einer ersten Untersuchung, der Kapitän sei von seinem Co-Piloten angegriffen worden und beide Piloten hätten Verletzungen erlitten.
Israelische Behörden gehen von einem möglichen Versuch aus, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen beziehungsweise die Maschine zum Absturz zu bringen. Flydubai selbst sprach zunächst von einer Auseinandersetzung im Cockpit und betonte, dass die Motive noch Gegenstand der Ermittlungen seien. Die Fluggesellschaft warnte deshalb vor voreiligen Schlussfolgerungen.
Kapitän Machchhar spricht mit Premierminister Modi
Der schwer verletzte Kapitän Smit Machchhar sprach inzwischen per Video mit dem indischen Premierminister Narendra Modi. Dabei schilderte er den Ablauf des Vorfalls und wurde von Modi für sein Verhalten während der Notsituation gewürdigt.
Nach Angaben von Reuters konnte Machchhar trotz seiner Verletzungen die Cockpittür öffnen. Dadurch erhielten Passagiere und weitere Besatzungsmitglieder die Möglichkeit, einzugreifen. Anschliessend wurde die Maschine sicher nach Tabuk gebracht.
Eine ungewöhnliche Rolle für eine Sechsjährige
Nina Manes selbst wusste zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht, welche Folgen ihr Wunsch hatte, zur Toilette zu gehen. Erst dadurch befand sich ihre Mutter unmittelbar vor dem Cockpit, als dort die Schreie begannen.
Ob man deshalb tatsächlich sagen kann, dass das sechsjährige Mädchen den Zwischenfall „verhindert“ oder 174 Menschen „gerettet“ hat, lässt sich nicht unabhängig feststellen. Sicher ist jedoch: Die Beobachtung und der Alarm ihrer Mutter führten nach den Schilderungen der Familie dazu, dass weitere Passagiere schnell auf die Gefahr aufmerksam wurden.
Gemeinsam mit dem verletzten Kapitän und mehreren Passagieren trugen diese Personen dazu bei, dass die Maschine schliesslich sicher in Saudi-Arabien landen konnte.






