Sieben Minuten für einen Jahrhundert-Coup
Nur rund sieben Minuten benötigten die Täter am 19. Oktober für einen der spektakulärsten Raubzüge der vergangenen Jahre. Ziel war die Galerie d’Apollon im Louvre in Paris. Entwendet wurden Juwelen aus dem Zweiten Kaiserreich im geschätzten Wert von 88 Millionen Euro.
Sechs Monate später fehlt von der Beute weiterhin jede Spur.
Laut GMX prüfen die Ermittler inzwischen verstärkt die Möglichkeit, dass Teile der Schmuckstücke bereits zerlegt oder eingeschmolzen worden sein könnten.
Widersprüche und falsche Spuren
Kurz nach der Tat kursierten zahlreiche Hinweise: von einer geplanten Übergabe in einem Hotelzimmer bis zur angeblichen Flucht mit einem Privatflugzeug vom Flugplatz Lognes. Auch Spekulationen über ausländische Auftraggeber erwiesen sich als haltlos.
Bis Ende November konnten vier mutmassliche Haupttäter identifiziert werden. Sie sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Einer von ihnen ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Hehlerei.
Ein Verdächtiger änderte seine Aussagen mehrfach und sprach zwischenzeitlich von «slawischen Auftraggebern» – Hinweise darauf fanden die Ermittler jedoch nicht.
Sicherheitslücken als Schlüssel?
Nach Informationen der französischen Zeitung Le Parisien soll ein internes Sicherheitsaudit aus dem Jahr 2018 eine entscheidende Rolle spielen. Darin seien Schwachstellen des Museums detailliert beschrieben worden. Unklar bleibt, wie die Täter an dieses Dokument gelangten.
Die Justiz geht inzwischen von einem deutlich einfacheren Szenario aus: Der Coup könnte vollständig von den Verdächtigen selbst geplant und durchgeführt worden sein.
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Präziser Einstieg, chaotische Flucht
Über ein Fenster, das mit einer Hebebühne erreicht wurde, drangen die Täter in die Galerie ein, brachen gezielt Vitrinen auf und entnahmen Schmuckstücke französischer Königinnen und Kaiserinnen.
Im Kontrast dazu stand die Flucht: ein missglückter Brandversuch am Fluchtfahrzeug, zahlreiche Spuren – und die beschädigt zurückgelassene Krone der Kaiserin Eugénie in unmittelbarer Nähe des Museums.
Ermittler betonen dennoch, dass das Vorgehen trotz Fehlern Koordination und Effizienz zeigte.
«Verfluchter Schmuck» in der Szene
In Polizeikreisen ist inzwischen von «verfluchtem Schmuck» die Rede. Gemeint sind Beutestücke, die durch die enorme mediale Aufmerksamkeit praktisch unverkäuflich werden.
Selbst wohlhabende Sammler könnten solche Stücke weder offen zeigen noch legal weiterveräussern. Ihr Wiedererkennungswert macht sie wertvoll – und zugleich unbrauchbar.
Wurde die Beute längst eingeschmolzen?
Für Ermittler ist denkbar, dass die Juwelen nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existieren. Gold lasse sich technisch einfach einschmelzen und damit seiner Herkunft berauben.
Auch Geldwäsche könnte eine Rolle spielen. Spuren könnten sich über Jahre im Finanzsystem verlieren und erst sehr spät wieder auftauchen.







