Die Strompreise in der Schweizer Grundversorgung sinken 2027 für Haushalte im Mittel um rund 4 Prozent. Ein typischer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden bezahlt künftig durchschnittlich 26,5 Rappen pro Kilowattstunde. Damit reduziert sich die jährliche Stromrechnung im Median um rund 53 Franken auf 1194 Franken.
Die Zahlen stammen aus den Berechnungen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom). Die rund 580 Schweizer Netzbetreiber mussten ihre Tarife für das kommende Jahr bis zum 31. August 2026 bekannt geben.
Für die Haushalte sinkt der Gesamttarif gegenüber 2026 um 1,2 Rappen pro Kilowattstunde. Hauptgrund dafür sind tiefere Kosten für die Energiebeschaffung.
Energie wird günstiger, Netzkosten steigen
Der Energietarif sinkt im Median von 12,11 auf 11,35 Rappen pro Kilowattstunde. Das entspricht einem Rückgang von rund 6,3 Prozent. Bei vielen Versorgern laufen besonders teure Beschaffungsverträge aus, wodurch die Kosten für die Energie 2027 zurückgehen.
Gleichzeitig steigen die Netzkosten. Der Netztarif für einen typischen Haushalt erhöht sich von 10,73 auf 10,94 Rappen pro Kilowattstunde. Auch die Kosten für das Messen des Stromverbrauchs nehmen zu. Der Messtarif steigt im Durchschnitt von 74,40 auf 78,48 Franken pro Jahr.
Der Netzzuschlag bleibt dagegen unverändert bei 2,3 Rappen pro Kilowattstunde. Auch die Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen bleiben mit 1 Rappen pro Kilowattstunde stabil.
Entlastet werden die Haushalte zudem bei der Stromreserve. Der entsprechende Zuschlag sinkt von 0,41 auf 0,17 Rappen pro Kilowattstunde. Auch die Swissgrid-Tarife fallen von 1,42 auf 1,20 Rappen.
Strompreise unterscheiden sich je nach Region stark
Die Entwicklung fällt allerdings nicht überall gleich aus. Bei den von der ElCom ausgewiesenen Werten handelt es sich um Medianwerte. Zwischen einzelnen Gemeinden und Netzbetreibern können die tatsächlichen Strompreise deshalb deutlich voneinander abweichen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Beschaffungsstrategie der einzelnen Energieversorger. Netzbetreiber mit einem hohen Anteil eigener Stromproduktion sind beispielsweise weniger stark von den Preisen am Grosshandelsmarkt abhängig als Versorger, die grosse Mengen Strom einkaufen müssen.
Auch bei den Messtarifen bestehen erhebliche Unterschiede. Für Haushalte reichen diese laut ElCom von 0 bis 180 Franken pro Jahr.
Für mittlere Betriebe zeigt sich grundsätzlich ein ähnliches Bild wie bei den Haushalten. Die Energiekosten sinken, während die Netz- und Messkosten leicht zunehmen.
Iran-Krieg wirkt sich erst später stärker aus
Die derzeit stark gestiegenen Grosshandelspreise für Strom schlagen sich im Tarifjahr 2027 nur begrenzt nieder. Grund dafür sind die langfristigen und strukturierten Beschaffungsstrategien vieler Schweizer Energieversorger.
Der deutliche Preisanstieg am Grosshandelsmarkt infolge des Iran-Kriegs seit März 2026 dürfte sich deshalb je nach Entwicklung eher in den folgenden Tarifjahren bemerkbar machen. Die aktuellen Tarife spiegeln teilweise noch frühere Beschaffungskosten wider.
Auch bei den Netzkosten gibt es Faktoren, die den allgemeinen Aufwärtstrend bremsen. So liegt die Kapitalverzinsung für Stromnetze, der sogenannte WACC, 2027 mit 3,28 Prozent unter dem Vorjahreswert von 3,43 Prozent. Dadurch sinken die aggregierten Netzkosten laut ElCom um rund 34 Millionen Franken.
Die ElCom weist gleichzeitig darauf hin, dass die Netzbetreiber ihre Tarifänderungen gegenüber den Kundinnen und Kunden nachvollziehbar begründen müssen. Eine Prüfung der Kommunikation im Jahr 2025 zeigte, dass insbesondere bei der Erklärung von Tarifveränderungen noch Verbesserungsbedarf besteht.






