Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 deutlich stärker gewachsen als erwartet. Das um grosse Sportereignisse bereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent. Getragen wurde das Wachstum vor allem von der Industrie, insbesondere der Chemie- und Pharmabranche. Gleichzeitig bleiben die US-Handelspolitik und die laufenden Verhandlungen über Zölle wichtige Unsicherheitsfaktoren.
Die vorläufige BIP-Schätzung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) zeigt damit das stärkste Quartalswachstum der Schweizer Wirtschaft seit 2021. Zum Jahresauftakt hatte das bereinigte BIP noch um 0,4 Prozent zugelegt. Für das zweite Quartal hatten Analystinnen und Analysten laut einer Bloomberg-Umfrage lediglich mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet.
Das Ergebnis fiel damit deutlich besser aus als erwartet. Das SECO bezeichnete insbesondere die Industrie als wichtigsten Wachstumstreiber. Auch der Dienstleistungssektor entwickelte sich insgesamt positiv.
Chemie und Pharma treiben die Industrie an
Besonders stark präsentierte sich die Schweizer Industrie. Nach Angaben des SECO wurde das Wachstum vor allem von der Chemie- und Pharmabranche getragen. Die Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der sich die Schweizer Industrie nach einer längeren Schwächephase wieder stabilisiert.
Auch der Einkaufsmanagerindex (PMI) deutet auf eine Verbesserung hin. Im März hatte der wichtige Frühindikator erstmals seit mehr als drei Jahren wieder auf Wachstum hingedeutet. Seither blieb die Entwicklung positiv und spricht für eine Belebung der industriellen Aktivitäten.
Die Schweizer Wirtschaft profitiert zudem von ihrer vergleichsweise geringen Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Die Stromproduktion basiert zu grossen Teilen auf Wasserkraft und Kernenergie. Dadurch ist die Schweiz weniger direkt von starken Schwankungen bei internationalen Energiepreisen abhängig.
Auch die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) spielt eine Rolle. Der Leitzins liegt weiterhin bei null Prozent. Gleichzeitig versucht die SNB zu verhindern, dass starke Kapitalzuflüsse den Franken zu deutlich aufwerten und damit die exportorientierte Wirtschaft zusätzlich belasten.
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US-Zölle bleiben ein Risiko für die Schweiz
Trotz des starken Quartals bleibt der wirtschaftliche Ausblick mit Unsicherheiten verbunden. Eine zentrale Rolle spielt die Handelspolitik der USA. Die Schweiz hatte im November eine vorläufige Vereinbarung erreicht, wonach die US-Zölle auf Schweizer Waren bei 15 Prozent gedeckelt werden sollten.
Allerdings fehlt weiterhin ein rechtlich bindendes Abkommen. Damit bleibt offen, ob die vereinbarte Obergrenze dauerhaft Bestand haben wird. Die Verhandlungen zwischen Bern und Washington laufen weiter. Der Schweizer Handelsdiplomat erklärte im Juli, es gebe eine gute Chance auf eine dauerhafte Lösung.
Für die Schweizer Exportwirtschaft ist die Entwicklung besonders relevant. Die USA gehören zu den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz, weshalb zusätzliche Zölle die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Branchen beeinträchtigen könnten.
EU-Beziehungen bleiben wirtschaftlich wichtig
Neben den USA richten sich die Blicke auch auf die Beziehungen zur Europäischen Union. Mehr als ein Drittel der Schweizer Exporte geht in die EU. Deshalb haben die weiteren Verhandlungen über die bilateralen Beziehungen auch eine grosse wirtschaftliche Bedeutung.
Politisch wurde im Juni zudem ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung vorerst reduziert. Die Schweizer Stimmbevölkerung lehnte eine von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) vorgeschlagene Begrenzung der Bevölkerungszahl ab. Die Migration bleibt allerdings ein bedeutendes innenpolitisches Thema.
Als nächstes wichtiges politisches Dossier gilt die Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Eine Abstimmung über neue bilaterale Vereinbarungen wird derzeit für 2027 oder 2028 erwartet.
Die aktuellen Wachstumszahlen sind allerdings noch nicht endgültig. Die erste BIP-Schätzung basiert auf einer noch nicht vollständigen Datengrundlage. Revisionen sind deshalb möglich. Das SECO will die definitive Wachstumszahl und detailliertere Angaben zu den einzelnen Wachstumstreibern am 3. September 2026 veröffentlichen.
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